Bramfeld „gewinnt“ einen Punkt gegen desaströsen SVNA – „DAG“: „Ein Spiegel der Vorbereitung!“

SVNA-Abwehrchef Oliver Franz (li.) vertändelte den Ball, im Hintergrund bejubelt Bramfelds Robin Polzin (mi.) seinen Treffer zum 3:3. Foto: Herzog

Bramfelder SV – SV Nettelnburg/Allermöhe 3:3 (1:2)
Landesliga Hansa, 20. Spieltag (Fr., 01.03.19, 19.00 Uhr)

Es war die Szene des Spiels: Nettelnburgs Timo Czech spielte einen Pass auf Anton Wischnewski, der Ball wurde abgefälscht, kam aber an. Der Linienrichter hob die Fahne wegen einer Abseitsposition und die Akteure des Bramfelder SV schalteten ab. Doch Schiedsrichter Björn Struckmann (FC St. Pauli) ließ trotz der gehobenen Fahne seines Assistenten weiterspielen, Wischnewski war frei durch und schob ein – der Treffer zählte. Dies brachte Bramfelds Schlussmann Sascha Kleinschmidt so sehr auf die Palme, dass er den Unparteiischen kurz anpackte und den roten Karton sah. Es waren gerade mal 34 Minuten gespielt, die Hausherren fortan in Unterzahl und der SV Nettelnburg/Allermöhe hatte soeben den 2:1-Führungstreffer erzielt.

Bramfelds Keeper Sascha Kleinschmidt (blaues Trikot) sah die Rote Karte. Foto: Herzog

Das Spitzenspiel des zweitplatzierten Bramfelder SV gegen den Tabellenfünften SVNA in der Landesliga Hansa wurde spätestens jetzt ein solches. „Eine spielentscheidende Szene“, erklärte Bramfelds Übungsleiter Carsten Henning, der zusammen mit Mirko Schulz die sportlichen Geschicke an der Ellernreihe leitet, nach Abpfiff. „Der Linienrichter zeigt klar Abseits an. Der Pass in die Tiefe wird durch unseren Spieler abgefälscht. Es war also Abseits, weil es keine neue Spielsituation ist und da lässt er weiter laufen. Kurz vor der Pause gab es eine ähnliche Situation an der Außenlinie und da pfeift der Schiedsrichter Abseits. Da frage ich mich was da geschult wird, wenn es zwei identische Situationen sind, die aber anders bewertet werden“, führte Henning seine Ausführungen fort.  Des einen Leid war des anderen Freud. Denn die Gäste hatten nach dem Führungstor durch Masehullah Satari (13.) den Ausgleich durch Nick Mohr hinnehmen müssen (21.) und waren jetzt scheinbar auf der Siegerstraße. Bedanken konnten sie sich auch bis dato bei ihrem Torwart Fynn Körner, der mehrmals grandios hielt. 

Bramfeld nutzt die wenige Chancen eiskalt, Nettelnburg zu leichtfertig vor dem Tor

Fand nach dem Spiel deutliche Worte: SVNA-Trainer Daniel Andrade-Granados. Foto: Herzog

Während die Gastgeber im Kollektiv mit dem Gespann und dem gegebenen Tor haderte, versuchte die Elf von Daniel Andrade-Granados die Entscheidung herbeizuführen. Die beste Möglichkeit hatte dabei Philipp Sander, der es fertig brachte die Kugel aus drei Metern nicht im Tor unterzubringen. So ging es nur mit 1:2 aus Sicht der Bramfelder in die Kabine. Nach dem Seitenwechsel vergaben die Gäste zweimal halbherzig (47., 51.), sodass der BSV seine Chance witterte und prompt zum Ausgleich kam: Robin Polzin war über links durch und bediente den freistehenden Kapitän Marcel Perz (55.). „Wir wurden nicht auseinander gerissen, wir haben schlicht und einfach nur Halbgas gemacht“, so der enttäuschte Andrade-Granados später. Doch seine Mannschaft kam nochmals zurück ins Spiel, traf durch den starken Czech erneut zur Führung. Das hätte es sein können, aber nicht an diesem Abend. Nur 180 Sekunden später leistete sich Nettelnburgs Abwehrchef und Kapitän Oliver Franz einen Bock, als er den Ball am Strafraum an Polzin vertändelte. Der Angreifer ließ sich nicht zweimal bitten und schob zum 3:3 ein. Sechs Tore, am Ende zwei Platzverweise (Bramfelds Lars Lüdemann sah Gelb-Rot in der 96. Minute) und irgendwie gab es doch einen gefühlten Sieger in diesem Topspiel.

Strafe für BSV-Keeper? „Dafür muss er drei Wochen den Kühlschrank mit Kaltgetränken füllen.“

War mit dem Ergebnis zufrieden: BSV-Coach Carsten Henning. Foto: Herzog

Während die Gastgeber sich eher freuen konnten, ging ein sichtlich angefressener „DAG“ mit seinen Spielern hart ins Gericht. „Glückwunsch an Bramfeld, die das super gemacht haben und sich heute als Gewinner sehen können. Wir hingegen haben uns absolut desaströs präsentiert und ich bin enttäuscht von der zweiten Halbzeit. Das Spiel hat heute vielleicht auch gezeigt, warum wir nicht an die Spitzenposition dieser Liga gehören. Bramfeld hat die Basics abgerufen und wir nicht. Das Spiel heute war ein Spiegel der Vorbereitung“, fand Nettelnburgs Übungsleiter deutliche Worte, der vor dem Spiel von einer Wintervorbereitung mit großen Problemen sprach. Sein Gegenüber war indes mit dem Punkt zufrieden – aufgrund des Spielverlaufs. „Wir sind dreimal in Unterzahl zurückgekommen. Wir waren in Unterzahl spielbestimmend, auch wenn wir nicht die riesigen Chancen hatten. Wir müssen also zufrieden sein heute mit dem Ergebnis“, bilanzierte Carsten Henning. Eine „Strafe“ für den Aussetzer von Keeper Kleinschmidt hat sich der Trainer auch schnell einfallen lassen. „Das darf ihm als erfahrenen Spieler natürlich nicht passieren mit dem Schiedsrichter. Dafür muss er drei Wochen den Kühlschrank mit Kaltgetränken füllen“, lächelte Henning und ging letztlich irgendwie als Sieger vom Platz.

BSV: Kleinschmidt; Szega (35. Schwart), Westphal, Remark, Lüdemann; Mellmann, Stoppel; Perz (84. Ntiri), Mohr, Müller (65. Lüth); Polzin
SVNA: Körner; Müller, Sander, Franz, Milke; Ali (68. Meyer), Seibert, Satari, Lubinski; Czech (82. Schewa); Wischnewski (84. Richard)

Eine Bildergalerie von Maurice Herzog: