Derby endet 1:1: Schraub mit „Brustlöser“, Anton Wischnewski beglückt seine Anhänger

Altengammes Torjäger Sandro Schraub nach seinem Treffer mit einer Jubelgeste in Richtung Nettelnburger Anhängerschaft. Foto: Herzog

SV Nettelnburg/Allermöhe – SV Altengamme 1:1 (0:0)
Landesliga Hansa, 16. Spieltag (Fr., 09.11.18, 19.00 Uhr)

Er war platt, kaputt, aus der Puste. Eine Viertelstunde vor dem Ende äußerte Sandro Schraub, Topstürmer des SV Altengamme, in der Landesliga-Partie beim SV Nettelnburg/Allermöhe gegenüber seinem Co-Trainer Jan Krey den Wunsch, in den nächsten Minuten ausgewechselt werden zu wollen. Krey, der den beruflich verhinderten „Chef“ Jörn Geffert an der Seitenlinie vertrat, antwortete: „Mach noch zehn Minuten.“ Zu diesem Zeitpunkt wäre Schraub vor 143 Zuschauern der große Matchwinner, der gefeierte Held auf Seiten des SVA gewesen. Doch von außen musste der in der 85. Minute ausgewechselte 22-Jährige dann noch mit ansehen, wie der SVNA in der Nachspielzeit zum 1:1-Ausgleich kam. „Ärgerlich, aber wir hätten das Spiel meiner Meinung nach gewinnen müssen“, zeigte sich Schraub nach Spielende gegenüber BOLZJUNGS enttäuscht.

Altengamme muss mächtig umstellen – „Brustlöser“ Führungstreffer

SVA-„Co“ Jan Krey vertrat seinen „Chef“ Jörn Geffert. Foto: Herzog

Die Gäste aus Altengamme reisten personell stark gebeutelt an den Henriette-Herz-Ring – vor allem im Defensivbereich. Mit Marvin Behr (Schlüsselbeinbruch), Marco Schulz (Rückenprellung), Max Böttcher (Weltreise) fielen gleich drei Abwehrspieler aus. Der SVA agierte zudem nicht, wie gewohnt, mit Dreier-, sondern mit einer Viererkette. Der gelernte „Sechser“ Tobi Czech gab dabei sein Debüt als Rechtsverteidiger, Kevin Herzberg rückte ins Abwehrzentrum und Janis Voß durfte als Linksverteidiger ran. „Wir haben uns die ganze Woche darauf vorbereitet, mit einer Viererkette zu agieren. Die bestand aus drei Mittelfeldspielern, da der Rest verletzt oder nicht da ist“, erklärte „Co“ Krey. Trotz der Umstellung agierte seine Defensive zumeist abgeklärt und eingespielt.

Nach einer ersten Viertelstunde, die von beiderseitigem Abtasten geprägt war, sorgte Nettelnburgs Alexander Hermann mit zwei Distanzschüssen für die ersten Torannäherungen des Spiels (16., 18.). Auf der Gegenseite sorgte Philipp Heitmann das erste Mal für Gefahr (22.). Es sollten die Höhepunkte einer ansonsten ereignisarmen ersten Hälfte bleiben, die kurz vor dem Pausenpfiff durch ein Foulspiel von Schraub an Flemming Milke noch einmal kurz Fahrt aufnehmen sollte (43.). Die folgenden, kleinen Diskussionen gaben erste Einblicke in das, was in Abschnitt zwei passieren sollte.

Das erste Ausrufezeichen nach dem Seitenwechsel setzte SVNA-Spielmacher Masehullah Satari. Sein Schuss prallte allerdings an den Querbalken (50.). Fünf Minuten später verpasste auch Stürmer Mete Sahin die Führung – was von den Vierländern bitter bestraft wurde. Philip Alpen, der als gelernter Stürmer dieses Mal auf der Sechs aushelfen musste, steckte auf Schraub durch, der mit Ball von rechts in den Strafraum gelaufen war und das Spielgerät an den langen Innenpfosten setzte, von wo aus er die Linie überquerte (57.). 1:0, pure Freude beim Torschützen, der vor die heimischen Zuschauer lief und in die Richtung dieser den Zeigefinger auf die Lippen legte. „Freitagsspiele sind immer etwas besonderes mit dem Flutlicht, da hat man immer sehr viel Bock. Mein Treffer war wirklich ein Brustlöser für mich. Die ganze Zeit musste ich mir Sachen von außen von den Zuschauern anhören. Mit der Geste habe ich dann darauf hingewiesen, dass sie alle mal auf sich selbst gucken sollen – das mache ich ja auch“, erklärte Schraub nach Spielende.

Später Ausgleich durch eingewechselten „Anton, Anton, Anton!“

Torschütze Anton Wischnewski (3. v. r.) in der Jubeltraube. Foto: Herzog

Der SVNA tat sich in der Folge schwer, sich nennenswerte Chancen herauszuspielen. Die beste hatte Dustin Siegmund per direktem Freistoß. Der Stürmer setzte diesen aber knapp über das Tor (74.). Näher dran waren da die Gäste-Akteure. Der eingewechselte David Glitza traf den Pfosten (79.), der ebenfalls von der Bank gekommene Kevin Obrembalska erzielte einen Treffer, stand aber im Abseits (85.). Der gute Schiedsrichter Furkan Cevdet Vardar (SV Rot Weiss Wilhelmsburg) zeigte vier Minuten Nachspielzeit an. Auf eine Nettelnburger Ecke folgte eine zweite, die wieder Siegmund in die Mitte bugsierte. Der eingewechselte Anton Wischnewski – von seinen ehemaligen A-Jugend-Mitspielern und heutigen „Zweitherren“-Kickern an der Seitenlinie bei seiner Einwechselung lautstark gefeiert – setzte zum Schuss an und sorgte für den späten 1:1-Ausgleich. Einige Zuschauer und „Anton-Anhänger“ liefen zum Jubeln mit auf den Platz. Wenige Sekunden nach dem Wiederanpfiff war dann Schluss. Ärgerlich aus Sicht der Gastgeber: Zu diesem Zeitpunkt agierte der SVA bereits einige Minuten in Unterzahl, da Alpen sich nach einem unglücklichen Zweikampf verletzte. „Anton, Anton, Anton“-Schreie hallten über den Kunstrasenplatz am Henriette-Herz-Ring.

Glücklich konnten sie beim SVNA ob des späten Ausgleichs sein. Trainer Daniel Andrade-Granados fand allerdings harte Worte für das Derby gegen seinen Ex-Klub. „Das war heute eines der schlechtesten Fußballspiele, die ich glaube ich jemals gesehen habe. Ich glaube, Altengammes Plan ist perfekt aufgegangen“, betonte „DAG“, der mit der ein Stück weit weniger negativen Analyse fortfuhr: „Dass wir am Ende des Spiels noch Tore erzielen können, haben wir ja jetzt schon oft bewiesen. Von daher muss ich meiner Mannschaft da ein Lob aussprechen. Womit ich nicht zufrieden bin, sind die 92 Minuten vorher, da wir so ziemlich gar nichts von dem umgesetzt haben, was wir uns vorgenommen haben. Wir wollten Fußball spielen und das ist auf der Strecke geblieben. Das Ergebnis ist in der Summe glücklich, aber nicht unverdient, da ich denke, dass wir mehr für den Fußball getan haben.“ Sein Gegenüber Jan Krey zeigte sich da deutlich zufriedener: „Insgesamt bin ich mit der Mannschaftsleistung absolut zufrieden. Nettelnburg ist auch ein richtig starker Gegner, dem man keine Räume für Konter geben darf. Schade, dass wir uns nicht belohnt haben. Wir können stolz sein und fahren erhobenen Hauptes nachhause.“

Die teils hitzigen Foulspiele und Wortgefechte an der Seitenlinie und auf dem Spielfeld kommentierte Altengammes „Co“ wie folgt: „Wir geben uns nach dem Spiel die Hand, trinken nachher ein Bierchen zusammen und dann ist auch alles gut.“ Das dürfte beiden Trainern ähnlich geschmeckt haben: Eigentlich ganz gut, allerdings ein fader Beigeschmack – bei dem einen ob der Unzufriedenheit mit der Spielweise, bei dem anderen ob des späten Gegentreffers.

SVNA: Erschens; Milke, Franz, Spiewak; Lubinski, Hermann (71. Ali), Ebadi, Müller; Satari (83. Durguti), Siegmund; Sahin (61. Wischnewski)
SVA: Golinske; Czech, K. Herzberg, Scheu, Voß; Heitmann (78. Obrembalska) Bierwagen, Alpen, Reinhardt; Zeyns (72. Glitza), Schraub (85. Putfarcken)