Jean-Pierre Richter: „Mit dem Ziel, Hamburger Meister zu werden, bin ich nach Dassendorf gekommen.“

Jean-Pierre Richter ist seit dem 12. Februar Trainer der TuS Dassendorf und geht in seine erste vollständige Saison mit der TuS. Foto: Herzog

Der Plan stand bereits im November 2018 fest: Nach der Saison 2018/19 sollte Jean-Pierre Richter das Traineramt von Elard Ostermann bei der TuS Dassendorf übernehmen. So sollte der Coach Zeit haben, sich ein ausführliches Bild rund um seinen neuen Verein zu machen. Doch im Februar 2019 ging es dann plötzlich ganz schnell: Nach der überraschenden Trennung zwischen der TuS und Ostermann, übernahm Richter am 12. Februar sofort – der Rest ist bekannt: Der neue Übungsleiter verpasste zwar mit seiner Mannschaft den Gewinn der Meisterschaft in der Oberliga, triumphierte aber im ODDSET-Pokal und qualifizierte sich erneut für den DFB-Pokal. Nach den ersten Monaten im Traineramt beim Oberligisten und der anschließenden Sommerpause absolvierte Richter in den vergangenen Wochen seine erste Vorbereitung mit den ‚Wendelweglern‘. Im BOLZJUNGS-Interview spricht der 32-Jährige über die zurückliegenden Wochen, den Kader, seine Ziele und das Highlight-Spiel gegen die SG Dynamo Dresden.

BOLZJUNGS: Hallo Johnny, für dich neigt sich die erste Vorbereitung mit der TuS Dassendorf dem Ende entgegen. Wie war es?
Jean-Pierre Richter: Hi ihr Beiden, eine Sommervorbereitung ist immer besonders und beinhaltet verschiedene Bausteine. Ich persönlich habe mich darauf gefreut und die Freude, mit den Jungs in den vergangenen Wochen unser Fundament für die neue Spielzeit gelegt zu haben, überwiegt neben dem Fleiß, den alle dafür aufgebracht haben.
BOLZJUNGS: Ergebnistechnisch hast du nicht viel zu meckern: Sieben Siege aus acht Spielen – lediglich gegen den SC Concordia Hamburg habt ihr im Finale des Weinel Immobilien Cups 2019 verloren. Wie fällt dein Fazit aus?
Richter: Das Fazit der Vorbereitung fällt sehr ordentlich aus. Sicherlich haben einige Faktoren dazu geführt, dass wir nicht an der maximalen Leistungsgrenze fleißig sein konnten. Die Ergebnisse spielen dabei eine untergeordnete Rolle. Die Integration der Neuzugänge sowie die weitere Vertiefung und Ausarbeitung unserer Spielidee basierend auf gewissen Merkmalen stehen nach wie vor im Vordergrund.
BOLZJUNGS: Neben den Testspielen und zahlreichen Einheiten wart ihr auch drei Tage im Trainingslager in Berlin. Wo lagen speziell eure Schwerpunkte?
Richter: Die Mannschaft hat grundsätzlich sehr ordentlich mitgezogen und wir haben in den ersten drei Wochen die Schwerpunkte gelegt, sodass wir final im Trainingslager neben Trainingsinhalten vor allem im Teambuilding einen elementaren Schritt gegangen sind. Grundsätzlich werden wir neben der tollen Herausforderung, in drei Wettbewerben antreten zu können, noch einige Spiele und Trainingseinheiten brauchen, um als Team zu einhundert Prozent die gleiche Spur zu finden – in die gleiche Richtung geht’s bereits.
BOLZJUNGS: Das vergangene Jahr verlief in der Liga nicht nach eurem Geschmack. Wenn wir konkret werden: Was wollt ihr besser machen, als in der zurückliegenden Spielzeit?
Richter: Das mit den Vergleichen ist nicht immer einfach. Ich bin seit dem 12. Februar in Dassendorf dabei und kann somit nur die Phase bis zum Saisonende bewerten. Abschließend mit dem Pokalerfolg und Platz drei in der Oberliga eine Saison zu beenden, bringt auch viele schöne Emotionen und Erinnerungen mit sich. Dies gilt es allerdings maximal als Grundstein für die neue Spielzeit zu nehmen. Wir haben uns mit klarer Motivation für die Saison zusammengefunden und konnten neben dem erhaltenen Kern schnell die Neuzugänge integrieren. Wir werden uns von Spiel zu Spiel bewerten und haben ein ordentliches Brett im August vor der Brust mit Liga, Lotto- & DFB-Pokal! Nur wer sein Ziel kennt, findet auch den richtigen Weg!
BOLZJUNGS: Apropos Neuzugänge: Mit Yannick Jonas, Edin Tanovic, Aleksandar Nogovic, Len Aike Strömer und Jesper Garbers habt ihr fünf neue Spieler verpflichtet, Finn Thomas und Joe Warmbier kehren langsam nach Langzeitverletzungen zurück: Wie zufrieden bist du mit der Kaderzusammenstellung?
Richter: Ich bin mit den Neuzugängen zufrieden und weiß ihre Qualitäten sowie Wichtigkeit für uns gut einzuordnen. Dazu kommen 17 Spieler, die in Dassendorf im vergangenen Jahr ein Team gestellt haben. Neben den beiden angesprochenen Comebackern, die beide individuell betrachtet werden müssen und noch Zeit brauchen, ist auch Muizz Saqib noch nach einer Hüft-OP in der Reha. Dagegen haben wir mit Marcel von Walsleben-Schied und Kristof Kurczynski zwei neue Väter in der Truppe und eine super Ausgangsposition als Mannschaft. Letztlich werden die Jungs alles daran setzen, unsere Zielen zu erreichen. Davon, aber vor allem von jedem einzelnen Spieler, bin ich komplett überzeugt, sodass jeder seinen Anteil haben wird.

Jean-Pierre Richter im Trainingslager in Berlin. Foto: Knull

BOLZJUNGS: Gab es in der Vorbereitung einen oder mehrere Spieler, die dich überrascht haben – sowohl positiv als auch negativ?
Richter: Die Überraschungen – sowohl positiv als auch negativ – gibt es immer und gehören dazu. Ich denke, dass wir mit dem gegebenen, internen Wettbewerb eine gute Basis haben, um extern in den Wettbewerben erfolgreich sein zu können. Wer mehr oder weniger in den vergangenen Wochen herausgeragt hat, weiß es und kann den Vorsprung ausbauen oder den Rückstand auf die Startplätze aufholen.
BOLZJUNGS: Im vergangenem Jahr sollte es in der Meisterschaft nicht sein, den Pokal habt ihr hingegen verteidigt: Wie sehen eure Ziele für die kommende Saison aus?
Richter: Kurzfristig gilt es, erfolgreich in die Saison zu starten und die letzten angeschlagenen Spieler dazuzubekommen. Wir haben mit den drei Wettbewerben auch eine große Verantwortung. Wir wollen die Stadt Hamburg im DFB-Pokal bestmöglich vertreten und hoffentlich eine unvergessliche Kulisse vorfinden. Dazu gilt es, im Lotto-Pokal die ersten Runden parallel zum Liga-Spielbetrieb mit der besten Leistung abzuliefern. Ich denke, nach dem August kann man den Status Quo besser bewerten.
BOLZJUNGS: Am 10. August wartet mit dem DFB-Pokalspiel gegen die SG Dynamo Dresden in Zwickau ein weiteres Highlight auf euch: Ein zusätzlicher Bonus oder eine Partie, in der – wenn ihr an eure Leistungsgrenzen kommt – alles möglich ist?
Richter: Ich sehe dem Spiel absolut positiv entgegen und sehe es als Bonbon für den Erfolg aus der vergangenen Saison an, den wir so lange wie möglich aufsaugen und mitnehmen wollen. Von der Planung und Anreise bis hin zur Spielvorbereitung nimmt das einen besonderen Stellenwert ein, sodass dieses Event als Highlight für den Verein und uns als Mannschaft besonders eingeordnet wird. Trotzdem dürfen wir die beiden wesentlichen Wettbewerbe dadurch nicht vernachlässigen. Die Mannschaft hat sich zielstrebig und mit vollem Einsatz in den zurückliegenden Wochen darauf vorbereitet, auch in Zwickau ihre Qualitäten zeigen zu können. Abhängig von der Kulisse und dem Gegner wollen wir einen unvergesslichen Tag daraus machen – ohne mit Erwartungen oder naiven Zielen von Siegchance zu sprechen.
BOLZJUNGS: Welcher Anreiz ist größer: Den Lotto-Pokal zum dritten Mal in Folge zu gewinnen oder die verpasste Meisterschaft aus dem vergangenen Jahr wettzumachen?
Richter: Ich denke, wettmachen ist der falsche Begriff, da es ein Wettbewerb mit 17 weiteren Vereinen in der Oberliga Hamburg ist. Wir gehen nicht als designierter Meister ins Rennen, sondern alle Teams starten mit null Punkten und haben die gleiche Ausgangssituation. Für mich persönlich hat ein Titel über 34 Spieltage einen absolut großen Stellenwert und mit dem Ziel, Hamburger Meister zu werden, bin ich nach Dassendorf gekommen. Genauso ist das Erlebnis, den Pokal zu gewinnen, besonders und nach dem Erlebnis am 25. Mai sollte dies ebenfalls Anreiz genug sein, darauf nicht freiwillig verzichten zu wollen.
BOLZJUNGS: Wie schätzt du allgemein die Oberliga Hamburg in der kommenden Saison ein?
Richter: Ich erwarte eine interessante und spannende Oberliga-Saison 2019/2020. Grundsätzlich haben wir mit den leistungsorientierten Spitzenteams, dem entwicklungsstarken Verfolgerfeld und den Newcomern drei Ausgangsklassen. Allerdings wird es in allen auch Sprünge nach oben und unten geben. Unser Ziel wird es sein, über 34 Spiele den maximalen Erfolg anzustreben. Neben den immer wieder genannten Favoriten und Geheimfavoriten zu selektieren, steht mir nicht zu. Ich werde mein Team zwei Mal gegen 17 super Teams vorbereiten, coachen und bestmöglich unterstützen.
BOLZJUNGS: Vielen Dank für das Gespräch, Johnny! Wir wünschen dir und der TuS Dassendorf viel Erfolg für die Saison.

Der Kader der TuS Dassendorf in der Übersicht:
Torwart
Yannick Jonas, Christian Gruhne
Abwehr
Edin Tanovic, Kerim Carolus, Amando Aust, Joe Warmbier, Rinik Carolus, Marcel Lenz
Mittelfeld
Sven Möller, Henrik Dettmann, Pascal Nägele, Maximilian Dittrich, Muizz Saqib, Aleksandar Nogovic, Len Aike Strömer, Jesper Garbers, Tarec Blohm, Finn Thomas, Mark Hinze
Sturm
Mattia Maggio, Kristof Kurczynski, Marcel von Walsleben-Schied

Trainer- und Funktionsteam:
Cheftrainer: Jean-Pierre Richter
Co-Trainer: Benjamin Kruk
Athletik-Trainer: Joachim Ohle
Sportchef: Jan Schönteich
Liga-Manager: Alexander Knull
Betreuer: Wolf-Rüdiger Klein
Physiotherapeut: Sven Altefrohne
Mannschaftsarzt: Dr. Helge Beckmann
Fußball-Abteilungsleiter: Frank Flatau

Das Team der TuS Dassendorf: Hintere Reihe (v. l. n. r.): Amando Aust, Mattia Maggio, Marcel Lenz, Maximilian Dittrich, Joe Warmbier, Finn Thomas, Tarec Blohm. Mittlere Reihe (v. l. n. r.): Christian Gruhne, Len Aike Strömer, Athletik-Trainer Joachim Ohle, Cheftrainer Jean-Pierre Richter, Co-Trainer Benjamin Kruk, Aleksandar Nogovic, Yannick Jonas. Vordere Reihe (v. l. n. r.): Sven Möller, Jesper Garbers, Henrik Dettmann, Muizz Saqib, Mark Hinze, Edin Tanovic, Mark Hinze. Foto: Knull