Elf Tore in sechs Partien! Auf die Leidenszeit folgt der Raketenstart: „Ich habe einfach Spaß am Kicken.“

Ein Bild, welches man in dieser Saison schon oft gesehen hat: Marco Schubring bejubelt einen Treffer – wie hier gegen den HSV III. Foto: Herzog

Am 17. Oktober vergangenen Jahres war die Freude am Gramkowweg groß: Gerade erst den VfL Pinneberg mit 7:0 besiegt, verpflichtete der Oberligist mit Marco Schubring ein vielversprechendes Offensivtalent. Aufgrund der damaligen längeren Ausfallzeit der verletzten Offensivkräfte Arnold Lechler und Niklas Hoffmann suchten die Verantwortlichen um Manager Oliver Schubert händeringend nach Verstärkungen. Und es schien so, als sei Schubring die erhoffte Sofortverstärkung. Denn nur zwei Tage nach der Unterschrift, die ihn bis zum 30. Juni 2020 an die Vierländer bindet, feierte der heute 23-Jährige sein Debüt beim SVCN. Doch anschließend nahm das Unheil seinen Lauf: Für den Neuzugang blieb es in der zurückliegenden Saison bei diesem einzigen Einsatz gegen Osdorf. Denn nach einer Sperre bis zum 1. Januar 2019 schlug das Verletzungspech erneut zu und setzte den Offensivspieler außer Gefecht. So verpasste Schubring die komplette restliche Spielzeit. Erst zur Sommer-Vorbereitung auf die neue Saison mischte der ehemalige Spieler des SV Eichede wieder mit – und wie! Nach sieben Pflichtspielen hat Schubring bereits elf Tore auf seinem Konto. Wir haben mit dem Torjäger über seine lange Leidenszeit, Gedanken über ein mögliches Karriereende, den bombastischen Saisonstart und die Partie gegen die TuS Dassendorf gesprochen. 

BOLZJUNGS: Hi Marco, eine Schambeinentzündung, eine Sperre und eine Verletzung am Sprunggelenk zwangen dich zu einer langen Pause. Wie schwer war diese lange Leidenszeit für dich?
Marco Schubring: Wenn ich zurück denke, dann kann ich mir gar nicht vorstellen, dass ich so lange kein Fußball gespielt habe. Es war sehr schwierig, weil ich diesen Sport so sehr liebe – man muss mental stark sein und immer an sich glauben, um so eine Zeit zu überstehen.
BOLZJUNGS: Gab es Momente, in denen du dir dachtest, „warum mache ich das eigentlich noch alles mit und höre nicht einfach mit dem Fußball auf?“
Schubring: Die gab es tatsächlich! Vor allem wenn ich Rückschläge bei meinen Verletzungen hinnehmen musste, waren besonders die ersten Momente schwierig. Jedoch glaube ich nicht, dass ich ernsthaft aufgehört hätte.
BOLZJUNGS: Was hat dich in dieser Zeit motiviert, weiterhin dabei zu bleiben? 
Schubring: Immer wenn ich Fußball geguckt habe – ob im Fernsehen oder bei Freunden – hat es mich motiviert wieder zu spielen. Meine Familie und meine engen Freunde haben mich immer unterstützt. Es gab dann noch alte Mannschaftskollegen und frühere Trainer, die mich motiviert haben. Beispielsweise Danny Zankl (Trainer des Oberligisten TSV Sasel, Anm. d. Red.), der immer an mich geglaubt hat und mir oft geschrieben hat. Das hat mir viel Kraft und Motivation gegeben. Natürlich wollte ich auch meinen Verein, der mir von Beginn an das Vertrauen geschenkt hat, nicht enttäuschen. 
BOLZJUNGS: Das hat sich gelohnt! Denn die Sommer-Vorbereitung konntest du endlich verletzungsfrei durchziehen. Und das macht sich bemerkbar: Drei Treffer gegen Tornesch, ein Tor gegen Niendorf und jeweils zwei Buden gegen den HSV III und den TuS Osdorf. Das macht acht Treffer in vier Oberliga-Partien. Dazu kommen drei Tore im Lotto-Pokal. Hand aufs Herz: Hättest du jemals mit so einem Start gerechnet?
Schubring: Nein, das hätte ich nicht. Ich habe mir vorgenommen der Mannschaft mit Toren, Vorlagen und vor allem guten Spielen zu helfen. Dass es sich so entwickelt, hätte ich nicht erwartet. Leider haben wir gegen Osdorf und Tornesch Punkte nach klarer Führung liegen lassen, ansonsten wären wir oben mit dabei gewesen.
BOLZJUNGS: Lass uns an deinem Erfolg teilhaben: Wie sieht dein Tor-Rezept aus?
Schubring: Ich weiß es wirklich nicht, ich habe einfach Spaß am Kicken. Meine Mannschaftskollegen machen schon Witze und sagen, dass es an meiner Bandage am Arm liegt, die ich leider aufgrund einer Verletzung tragen muss, und sie sagen ich soll diese nicht mehr abnehmen. (schmunzelt)
BOLZJUNGS: Wenn du so erfolgreich in die neue Spielzeit gestartet bist und bereits acht Treffer in der Liga erzielt hast, setzt du dir da eine Marke, die du am Saisonende erreichen möchtest?
Schubring: Ich persönlich setze mir keine Marke. Ich möchte als Team gewinnen und vor allem guten und attraktiven Fußball spielen – damit unsere Fans gerne zu unseren Spielen kommen.
BOLZJUNGS: Bei deiner Verpflichtung am 17. Oktober vergangenen Jahres sagte euer Manager Oliver Schubert: „Wenn Marco verletzungsfrei bleibt, kann er einer der besten Offensivspieler in der Oberliga werden.“ Wie weit siehst du dich selbst, um diesem Ruf gerecht zu werden?
Schubring: Diese Aussage kam überraschend für mich. Ich wusste nicht, dass Oli (SVCN-Manager Oliver Schubert, Anm. d. Red.) so hohe Ansprüche stellt – bis er mir geschrieben hat, dass er von mir zwei Tore pro Spiel erwartet. Natürlich nur als Spaß, aber ich gebe mein Bestes um ihn nicht zu enttäuschen (zwinkert).
BOLZJUNGS: Trotz dieses Bombenstarts kennst du – aufgrund der langen Verletzungspause – auch die andere Seite der Medaille. Denkst du auch in erfolgreichen Zeiten an dieses Leidensphase zurück?
Schubring: Momentan denke ich nicht an die Zeit zurück. Es würde mich traurig machen, dass ich drei Jahre verschenkt habe. Ich kann es leider nicht mehr ändern und deswegen blicke ich ausschließlich nur nach vorne.
BOLZJUNGS: Dein Verein ist in der medizinischen Abteilung dank einer Kooperation mit dem UKE Atleticum bestens aufgestellt. Gibt es Dinge, die du nach den Verletzungen nun anders machst? 
Schubring: Es gab Phasen, in denen ich sehr auf meine Gesundheit achten musste. Aktuell hat sich das aber wieder gelegt und ich ernähre mich normal, wie ich mich immer ernährt habe.
BOLZJUNGS: Werfen wir zum Abschluss einen Blick auf euer nächstes Heimspiel am Freitag (23.08.19, 19.00 Uhr) gegen die TuS Dassendorf. Die vergangenen fünf Aufeinandertreffen habt ihr gegen die TuS allesamt verloren, in den beiden zurückliegenden gar ohne eigenen Treffer. Der letzte Sieg liegt exakt 845 Tage zurück. Was muss passieren, damit ihr am Freitag dieser Negativserie ein Ende setzt?
Schubring: Die vergangenen beiden Spiele gegen Dassendorf habe ich gesehen und es wäre mehr drin gewesen als zwei Niederlagen und null Punkte. Wir müssen mutig spielen, keine Angst vor Fehlern haben und Spaß haben – dann bin ich davon überzeugt, dass wir Dassendorf ärgern können.
BOLZJUNGS: Dabei wirst du deine persönliche Torserie auch in diesem Duell aufrechterhalten können?
Schubring: Ich hoffe ja. Aber wenn wir gewinnen und ich kein Tor erziele, dann würde ich das auch unterschreiben. (grinst)
BOLZJUNGS: Vielen Dank für das Gespräch, Marco! Wir wünschen dir für die Saison alles Gute und vor allem viel Gesundheit.