ETSV Hamburg: Fünf kommen, drei gehen – 4:6-Torfestival im ersten Test gegen SV Altengamme

"Eisenbahner" Maher Mazhoud und SVA-Außenspieler Jannis Reinhardt eilen auf dem neuen Kunstrasen in Richtung Ball. Foto: BOLZJUNGS

Erleichterte, glückliche Gesichter gab’s auf der Sportanlage Mittlerer Landweg in den vergangenen Tagen zur Genüge. Der ETSV Hamburg darf nach etlichen Monaten zurück auf sein heimisches Terrain – der Test gegen den Landesligisten SV Altengamme (Endstand 4:6) war das erste Spiel der ersten Herren auf dem nagelneuen Kunstrasen. „Die Anlage ist endlich in Betrieb! Es freut mich jedes Mal, auf die Anlage zu kommen. Sie stellt deutlich bessere Möglichkeiten dar als je zuvor. Endlich sind wir wieder zuhause und können in den normalen Alltag mit einem geregelten Ablauf zurückkehren. Die Bedingungen sind jetzt ideal“, schwärmte Christopher Leitlof, Coach des Ost-Bezirksligisten, vor dem ersten Testkick auf dem neuen Untergrund.

Neben dem neuen Geläuf sind auch die Umkleidekabinen restauriert worden. Des Weiteren wurden Felder für Beachvolleyball (und Beachsoccer), Streetball/Basketball und Calisthenics (Outdoor-Fitness) geschaffen. „Alles, was man als Sportler braucht“, fasst Leitlof zusammen. Der 41-Jährige musste mit seinen Spielern für die Ligapartien an die Sander Tannen sowie an den Katendeich ausweichen, trainiert wurde zumeist auf dem Grandplatz des Kreisligisten BFSV Atlantik 97 am Marie-Henning-Weg. „Wir bedanken uns sehr bei den Vereinen für die Unterstützung“, möchte der ETSV-Coach noch einmal loswerden, bevor es ihn gedanklich in die Vergangenheit verschlägt. Seit 33 Jahren ist Leitlof nun bereits ein „Eisenbahner“, fing als kleiner Junge in Billwerder mit dem Fußballspielen an. „Das ist schon der zweite Umbau der Anlage, den ich mitmache“, berichtet er. „Zu meinen Anfangszeiten gab es drei Rasenplätze, allerdings mussten wir uns auf einem immer gut umgucken, da dort parallel noch Bogenschieß-Training stattfand.“

Torfestival im Testkick – SVA-Trainer Geffert genervt: „Dagegen bin ich allergisch!“

Auch der Gast vom Gammer Weg hat zwei Spieler in den eigenen Reihen, die in ihrer Jugend vor dem Umbau für den ETSV aufliefen. Tobias Czech meldete sich jedoch erkältet ab, sodass lediglich Marco Schulz gegen seinen Jugendverein auflief. Und dieser durfte mit ansehen, wie SVA-Stürmer Philipp Zeyns seinem Team die Führung besorgte (7.). Doch diese hielt nicht lange an. Nach einem Fehler von Altengammes Keeper Alexander Golinske, sorgte der zum Oberliga-Spitzenreiter TuS Dassendorf wechselnde „Eisenbahner“ Jesper Garbers für den 1:1-Ausgleich (16.). Die aggressive Spielweise der Gastgeber hatte schon in der ersten halben Stunde mehrere Gelbe Karten zur Folge. Erneut Zeyns war es dann, der die Gäste-Führung wiederherstellte (39.).

Zum Wiederanpfiff hatte SVA-Trainer Jörn Geffert dann gleich sieben Wechsel vorgenommen. Die daraus resultierende anfängliche Unsicherheit nutzten die ETSV-Kicker dann eiskalt aus. Erneut der starke Garbers (49.), Mehmet Gür (52.) und Richard Grönsel nach dem zweiten Fehler von SVA-Torwart Golinske (59.) drehten die Partie in eine 4:2-Führung aus Sicht der „Eisenbahner“ – ganz zum Entsetzen von Altengammes Coach Geffert, der nach dem Schlusspfiff im Teamkreis ungewohnt laut und direkt wurde. „Ich bin allergisch dagegen, wenn man die Körperspannung nicht hat. Die Erfahrenen stehen da und lachen sich bei Gegentoren gegenseitig an“, gab der 51-Jährige trotz der darauf folgenden wiederum starken Phase seines Teams nach Spielende zu Protokoll. Denn durch Tore vom agilen Janis Voß (74.), Philip Alpen (75.), Markus Putfarcken per sehenswertem Fernschuss unter die Latte (85.) und erneut Alpen (90.) drehten die Gäste das Ergebnis doch noch zu ihren Gunsten auf 6:4.

Auf Seiten des ETSV, der Montag in die Vorbereitung gestartet war, ist Co-Trainer Hauke Klug derweil dennoch zufrieden mit dem Auftritt seiner Elf. „In der zweiten Hälfte hat man gesehen, was wir für einen Fußball spielen können. Wir sind zwar noch längst nicht auf dem gewünschten Fitnessstand, aber man kann sehen, dass wir in guten Phasen mit guten Teams mithalten können. Am Ende waren es auch heute individuelle Fehler“, so der „Co“, der ebenfalls angesichts der neuen Anlage durchweg optimistisch in die Zukunft blickt. „Das ist ein Traum hier. Davor haben wir mit acht Mann trainiert. Man musste jedes Mal Angst haben vor Verletzungen. Wir können jetzt den Ball laufen lassen und haben in der Rückserie ja auch nur noch Heimspiele.“

ETSV: Tajar; Uebachs, Weigel, Schlufter; Mazhoud, Thomsen (68. Göde), Briese (32. Lilje), Grönsel; Reichenbach (18. Dede), Guasch (32. Gür); Garbers
SVA: Golinske; Voß (46. D. Herzberg), Scheu (46. K. Herzberg), Schulz (46. Teßmann); Reimers (46. Putfarcken), Bierwagen (46. Obrembalska); Peters, Buck (46. Trothe), Reinhardt; Zeyns, Heitmann (46. Alpen)

Neuer Platz, neues Personal – aber auch drei Abgänge

Torhüter Maximilian Richter verlässt den ETSV Hamburg und schließt sich dem Oberligisten SC Condor an. Foto: Herzog

Nicht mehr in den Genuss der neuen Sportanlage kommen Finn Brandes, den es nach Niedersachsen verschlägt, sowie die beiden Torhüter Tim Wagener (Eimsbütteler TV) und Maximilian Richter, dessen Abgang besonders schmerzen dürfte. So sieht es auch Trainer Leitlof: „Das ist sehr schade für uns. Aber Maxi sucht eine Herausforderung.“ Und dies tut der 24-Jährige, der unter anderem bereits für den TSV Sasel und den SC Victoria Hamburg auflief, nun beim Oberligisten SC Condor. So musste der Bezirksliga-Elfte ETSV sich nach neuem Personal für die Position zwischen den Pfosten umschauen – und ist doppelt fündig geworden. Per sofort stößt der 19-jährige Adnan Tajar aus Bosnien zum Team. „Er ist auf uns zugekommen und wollte in Deutschland Fußball spielen. Dann hat er beim Turnier vom SVNA II mitgespielt und einen vernünftigen Eindruck hinterlassen. Ein bisschen Deutsch kann er auch“, erklärt Leitlof, der ebenso auf einen Rückkehrer bauen kann. Der 21-jährige Lucca Leon Einfeldt kommt von Atlantik 97 und kickte bereits viele Jahre in der Jugend, der ersten und zweiten Herren der „Eisenbahner“ – unter anderem unter dem jetzigen Herren-Coach.

Neben dem zweifachen Torwartzuwachs sind Außenverteidiger Sebastian Lilje (TuS Hamburg), der bereits in der Hinrunde einige Male mit trainierte, sowie Dennis Briese und Manuel Guasch Pla, die beide vom TSV Wandsetal nach Billwerder wechseln, neu dabei. Alle Neuen bis auf Keeper Einfeldt waren im Test gegen den SVA dabei. „Die Drei verstärken unseren Kader noch einmal und sorgen für einen gewissen Konkurrenzkampf“, so Leitlof. Drei Neue von Bezirksliga-Konkurrenten, für die sicher auch die neue Sportanlage am Mittlerer Landweg ein ausschlaggebender Grund für den Wechsel gewesen ist. Seit dem Trainingsbeginn auf dem neuen Geläuf sei die Trainingsbeteiligung laut dem Coach „sehr hoch. Es sind immer zwischen 20 und 22 Spieler beim Training. Das bringt schon Bock!“ Und was ist nun noch drin, Herr Leitlof? „Wir versuchen, das bestmögliche aus der Saison rauszuholen. Die neue Sportanlage soll sich als neue Heimat einprägen.“ Letzteres dürfte sicherlich schnell gelingen.