Erst Lütten auf dem Platz, dann „nen Lütten“ am Tresen: SVA „Veer“ feiert Finaleinzug dank Traumtor

Freude pur beim SV Altengamme IV nach dem Final-Einzug gegen TURA Harksheide III. Foto: Both

SV Altengamme IV – TURA Harksheide III 3:2 (1:2)
Heino-Gerstenberg-Spiele, Halbfinale (Sa., 30.03.19, 17.30 Uhr)

Als Schiedsrichter Stephan Meyns um exakt 19:18 Uhr die Halbfinalpartie der Heino-Gerstenberg-Spiele zwischen dem SV Altengamme IV und TURA Harksheide 3 abgepfiffen hatte, gab es kein Halten mehr. Spieler des SVA „Veer“ sowie der ersten, zweiten und dritten Herren des Vereins rannten freudetrunken aufs Spielfeld und ließen ihren Emotionen lautstark freien Lauf. Nach einer hochdramatischen Schlussphase gewannen die klassenniedrigeren Vierländer mit 3:2 – und durften so den Einzug ins Pokalfinale feiern.

Der SV Altengamme IV erwischte einen Start nach Maß, bereits nach vier Minuten durften die in weiß gekleideten Hausherren das erste Mal jubeln: Nach einer Ecke von Dennis Kahl parierte TURA-Keeper Robin Basmer zunächst den Schuss von Stephan Voß. Aus dem anschließenden Getümmel heraus konnte Hajo Kücken dann jedoch die frühe 1:0-Führung markieren. In der Folge machte die Mannschaft aus der Kreisklasse B das Spiel, verpasste es aber, auf 2:0 zu stellen. Dennis Kahl und Stephan Voß hatten vielversprechende Möglichkeiten, die größte Chance aber vergab Benjamin Timmann. Und dann kam es so, wie es im Fußball dann eben kommt. Mit zunehmender Spieldauer kam TURA Harksheide immer besser in die Partie, allerdings weiterhin ohne zwingende Möglichkeiten. „Das 1:1 fällt dann gefühlt wie aus dem Nichts“, gab SVA-Mittelfeldspieler Dennis Kahl nach dem Schlusspfiff zu Protokoll. Gemeint war der Ausgleichstreffer durch Samir Housseini nach 26 Minuten.

Als sich die fast 250 anwesenden Zuschauer am Gammer Weg schon auf ein Unentschieden zum Pausentee eingestellt hatten, jubelten nochmals die Gäste. Mit dem Halbzeitpfiff beförderte Alexander Dalko einen flach ausgespielten TURA-Standard zur 2:1-Führung ins Gehäuse der Hausherren (45.). Unglücklich für den SVA, der kurz zuvor den Torschrei schon auf den Lippen hatte, als Sebastian Pietsch per Kopf aber nur die Latte traf (42.). „Durch das frühe 1:0 hatten wir das Heft in der Hand, geraten dann leider – teils auch unglücklich – mit 1:2 noch vor der Pause in Rückstand“, ärgerte sich Altengammes Kapitän Benjamin Timmann, der das Spielfeld bereits nach 38 Minuten verletzungsbedingt verlassen musste.

Elfmeter, Ausgleich und der Lucky Punch kurz vor Ultimo

SVA-Torschütze Hajo Kücken dreht zum Jubel ab. Foto: Both

Und beinahe hätte sich der Ärger bei Timmann noch vergrößert, wenn ein schön getretener Harksheider Freistoß kurz nach Wiederanpfiff den Weg ins Tor gefunden hätte – und nicht ans Quergebälk. Doch Freud und Leid sind manchmal sehr eng beieinander, vor allem in solch einem Pokal-Krimi. Statt dem 1:3 fiel der Ausgleichstreffer zum 2:2: Ein langer Ball in die Spitze landete über Pietsch bei Kahl, der das Spielgerät an seinem Gegenspieler vorbei legt und vom heraus eilenden TURA-Kapitän Christopher-John Büvenich gefoult wurde. Den berechtigten Strafstoß verwandelte Stephan Voß eiskalt (53.).

Es folgte ein Spiel mit offenem Visier auf beiden Seiten. Besonders die schnellen und technisch versierten Offensivspieler des Gästeteams aus der Kreisklasse A, die mit einem gemieteten Reisebus samt zahlreichem Fan-Anhang nach Altengamme gereist waren, beschäftigten die SVA-Defensive. Der Schlusspunkt des Spiels war aber für Markus Lütten vorgesehen. In der Druckphase der Vierländer kurz vor Schluss nahm sich der Außenverteidiger ein Herz, legte einen eroberten zweiten Ball auf seinen schwachen rechten Fuß und zog aus halblinker Position ab. Während Lütten wohlwissend des Torerfolges schon jubelnd abdrehte, landete sein 18-Meter-Hammer unhaltbar im rechten Winkel (88.). „Unterschätze niemals die schwachen Füße, denn die machen die schönsten Tore“, schmunzelte der Matchwinner nach seinem Treffer.

Finale Ende Mai, Timmann sieht „gute Chancen auf den Pokalsieg“!

Der Rest war pure Freude. Wie aus Mannschaftskreisen zu hören war, wurde der Erfolg des erst im vergangenen Sommer neugegründeten Teams bis in die frühen Morgenstunden gefeiert. Im Pokalfinale der unteren Herrenmannschaften trifft der seit der Gründung ungeschlagene Tabellenführer der Kreisklasse B2 nun auf den SC Sternschanze VI, der derzeit Fünfter in der Kreisklasse 1 ist. Der SCS schlug im anderen Halbfinale Alstertal-Langenhorn III nach Verlängerung mit 8:4.

„Die letzten ein bis zwei Wochen hat man nur auf den heutigen Tag hingefiebert. Ich bin wahnsinnig stolz auf die Jungs. Der unbedingte Wille und die Bereitschaft der Truppe waren da und ich denke, dass der Sieg unterm Strich in Ordnung geht. Der Moment kurz nach Abpfiff war der Wahnsinn!“, fasste Timmann zusammen und gab gleich noch einen Ausblick auf das anstehende Endspiel. „Nach den hart umkämpften Spielen, unter anderem gegen HSV IV (3:1-Sieg im Viertelfinale, d. Red.), möchten wir jetzt natürlich auch das Finale unbedingt gewinnen! Wenn wir so auftreten, wie heute gegen TURA, dann sehe ich gute Chancen auf den Pokalsieg.“ Ob der Mannschaft um Trainer Michael Nolting tatsächlich die Sensation gelingt, wird sich am 29. Mai herausstellen. Bis dahin wird der Siegtorschütze Lütten wohl noch ein paar Kunstschüsse mit seinem starken Fuß üben.

SVA: Kabelitz; Sohrt, Kücken, P. Buck, Lütten; Wegner, Wulff, Voß, Kahl; Pietsch, B. Timmann (38. J. Timmann)
TURA: Basmer; Schwarz (80. Hafner), Bürvenich, Sick, Roeper (58. Joujan), A. Lange, Schulz, C. Lange, Hasso, Dalko, Housseini