„Das muss nur in die Köpfe: Ohne Fleiß kein Preis! Dafür packe ich auch zwei Euro ins Phrasenschwein.“

Maurice Herzog, Torwart und Kapitän des SC Vier- und Marschlande II, findet trotz aktueller Verletzungspause klare Worte. Foto: noveski.com

Bereits seit 2012 hütet Maurice Herzog das Gehäuse des SC Vier- und Marschlande II, ist seit 2014 Kapitän des Teams und bestreitet aktuell seine achte Spielzeit im Trikot des Süd-Bezirksligisten – auch wenn er derzeit aufgrund einer Schulterverletzung kürzer treten muss. Dennoch nahm sich der 31-Jährige, der zuvor nur für den ETSV Hamburg im Herrenbereich spielte und neben seiner aktiven Laufbahn die Sportplätze als Fotograf unsicher macht, Zeit und sprach mit uns über den Saisonstart seines SCVM II, die Schwachstellen und Stärken sowie den Zusammenhalt in der Mannschaft. Die interessanten Aussagen und klaren Worte des Familienvaters lest ihr jetzt im Interview.

BOLZJUNGS: Hallo Maurice, bevor wir über den Fußball sprechen: Wie geht es dir nach deiner Operation an der Schulter?
Maurice Herzog: Hallo ihr Beiden. Mir geht es den Umständen entsprechend. Man glaubt gar nicht, wie sehr die Schulter bei sämtlichen Bewegungen arbeitet. Daher schmerzt es noch häufig und nicht zu wenig. Aber immerhin bin ich mobil – man zieht sich das Positive aus der Sache heraus.
BOLZJUNGS: Wann stehst du deiner Mannschaft wieder auf dem Platz zur Verfügung?
Herzog: Das ist schwierig zu sagen. Mir wurde gesagt, dass die Saison gelaufen ist, da eine Platte eingesetzt wird. Dies ist nun nicht der Fall gewesen. Die nächsten sechs Wochen und der Heilungsprozess werden daher jetzt entscheidend sein. Das Fußballjahr 2019 ist trotzdem für mich erledigt, da werde ich auch nichts überstürzen. Mein Ziel ist es, Anfang des neuen Jahres wieder auf dem Platz zwischen den Pfosten zu stehen. Bis dahin werde ich eine Menge Geduld aufbringen müssen – das liegt mir total. (lacht)
BOLZJUNGS: Deine Unterstützung als erfahrener Torwart könnte die Mannschaft aktuell sicherlich bestens gebrauchen: Nach elf Spielen belegt ihr mit zwölf Zählern den elften Tabellenplatz in der Bezirksliga Süd. Woran haperte es bei euch im ersten Saisondrittel?
Herzog: Natürlich ist es für eine Mannschaft schwierig, wenn erfahrene Spieler nicht mitwirken und der Kapitän ausfällt. Neben mir sind auch Thorben Richardt, Dominik Peper und Bastian Schümann langzeitverletzt. Hinzu kamen zu Saisonbeginn Pascal Stut und Luca Klingler. Dann noch Toni Karau, der jetzt wieder eingestiegen ist. Wir konnten bisher also kaum aus dem Vollen schöpfen und mussten immer wieder neue personelle Rückschläge einstecken. Ansonsten hatten einige nach dem Fehlstart nicht den Ernst der Lage erkannt und haben Gegner auf die leichte Schulter genommen. Niederlagen gegen Inter 2000 oder Juventude bestätigten das – denn gegen diese Mannschaften waren Siege vielleicht zu fest eingeplant. Wenn wir aber vernünftig und konzentriert an die Partien herangehen, klappt es auch mit dem Sammeln der Punkte: Siehe die Spiele gegen Altona 93 II, bei Neuland oder gegen Süderelbe II. Und dass es nicht ganz hapert, sieht man ja auch am Pokal-Wettbewerb. Dort sind wir bisher bis ins Viertelfinale vorgedrungen und das auch ohne einige vermeintliche Stammkräfte oder erfahrene Spieler. Letztlich macht es die Mischung und die ist nach wie vor gegeben mit Spielern wie Mario Timmann, Tom Gathmann, Kay Jacobsen, Joshua Mülter, Alexander Behrens oder auch Niclas Toll. Die nehmen die ganz Jungen sinnbildlich an die Hand. Es ist also insgesamt eine Einstellungssache.
BOLZJUNGS: In der vergangenen Spielzeit habt ihr eine starke Hinrunde gespielt und seid als Dritter in die Winterpause gegangen – doch dann kam der Bruch. Ihr habt nur noch zwei Partien gewonnen, die Rückrunde auf dem vorletzten Rang beendet und lagt im Gesamttableau auf dem achten Platz. Dieser Negativlauf hat sich nun fortgesetzt. Woran liegt es, dass ihr aus dieser Spirale aktuell nicht herauskommt?
Herzog: An die zurückliegende Saison denken wir gar nicht mehr. Durch die Enttäuschung, nicht an die Hinrunde angeknüpft zu haben, war die Trainingsbeteiligung schlecht, die Motivation bei vielen Spielern weg. Das ist abgehakt. Die aktuelle Spielzeit ist bislang natürlich nicht zufriedenstellend. Nach den Startschwierigkeiten und einiger Befindlichkeiten haben wir uns ausgesprochen und sind enger zusammengerückt. Auch nach überflüssigen oder knappen Niederlagen haben wir Zuspruch von unseren tollen Zuschauern erhalten, weil wir alles gegeben haben. Das zeigt, dass wir auf einem guten Weg sind, gemeinsam diese Hürde zu nehmen. 
BOLZJUNGS: Das geht ja schon in die richtige Richtung. Was macht dich optimistisch, dass ihr euch aus dieser Phase endgültig befreien könnt und so richtig in Fahrt kommt?
Herzog: Alle haben mittlerweile verstanden, worum es geht – und vor allem, wie es geht! Nämlich mit der notwendigen Einstellung. Man muss nicht immer schön spielen, sondern in erster Linie für 90 Minuten bei der Sache sein und alles geben. Vorwärts Ost hat auch nicht schlecht gespielt und hatte Chancen, aber wir waren zielstrebig und effektiv und haben sie mit 8:0 nach Hause geschickt. Das muss nur in die Köpfe: Ohne Fleiß kein Preis! Dafür packe ich auch gerne zwei Euro ins Phrasenschwein. (zwinkert) Einige Ergebnisse täuschen über die Leistungen hinweg, das Quäntchen Glück wird uns schon wieder aufsuchen. 
BOLZJUNGS: Eine Erkenntnis, die euch positiv stimmen lässt: Ihr stellt mit nur 19 Gegentreffern die fünftbeste Abwehr – nur die Top vier haben weniger Treffer kassiert. Was macht euch in der Defensive so stark?
Herzog: Wir haben in Testspielen, im Pokal und in der Liga einige Male zu Null gespielt – das kommt nicht von ungefähr. In der Defensive sind wir gut besetzt, da harmoniert es einfach. Unsere Trainer haben da teils die Qual der Wahl, wen sie aufstellen. Alle hauen sich rein und wollen sich zeigen.
BOLZJUNGS: Im Gegensatz dazu mangelt es offenbar in der Offensive: Denn mit ’nur‘ 23 erzielten Toren habt ihr den fünftschwächsten Angriff. Was fehlt euch in der Offensive?
Herzog: 23 Treffer sind immer noch knapp zwei Treffer pro Spiel. Das ist prinzipiell keine schlechte Ausbeute. Ich würde dennoch sagen, dass uns ein klassischer Mittelstürmer fehlt, der einfach nicht lange am Strafraum fackelt und weiß, wo die Kugel hinfällt. Mit Bastian Schümann fehlt uns schon länger ein Unruheherd im Zentrum. Die Anderen kommen eher über die Flügel und haben das ‚Knipsergen‘ nicht so sehr in sich. Es ist jedoch äußerst schwierig, Spieler mit dieser Qualität zu uns zu lotsen. Im Sommer haperte es an der Entfernung, weil wir eine zweite Herren sind oder am leidigen Thema Geld – und einmal sogar an gestellten Fußballschuhen. Mit Ben Meyer hatten wir nach seiner Verletzungspause einen sehr guten Stürmer im Aufbau. Leider verletzte er sich erneut am Meniskus und fällt jetzt nach einer Operation aus. Also müssen es weiter die aktuellen Angreifer richten. Dadurch sind wir aber auch nicht so leicht auszurechnen, wie andere Teams. Und ganz ehrlich: Wenn wir am Ende 45:46 Tore haben, aber 35 bis 40 Punkte, dann bin ich zufrieden. 
BOLZJUNGS: Wenn ihr es schafft, eure gute Defensive beizubehalten und euch in der Offensive verbessert: Was ist dann in dieser Saison für den SC Vier- und Marschlande II noch möglich?
Herzog: Ich denke, nach dem unglücklichen Start ist ein einstelliger Tabellenplatz das Ziel. Viel wichtiger ist jedoch, dass alle Verletzten nach und nach zurückkehren und wir wieder gemeinsam für unseren Verein kicken können.
BOLZJUNGS: Das ist doch ein schönes Schlusswort. Vielen Dank für das Gespräch, Maurice! Wir wünschen dir und deinem SC Vier- und Marschlande II für die weitere Saison viel Erfolg.