Ekstase pur am Amselstieg: FCVO gelingt Derbysieg in Unterzahl – Seibert: „So etwas gibt es nur in Ohe.“

Grenzenloser Jubel am Amselstieg! Patrick Gordon (li.) erzielte soeben das 2:1. OSV-Akteur Dave Fehlandt sitzt hadernd am Boden. Foto: Zerbian

FC Voran Ohe – Oststeinbeker SV 3:1 (1:0)
Landesliga Hansa, 2. Spieltag (Fr., 02.08.19, 19.30 Uhr)

Es lief die 75. Minute im Landesliga-Derby zwischen dem FC Voran Ohe und dem Oststeinbeker SV beim Stand von 1:1 – Daniel Gläser brachte die Hausherren früh in Führung (8.), Marc Oldag egalisierte (63.). Die Gastgeber seit Minute 36 nach einer Roten Karte für Jens Schenkenberg in Unterzahl, erzielten soeben durch Patrick Gordon den umjubelten 2:1-Führungstreffer. Ekstase pur am Amselstieg! Mittendrin Rainer Seibert: Der ansonsten so ruhige und zurückhaltende FCVO-Trainer fand sich plötzlich rund 20 Meter mit ausgestreckten Armen und geballten Fäusten auf dem Spielfeld wieder. So hatte man den Übungsleiter bisher noch nie gesehen. „Ich weiß auch nicht, das gehört sich nicht für einen 55-Jährigen. Aber das kam in diesem Moment einfach so aus mir heraus. Das war schon klasse. Ich freue mich ja nicht für mich, sondern für die Truppe, dass die sich für eine solche Leistung so belohnt. Das war schon geil“, sagte der Coach freudestrahlend und sichtbar emotional berührt nach der Partie, die die Gastgeber nach einem Treffer durch Marco Braesen in der Schlussminute gar mit 3:1 für sich entscheiden konnten.

Dass die Hausherren dieses intensiv und umkämpfte aber stets faire Derby nach dem Platzverweis in der ersten Halbzeit noch gewinnen würden, lag nun nicht unbedingt auf der Hand. „Nach der Roten Karte wäre ich mit einem Punkt hochzufrieden gewesen, auch mit einer knappen Niederlage wäre ich sogar teilweise zufrieden gewesen. Aber mit einem Sieg habe ich nicht mehr gerechnet“, gab auch Seibert zu. Zwar hatten seine Mannen die klareren Torchancen, wurden im zweiten Abschnitt und mit zunehmender Spieldauer von den Gästen in der eigenen Hälfte eingeschnürt. Das Oststeinbeker Manko an diesem Abend: Trotz der hochveranlagten Offensive um Agit Aydin, Adrian Voigt, Marc Oldag und Youssef Sbou kam das Team von Übungsleiter Simon Gottschling im gesamten Spielverlauf neben dem Ausgleichstreffer durch Oldag (63.) nur zu zwei nennenswerten Abschlüssen durch Aydin (36.) und Maximilian Kochsiek (85.) – und das in Überzahl. „Wir standen teilweise mit vier bis fünf Spielern am gegnerischen Strafraum haben dann aber lange Bälle gespielt. Das ist ja gar nicht unser Spiel“, beklagte auch Coach Gottschling die fehlende Abschlüsse.

„Die Intelligenz, die du brauchst um so ein Spiel zu spielen, ist bei unseren Jungs nicht da.“

So mussten die Oststeinbeker nach dem Auftaktsieg gegen den SV Nettelnburg/Allermöhe nun die erste Niederlage in der noch jungen Landesliga-Saison einstecken – und das zwei Tage nach der deutlichen Pokalpleite beim SV Börnsen. Trainer Gottschling wurmte vor allem eine fehlende Eigenschaft seiner Schützlinge. „Die Intelligenz, die du brauchst um so ein Spiel zu spielen, ist bei unseren Jungs nicht da. Voran Ohe ist kein Gegner, bei dem du verlieren darfst. Sie waren mit Abstand der schlechteste Gegner, den wir in den vergangenen Wochen in Test- oder Punktspielen bespielt haben“, formulierte der Coach. „Aber diese Intelligenz bekommst du jetzt auch nicht mehr rein. Wie willst du sie jetzt noch reinbekommen? Die Spieler sind 25, 26 und 27 Jahre alt“, betonte Gottschling, dem bei seiner Analyse teilweise die Worte fehlten: „So ein Spiel zu verlieren ist total dumm. Ich finde dafür gar keine Worte. Das ist schon sehr bitter.“ Nach diesem verlorenen Derby wartet bereits das nächste brisante Duell auf den OSV. Am kommenden Freitag (09.08.19, 19:30 Uhr) ist der SV Altengamme zu Gast am Meessen. Und Gottschling ist gespannt auf die Reaktion seiner Mannschaft, hebt aber warnend den Zeigefinger. „Für uns geht es nur um den Nicht-Abstieg. Wir müssen zu sehen, dass wir wieder in die Spur finden. Das dauert jetzt aber erstmal. Die Jungs dürfen nicht denken, dass wir nächste Woche gewinnen und dann läuft wieder alles. Das dauert jetzt erstmal einige Wochen“, sagte der Trainer, ehe er abschließend anfügte: „Bis in die Landesliga ist jeder Gegner heiß gegen uns zu spielen. Wenn du da keine Männer hast, geht es nach hinten los und dann musst du dir hier solche Gesänge anhören.“

Und die Jubelgesänge des FC Voran Ohe, auf die sich der Oststeinbeker Trainer bezog, gingen noch tief bis in die Nacht auf dem anschließenden Einstandsabend der Neuzugänge, der auf der Reeperbahn zelebriert wurde. Da war der vorangegangene Derbysieg die passende Einstimmung. „Das war sensationell! Ich bin selten begeistert, aber was die Mannschaft in diesem Spiel gezeigt hat, war einfach klasse. Dass man in Unterzahl nach diesem unglücklichen Tor zum 1:1 und mit den 90 Minuten gegen Meiendorf in den Knochen nochmal so zurückkommt, da muss ich sagen: Hut ab“, bilanziert FCVO-Coach Seibert. „So etwas gibt es nur in Ohe. Nach dem Spiel hat mich Martin Schröder, der 165 Oberliga-Spiele auf dem Buckel hat, angesprochen und gesagt, dass er so etwas noch nicht erlebt hat und dankbar ist hier zu spielen“, frohlockte der 55-Jährige sichtlich stolz.

FCVO: Malik; Schenkenberg, Walek, Sulinski, Gläser; Kaufmann (50. Saqib), Schröder; M. Gassmann (50. Andersson), Woost, Gordon (90.+2 Schulz); Braesen
OSV: 
Joost; Badawere (33. Fehlandt), Köksal, Oshoffa, Grünberg; M. Sbou (46. Kochsiek), Sejdi (56. Frers); Aydin, Oldag, Youssef Sbou; Voigt

Eine Bildergalerie von Wilfried Zerbian: