Doppelpacker Kochsiek beschert dem Oststeinbeker SV einen glanzlosen Derbysieg gegen den TSV Glinde

Oststeinbeks Maximilian Kochiskek (re.) erzielte gegen den TSV Glinde beide Treffer zum 2:0-Derbysieg. Foto: Zerbian

Oststeinbeker SV – TSV Glinde 2:0 (1:0)
Bezirksliga Ost, 21. Spieltag (Fr., 08.03.19, 19.30 Uhr)

„Derbysieger, Derbysieger, Hey, Hey!“-Gesänge waren aus dem jubelnden Mannschaftskreis des Oststeinbeker SV auf dem Kunstrasenplatz am Meessen lautstark zu hören. Begleitet von ihren ebenfalls lautstarken Fans feierte der OSV sichtlich ausgelassen den zuvor eingefahren umkämpften 2:0-Derbysieg gegen den TSV Glinde. Die Sportplätze der beiden Stormarner Vereine liegen nur rund sieben Kilometer auseinander, gefühlt also nur einen Katzensprung voneinander entfernt. So ließen es sich auch die 261 Zuschauer nicht nehmen, sich das Nachbarschaftsduell anzuschauen. Und dieses hätte gleich mit einer ersten Überraschung begonnen, hätte Glindes Tiago da Silva nach einem ansehnlich gespielten Konter der Gäste nicht nur den linken Außenpfosten getroffen (3.). Der Tabellenführer, der auf die gesperrten Maximilian Grünberg, Dave Fehlandt, Erdinc Örün und Adrian Voigt verzichten musste, brauchte einige Minuten, um ins Spiel zu finden, schlug dann aber gleich eiskalt zu. Youness Sbou schickte Nico Fischer die rechte Außenbahn entlang, dessen Flanke Maximilian Kochsiek am zweiten Pfosten zur 1:0-Führung in die Maschen köpfte (9.).

Trotz zweier Treffer bekam Maximilian Kochsiek (re.) noch Ansagen von Co-Trainer Alexander Kaya. Foto: Zerbian

In der Folge nahm das Spiel dann den erwarteten Verlauf. Die Oststeinbeker ließen den Ball und Gegner laufen, ohne aber wirklich zwingend gefährlich vor das von Mirko Brandt gehütete TSV-Gehäuse zu kommen. Die Gäste agierten in einem sehr defensiven und kompakten 5-3-2-System und lauerten auf Konterangriffe. Doch zu diesen kam es erstmal nicht. So hatte Torschütze Kochsiek für die Hausherren das 2:0 auf dem Fuß, nachdem der Stürmer von Esmin Sejdi freigespielt wurde, doch Brandt parierte gut (16.). Fünf Zeigerumdrehungen später meldeten sich dann die Blau-Weißen zu Wort. TSV-Kapitän Christian Albus sorgte mit einem direkt getretenen Freistoß für Torgefahr, doch OSV-Keeper Thorben Joost war zur Stelle. Auf der Gegenseite markierte Verteidiger Revin Köksal mit einem Kopfball beinahe das zweite Tor für die Gastgeber. Glindes Vincent Bakker klärte das Spielgerät jedoch vor der Linie (27.). So blieb es beim 1:0 zur Pause.

 

OSV erhöht, Glinde stellt um und Scheele jagt einen Elfmeter in den Nachthimmel

Im zweiten Abschnitt konnte das Team von Trainer Simon Gottschling, wie schon im ersten Durchgang, erneut einen frühen Treffer erzielen. Ein langer Abschlag von Joost landete weit in der Glinder Hälfte, wo Kochsiek an den Ball kam, sich gegen seine Gegenspieler durchsetzte und ins lange Eck zum 2:0 traf (49.). Nun schien die Messe gelesen zu sein. Doch Gästecoach Sören Deutsch stellte vom 5-3-2 auf das offensivere 4-3-3-System um und nahm zudem offensive Wechsel vor. Nun drückten die Gäste etwas mehr, kamen aber zu keinen nennenswerten Tormöglichkeiten – zumindest bis zur 80. Minute. Nach einem Schuss von dem eingewechselten Khaibar Ibrahimi berührte Oststeinbeks Youssef Sbou das Spielgerät im eigenen Strafraum mit der Hand. Der gute Schiedsrichter Emil Larsen Reicherz (TuRa Harksheide), der das fair geführte Derby über 90 Minuten lang total im Griff hatte, entschied folgerichtig auf Strafstoß. Glindes Shawn Scheele nahm sich den Ball, legte sich ihn hin, nahm einige Schritte Anlauf und brachte anschließend das Kunststück zu Ende, den Ball nicht nur über das Tor von Joost, sondern auch über den dahinterstehenden Ballfangzaun zu zielen. Ein großes Raunen ging über den Kunstrasenplatz. Als TSV-Trainer Deutsch den zweiten Ball von der Seitenlinie aufs Feld schoss, um den Spielverlauf fortzusetzen, sagte er fassungslos aber humorvoll: „Wir haben einen Elfmeter und anschließend ist der Spielball weg.“ Nach dieser großen Möglichkeit, auf 1:2 zu verkürzen, hatte der eingewechselte Marcel Griem in der Schlussminute noch eine gute Gelegenheit, den TSV auf die Anzeigetafel zu bringen, doch auch in dieser Aktion war OSV-Schlussmann Joost zur Stelle (90.). So konnten die Hausherren den 2:0-Heimsieg auf dem anschließenden Mannschaftsabend zelebrieren.

Feierlaune beim OSV: Nach dem 2:0-Heimsieg jubelten die Spieler vor den Fans. Foto: Zerbian

„Wir können ja nicht jedes Spiel 7:0, 8:0 gewinnen. Ich höre ja immer die Ergebnis-Tipps der Fans. Da muss man auch mal die Kirche im Dorf lassen und auch mal solche Spiele so durchspielen. Wie wir es gespielt haben, hat mir nicht so gefallen. Das war ein sehr zähes Spiel von uns, dennoch haben wir den Dreier geholt. Mund abwischen und weiter geht’s“, formulierte OSV-Coach Simon Gottschling sein Statement zum Spiel, um anschließend den Blick auf die restliche Spielzeit zu werfen. „Nach einigen Abgängen sind wir jetzt dünner besetzt. Wir müssen zusehen, dass wir jedes Spiel so nehmen, als wäre es das Letzte. Jedes Spiel ist ein Endspiel“, betont der Übungsleiter. „Anfangs haben wir uns schwer getan, wir wussten von Anfang an, dass es nur über den Kampf geht. Im Endeffekt haben wir uns aber belohnt, zu null gespielt und ein Derbysieg ist ja immer schön“, resümierte Doppeltorschütze Maximilian Kochsiek zufrieden.

TSV-Coach Sören Deutsch: „Hier wächst eine richtig fette Gemeinschaft zusammen!“

Zufrieden zeigte sich auch Sören Deutsch – trotz der knappen aber verdienten 0:2-Niederlage. „Oststeinbek war die ein, zwei Tore besser als wir. Wie die beiden Gegentore allerdings fallen, ist sehr ärgerlich. Aber wenn ich sehe, wie meine Jungs bei einem 0:2-Rückstand in der 85. Minute noch einen Sprint anziehen und noch einen, dann kann ich nur sagen: Hier wächst eine richtig fette Gemeinschaft zusammen! Es macht großen Spaß, mit der Mannschaft zu arbeiten. Und in der nächsten Saison sind wir soweit, dass wir solche Mannschaften schlagen, wenn wir genauso weiterarbeiten“, sagte der Glinder Übungsleiter, um anschließend den Teamgeist seiner Elf hervorzuheben. „Ich habe 90 Minuten eine Einheit gesehen, die das ganze Spiel ein sehr hohes Tempo gegen eine so gute Mannschaft gegangen ist. Man darf gegen eine individuell bessere Mannschaft auch mal verlieren, auch wenn es ärgerlich ist. Nächste Saison gewinnen wir solche Spiele“, betonte Deutsch abschließend. Und vielleicht stehen dann die Glinder im Mannschaftskreis zusammen und feiern mit „Derbysieger, Derbysieger, Hey, Hey!“-Gesängen.

OSV: Joost; Akdemirci (46. Aliu), Köksal, Oshoffa, Gimeno Hinrichs; Youness Sbou, Sejdi, M. Sbou, Youssef Sbou; Fischer (76. Yazici), Kochsiek
TSV: Brandt; Gerloff, Scheele, de Almeida (85. Jakob), Albus, da Silva; Bakker, Appel (66. Ibrahimi), Hak (58. Griem); Kamal, Frank

Eine Bildergalerie von Wilfried Zerbian: