Die Jagd geht weiter: „Hungrige Löwen“ erlegen den HUFC – „Wir haben hochverdient gewonnen.“

Lohbrügges Danijel Suntic hebt Marcel Walter nach dem 4:1-Sieg beim Tabellenführer Hamm United FC vor Freude hoch. Foto: Herzog

Hamm United FC – VfL Lohbrügge 1:4 (1:1)
Landesliga Hansa, 22. Spieltag (Fr., 15.03.19, 19.30 Uhr)

Freitagabend und Flutlicht: Der Primus der Landesliga Hansa trifft auf den drittplatzierten der Tabelle. Der beste Angriff der Liga trifft auf die zweitbeste Verteidigung. Ein echtes Topspiel stand also zwischen dem Hamm United FC und dem VfL Lohbrügge an. Und auch die Zuschauer fanden den Weg in den Hammer Park, wo das Spiel trotz der eher schlechten Wetterverhältnisse stattfinden konnte. Insgesamt wollten offiziell 111 Zuschauer die Partie live verfolgen, handgezählt waren es sogar knapp 160 – ein würdiger Rahmen also für dieses Match.

Neben der tabellarischen Brisanz, war es auch ein Wiedersehen ehemaliger Weggefährten. Besonders das Duell Danijel Suntic (VfL Lohbrügge) und Alessandro Schirosi (HUFC) stand im Fokus. Diverse Male trafen die beiden Akteure aufeinander, die Freundschaft ruhte zumindest für die 90 Minuten, wie Suntic hinterher erklärte: „Wenn ich im Spiel bin, wird das ausgeblendet, dann will ich gewinnen.“ Der ehemalige HUFC-Spieler Sandjar Ahmadi dagegen durfte nicht mitwirken, seine fünfte Gelbe Karte verhinderte einen Einsatz. „Schade. Ich hätte gerne gespielt, auch weil ich schon das Hinspiel verpasst habe“, so Ahmadi vor Spielbeginn. Arthur Hoppe durfte dafür gegen seine Ex-Kollegen ran und stand in der Verteidigung von Beginn an auf dem Platz. Einen Wechsel gab es auch noch im Tor der Hausherren. Samuel Graudenz war nicht hundertprozentig fit. Für ihn hütete Maik Meyer-Wersinger das Gehäuse. 

Zivkovic trifft, Arlovic an die Latte, Schlenzer zum Ausgleich

VfL-Kapitän Anto Zivkovic (2. v. l.) bejubelt seinen Treffer zum 1:0. Foto: Herzog

Viel los in den Aufstellungen, doch auf dem Platz passierte erstmal so rein gar nichts. „Mittelfeldgeplänkel!“, „Abtasten!“, „Ein Topspiel eben!“ erklärten sich die Zuschauer die ersten Minuten. In der elften Spielminute war es jedoch vorbei mit dem zögerlichen Verhalten. Anto Zivkovic konnte einen Pass von Duro Arlovic zur 1:0-Gästeführung verwerten, nachdem Hamms Yannick Schlichting am Ball vorbei trat und so den Weg ebnete. Die Hausherren spielten ebenfalls mit, ein Schuss von Schirosi blieb jedoch ohne Erfolg (16.). Auf der Gegenseite klingelte es fast erneut. Wieder waren es Zivkovic und Arlovic, die den Abschluss herausspielten. Letzterer hatte jedoch Pech und traf nur den Querbalken (22.). Glück für die „Geächteten“, die nun wachgerüttelt schienen, aber einen ruhenden Ball benötigten um auszugleichen. Stephan Rahn nahm sich der Sache an und zirkelte das Spielgerät unhaltbar über die Lohbrügger Mauer in den Knick (27.) VfL-Keeper Alen Brandic war bei diesem ansehnlichen Standardtreffer chancenlos. Mit dem Stand von 1:1 ging es für beide Teams in die Pause.

Zivkovic uneigennützig, Suntic jubelt ausgelassen

Die zweite Halbzeit begann mit einer Kopie des ersten Durchgangs. Wieder passierte nichts, kleine Fehler im Spielaufbau, diverse kleine Fouls, wenig Spielfluss. Erst in der 59. Minute ging der Gast erneut in Front. Lohbrügges Kapitän Zivkovic konnte mutterseelenallein über rechts auf das Tor zulaufen, schlug noch einen Haken, um seinem Sturmpartner Arlovic den Ball zu servieren. Der Treffer sorgte für Aufruhr bei den Gastgebern: „Das 1:2 ist abseitsverdächtig, aber es spielt ja keine Rolle. Wir haben zuvor einen Fehlpass im Zentrum gespielt und haben erst dafür gesorgt“, erklärte HUFC-Trainer Sidnei Marschall. Dreizehn Minuten vor Schluss war es dann Danijel Suntic persönlich, der das Duell mit seinem Freund Schirosi endgültig für sich und seine Lohbrügger Teamkollegen entschied. Einen Freistoß von Arlovic nickte der Mittelfeldmotor ein und jubelte anschließend ausgelassen (77.). „Mein Debüt hier so für Lohbrügge zu machen freut mich sehr. Bezüglich des Jubels habe ich mit Schiro (HUFC-Spieler Alessandro Schirosi, d. Red.) vorher abgesprochen. Er meinte, dass er auch einen Jubel auspacken wird im Falle eines Treffers. Von daher war es besprochen und der Jubel gegen den Ex-Club in Ordnung.“, erklärte Suntic die Situation.

Walter macht den Deckel drauf – „Kein Esprit“ bei den Hausherren

HUFC-Coach Sidnei Marschall war nicht zufrieden mit dem Auftritt seiner Mannschaft. Foto: Herzog

In der Nachspielzeit durfte sich Marcel Walter noch in die Torschützenliste eintragen und sorgte mit dem Treffer zum 4:1-Endstand für kurzzeitige Ekstase bei allen Lohbrüggern an diesem Abend. „Wir sind überglücklich, wir sind sehr hungrig. In der Vorbereitung haben wir gesagt, dass wir die Löwen sein wollen, die Jäger. Wir haben hochverdient gewonnen. In der Halbzeit haben wir gesagt, dass es wie bei Bayern gegen Liverpool ist. Wir können uns nicht hinten reinstellen, wir müssen jagen und dürfen uns nicht einlullen lassen. Das hat funktioniert“, jubelte Elvis Nikolic, der zusammen mit Sven Schneppel den VfL trainiert, nach dem Abpfiff. Sein Gegenüber dagegen war enttäuscht. „Wir hatten kein Esprit. So präsentiert sich kein Tabellenführer. Das habe ich auch der Mannschaft gesagt. Der Gegner musste gewinnen, so haben sie auch gespielt und wir halt nicht. Am Ende liegt es aber nur an uns. Wenn wir jetzt die restlichen acht Spiel gewinnen, dann sind wir immer noch erster“, erklärte Sidnei Marschall. Durch den Sieg des VfL und des gleichzeitigen Sieges des Bramfelder SV gegen den FC Voran Ohe, hat Hamm nur noch zwei Punkte Vorsprung in der Tabelle auf den BSV. Der „Jäger“ Lohbrügge lauert dahinter auf Platz drei mit nur noch vier Punkten Abstand.

HUFC: Meyer-Wersinger; Hartung, Schlichting, Weber, Klein; Eröksüz (46. Patrin), Rahn, Landau, Asante, Schirosi; Ayim (57. Balzis)
VfL: Brandic; Santelmann, Hamdan, Bozic, Hoppe; Gencel (76. Walter), Gurbanian (82. Petrekovic-Loncar), Suntic, Bäker; Zivkovic (86. Vidovic), Arlovic

Eine Bildergalerie von Maurice Herzog: