Defensiver SVA findet in der zweiten Hälfte zu seinem Spiel – schafft es aber nicht, den VfL zu bezwingen

Hing die größte Zeit des Spiels wortwörtlich in der Luft und bekam keine Bälle: Altengamme Torjäger Sandro Schraub. Foto: BOLZJUNGS

SV Altengamme – VfL Lohbrügge 2:3 (0:2)
Landesliga Hansa, 11. Spieltag (Sa., 05.10.19, 15.00 Uhr)

Die Marschroute war klar kommuniziert! „Weil wir die vollen 90 Minuten – plus Nachspielzeit – um jeden einzelnen Ball kämpfen werden und dem Favoriten ein Bein stellen wollen“, erklärte Sandro Schraub, Torjäger des Hansa-Landesligisten SV Altengamme, Anfang der Woche im Interview. Doch dieses Vorhaben gelang Schraub und seinen Altengammern im Duell mit dem Spitzenreiter VfL Lohbrügge am Samstagnachmittag (05.10.19) auf dem heimischen Rasenplatz am Gammer Weg vor 159 Zuschauern nicht. Die gastgebenden Altengammer unterlagen dem VfL mit 2:3. „Lohbrügge war einfach brutal effektiv. Wir haben drei Mal nicht aufgepasst und liegen 0:3 zurück. In den zweiten 45 Minuten haben wir alles auf eine Karte gesetzt, es hat aber leider nicht gereicht“, gab ein enttäuschter Schraub nach Spielende zu Protokoll. Und diese von Schraub angesprochenen drei Tore waren ansehnlich herausgespielt. Die ersten beiden Treffer leitete jeweils Rechtsverteidiger Sandjar Ahmadi mit einem Pass auf der rechten Außenbahn ein. Beim ersten Mal war es Pascal Bäker, der sich stark durchsetzte, den Ball im Spiel hielt und quer vor das Tor legte, wo Anto Zivkovic am ersten Pfosten das Spielgerät über die Linie bugsierte (25.). 13 Zeigerumdrehungen später tauschten Zivkovic und Bäker die Rollen – und Torjäger Bäker vollendete eine Vorlage von Zivkovic zum 2:0 (38.). „Irgendwie ist die Luft raus – aber die war ja gar nicht richtig drin“, traf ein Altengammer Zuschauer den berühmten Nagel auf den Kopf. In der ersten Halbzeit war von einem Spitzenspiel, in dem der Liga-Primus beim seit acht Spielen ungeschlagenen Tabellendritte gastierte, nichts zu sehen. Denn der SVA, der mit einer Fünferkette agierte, konzentrierte sich ausschließlich auf die Defensive und fand in der Offensive nicht statt.

„In der ersten Halbzeit wollten wir defensiv stabil stehen und bisschen kontern“, bestätigte auch Trainer Jan Krey den Eindruck. „Ich bin von Altengamme enttäuscht“, sagte auch Elvis Nikolic, der zusammen mit Sven Schneppel das Team vom Binnenfeldredder trainiert, im ersten Durchgang am Seitenrand. Erst im zweiten Abschnitt entwickelte sich ein unterhaltsames Duell. Denn in dieser zweiten Hälfte waren die Hausherren griffig und standen den hochveranlagten VfL-Akteuren frühzeitig auf den Füßen. So verhinderten sie das gefährliche Kombinationsspiel der Gäste. Doch diese schlugen eindrucksvoll im Stile einer Spitzenmannschaft in der besten Altengammer Phase durch den 15. Saisontreffer von Bäker zu und erhöhten auf 3:0 (71.). Nun dachten alle der 159 Zuschauer, dass dieses vermeintliche Topspiel frühzeitig entschieden ist und der VfL auf seinen zehnten Sieg in Serie zusteuert. Doch es wurde tatsächlich nochmal spannend. Als gerade nochmal der Regen einsetze, nickte Schraub nach einer Flanke von Philipp Heitmann mit seinem zehnten Saisontor zum 1:3 ein (87.). 60 Sekunden später sah der bereits mit Gelb verwarnte Artur Hoppe nach einem Einsteigen gegen Jonas Buck die Gelb-Rote Karte (88.). Den folgenden Freistoß beförderte Buck von der rechten Seite auf den zweiten Pfosten, dort packte VfL-Torwart Bünyamin Bulanik den ungefährlichen Ball fest in seinen Händen, ließ diesen aber wieder los, sodass Dominik Scheu keine Probleme hatte ins verwaiste Gehäuse einzuschieben – plötzlich stand es nur noch 2:3 aus Sicht der Hausherren (90.). Doch für die ganz große Aufholjagd war keine Zeit mehr. Schiedsrichter Kevin Klüver (FC Eintracht Norderstedt) beendete nach zweiminütiger Nachspielzeit die Partie. Der zehnte Lohbrügger Sieg in Folge war eingetütet, die Altengammer Serie von acht ungeschlagenen Spielen fand ein Ende.

„Lohbrügge zieht einsam seine Kreise und der Rest der Liga wird das berühmte Fernglas brauchen.“

„In der zweiten Halbzeit haben wir alles oder nichts gespielt – das können wir. Das haben wir auch so gemacht. Schade, dass sie in unser Drangphase per Konter das 3:0 erzielen. Gegen Lohbrügge kann man verlieren – und vermutlich werden sie noch 19 Siege einfahren“, sagte Krey mit einem Schmunzeln, ehe er ins Schwärmen geriet. „Die haben einfach Spieler in ihren Reihen, die den Unterschied ausmachen. Die sind ruhiger am Ball, sind strukturierter und haben so viel Klasse. Der VfL Lohbrügge zieht an der Tabellenspitze einsam seine Kreise und der Rest der Liga wird das berühmte Fernglas brauchen und wird um den Rest der Plätze spielen. Das war aber von vornherein klar. Trotzdem machen auch solche Spiele Spaß“, sagte der Übungsleiter. „Schade, dass wir den Anschlusstreffer erst so spät machen. Wenn wir den zehn Minuten früher erzielen, wird es vielleicht noch spannender. Trotzdem kann ich den Jungs keinen Vorwurf machen. Wir haben aufopferungsvoll gekämpft und auch Fußball gespielt“, schloss Krey. Auf der Gegenseite überwog die Freude der fortgesetzten Siegesserie. „Wir haben unnötig gezittert. Dennoch haben wir unseren zehnten Sieg in Folge eingefahren. Das ist eine unfassbare und eine geile Serie. Darüber freuen wir uns richtig doll. Denn das gelingt einem nicht so nebenbei. Dafür geben wir jede Woche drei Mal Vollgas und drehen an kleinen Stellschrauben“, diktierte Nikolic euphorisch in die Notizbücher, ehe er in die Analyse ging. „In der ersten Halbzeit stand der Gegner sehr tief. Da ist es schwierig für unsere Jungs Lösungen zu finden – und sie finden aber Lösungen. Dies überwiegt auch bei uns. So etwas wie in den letzten zehn Minuten passiert mal im Fußball. Das ist wieder schön für uns Trainer. So haben wir in der kommende Trainingswoche gewisse Dinge, über die wir reden können“, erklärte die eine Hälfte des Trainer-Duos. Und Schraub? Der trauerte auf dem Weg in die Kabine der – wenn man rein auf das Ergebnis blickt – knappen Niederlage hinterher. „Ein Ball kriege ich, den mache ich rein. Mehr ging heute leider nicht“, formulierte der Torjäger abschließend.

SVA: Golinske; Voß, Behr (90. D. Herzberg), Reimers (77. Böttcher), Scheu, Peters (58. Stegmann); Buck, Alpen, Bierwagen, Heitmann; Schraub
VfL: Bulanik; Ahmadi, Benkovic, Atug, Hoppe; Saglam, Holz (80. Bozic); Labiadh (73. Akkus), Zivkovic, Brkic; Bäker (85. Gencel)

Eine Bildergalerie zum Landesliga-Spiel: