Für den SVCN kommt der Saisonstart zu früh: „Wir sind leider nicht bei einhundert Prozent.“

Kann mit der Vorbereitung seines SV Curslack-Neuengamme nicht zufrieden sein: Trainer Matthias Wulff. Foto: Herzog

In der vergangenen Spielzeit lief beim SV Curslack-Neuengamme nicht allzu viel zusammen. Der Saisonstart wurde – der erste Sieg gelang den Vierländern erst am siebten Spieltag – in den Sand gesetzt, der Verein stand nicht ein Mal besser dar als Rang neun und am Ende belegte man den elften Platz – das bedeutet: Sogar noch eine Tabellenposition schlechter als in der Saison 2017/18. Verständlich also, dass sie beim SVCN die Premierensaison von Trainer Matthias Wulff schnell vergessen machen wollen. Damit in der Spielzeit 2019/20 alles besser wird, haben die Verantwortlichen um Manager Oliver Schubert bereits früh ihre Hausaufgaben gemacht. Schon Mitte Mai war die Kaderplanung des Oberligisten vollständig abgeschlossen. Doch als die Vorbereitung dann am 18. Juni startete, nahm das Unheil seinen Lauf. „Leider mussten wir in der Saisonvorbereitung viel improvisieren“, beklagt Trainer Wulff und meint zahlreiche verletzungs- und urlaubsbedingte Ausfälle. Trotz der erschwerten Bedingungen verspürt der Übungsleiter eine hohe Motivation auf die neue Spielzeit. Vor dem Pflichtspielstart am Freitagabend (19.07.19, 19.45 Uhr) mit dem Pokalspiel beim Kreisligisten TuS Aumühle-Wohltorf haben wir mit dem 36-Jährigen über die zurückliegende Vorbereitung, die Personalprobleme, Überraschungen und Saisonziele gesprochen.

BOLZJUNGS: Hallo Matthias, vier Siege, drei Niederlagen, zahlreiche angeschlagene und im Urlaub weilende Spieler: Wie fällt dein Fazit der Vorbereitung aus?
Matthias Wulff: Wir können leider nur ein sehr gemischtes Fazit ziehen. Durch die vielen Verletzten und Urlauber sind wir zum Saisonstart leider nicht bei einhundert Prozent angekommen – das ist sehr bitter. Positiv hingegen ist, dass sich die Neuzugänge sportlich wie menschlich bereits sehr gut integriert haben.
BOLZJUNGS: Das Testspiel gegen den VfB Lübeck II in der vergangenen Woche musstet ihr sogar absagen. Wie schwerwiegend sind eure Personalsorgen aktuell?
Wulff: Gegen Lübeck hätten wir tatsächlich nur acht Feldspieler zur Verfügung gehabt, daher war es unmöglich zu spielen. Aktuell haben wir noch sieben verletzte Spieler, davon werden mindestens fünf Jungs mehrere Wochen oder Monate ausfallen. Das bedeutet, uns fehlt derzeit knapp ein Drittel aller Feldspieler.
BOLZJUNGS: Konntet ihr diesbezüglich überhaupt taktische Dinge einstudieren?
Wulff: In den Testspielen mussten wir meistens aus der Not heraus aufstellen, daher konnten wir nur begrenzt taktische Abläufe einstudieren oder Spieler beziehungsweise Tandems auf unterschiedlichen Positionen ausprobieren.
BOLZJUNGS: Das lässt darauf schließen, dass du zum Improvisieren gezwungen warst: Inwieweit konntet ihr euren Plan in der Vorbereitung überhaupt umsetzen?
Wulff: Leider mussten wir in der Saisonvorbereitung viel improvisieren. Die Trainingssteuerung konnten wir nicht wie geplant umsetzen und mussten immer wieder Anpassungen vornehmen. Zusätzlich mussten wir natürlich darauf achten, dass die verbliebenen Spieler nicht auch noch ausfallen. Viele Jungs mussten schließlich fast immer über 90 Minuten in den Testspielen ran.
BOLZJUNGS: Gab es für dich – bedingt durch die gezwungenen Improvisationen – positive Überraschungen, die hervorzuheben sind?
Wulff: Wenn man so möchte, ist das sicherlich der positive Nebeneffekt der ganzen Situation. Mike Beldzik beispielsweise musste häufig im zentralen Mittelfeld spielen. Auch wenn diese Position nicht ganz neu für ihn war, hat er seine Aufgabe dort hervorragend erfüllt und könnte uns sicher im Saisonverlauf auch auf dieser Position helfen. Weiterhin haben unsere Neuzugänge Yanneck Schlufter und Tim Schmidt zuletzt sehr gute Leistungen in der Abwehrkette gezeigt.
BOLZJUNGS: Blicken wir auf die zurückliegende Saison zurück: Im vergangenen Jahr startetet ihr bescheiden. Erst am siebten Spieltag gelang euch der erste Sieg. Wie wollt ihr solch einen Fehlstart in dieser Saison verhindern?
Wulff: Julian Künkel hat bei uns das Motto “antizyklisch spielen“ etabliert. Wenn wir uns daran halten könnte es klappen. Im vergangenen Jahr hatten wir eine überragende Vorbereitung und anschließend einen schlechten Saisonstart. Demnach müsste unsere eher mäßige Vorbereitung ja zwingend zu einem guten Saisonstart führen (schmunzelt).
BOLZJUNGS: Zum Saisonstart geht es für euch zum Aufsteiger FC Union Tornesch, anschließend habt ihr dann aber gleich vier Heimspiele am Stück: Welche Ausbeute wollt ihr aus diesem wohlmöglichen Vorteil holen?
Wulff: Bei den ersten fünf Partien sind mit Tornesch und HSV III zwei Aufsteiger und mit Niendorf und Dassendorf zwei Spitzenteams dabei. Da gerade die Aufsteiger in der Regel mit mächtigem Rückenwind in die Saison starten, empfinde ich unser Startprogramm als sehr schwer. Trotzdem wollen wir – gerade am heimischen Gramkowweg – immer die maximale Punkteausbeute mitnehmen.
BOLZJUNGS: Vorausgesetzt du kannst auf alle Spieler zurückgreifen – das muss man ja aktuell bei euch hervorheben: Wie zufrieden bist du mit der Kaderzusammenstellung?
Wulff: Die Kaderzusammenstellung ist top. Wir haben den Umbruch aus dem vergangenen Jahr und das vereinbarte Konzept weiter umgesetzt. Benjamin Bambur und Oliver Franz haben eine absolut vorbildliche Einstellung und erfüllen zu einhundert Prozent unsere Erwartungen. Moritz Kühn, Jacob Gelzer, Yanneck Schlufter und Tim Schmidt sind allesamt junge, sehr talentierte und ehrgeizige Jungs aus der direkten Umgebung. Ich glaube wir haben sowohl auf der Leistungs- wie auch auf der Teamebene einen weiteren Schritt in die richtige Richtung gemacht.
BOLZJUNGS: Für dich persönlich geht es in die zweite Spielzeit als Cheftrainer beim SVCN: Was ist anders als noch zur Premierensaison?
Wulff: Im vergangenen Sommer haben wir viele neue Impulse, Abläufe und Anforderungen im Team platziert. Einige Neuerungen haben sich erst im Verlauf der Saison verfestigt. Darauf können wir nun weiter aufbauen. Auch weil 19 der insgesamt 25 Spieler bereits in der vergangenen Saison dabei waren. Ich persönlich spüre kaum eine Veränderung und bin – wie im vergangenen Jahr – voll motiviert und richtig heiß auf den Saisonstart.
BOLZJUNGS: Abschließend die klassische Frage zum Saisonziel. Einen einstelligen Tabellenplatz habt ihr zuletzt in der Saison 2015/16 erreicht. Was ist in dieser Spielzeit für den SV Curslack-Neuengamme möglich?
Wulff: Ich sehe sechs Teams in der Oberliga auf einem höheren Niveau als uns. Dazu gehören Teutonia, Dassendorf, Victoria Hamburg, Niendorf, Barmbek-Uhlenhorst und Sasel. Die weiteren zwölf Mannschaften bewegen sich ungefähr auf unserem Level. Das bedeutet: Wenn die Saison perfekt läuft, werden wir Siebter. Treten dauerhaft größere Komplikationen auf, spielen wir gegen den Abstieg. Entscheidend wird der Saisonstart sein und inwieweit wir die aktuell schwierige Situation meistern.
BOLZJUNGS: Vielen Dank für das Gespräch, Matthias! Wir wünschen dir und dem SVCN viel Erfolg für die Saison!