Lechlers Hacke sei Dank: SVCN zittert sich im Abstiegsduell gegen den HEBC zum Befreiungsschlag

Große Freude beim SVCN: Die Jubeltraube an der Eckfahne nach dem 2:1-Siegtreffer durch Arnold Lechler. Foto: BOLZJUNGS

SV Curslack-Neuengamme – HEBC 2:1 (1:1)
Oberliga Hamburg, 24. Spieltag (So., 03.03.19, 14.00 Uhr)

Die Anspannung war zum Greifen nah, die Unruhe kaum zu überbieten: An der Ersatzbank des SV Curslack-Neuengamme sehnten sie sich den Schlusspfiff von Schiedsrichter Thore Holst (FTSV Altenwerder) in der Oberliga-Partie gegen den HEBC herbei. Doch einen langen Ball der Gäste gab es noch. Dieser fand im Curslacker Strafraum aber keinen Abnehmer, sodass der Referee nach 96 gespielten Minuten abpfiff – die angezeigten vier Minuten Nachschlag wurden durch die dritte und letzte Auswechslung der Gastgeber um zwei weitere Zeigerumdrehungen verlängert. So war die Freude bei den Vierländern über den 2:1-Heimsieg umso größer. Trainer Matthias Wulff ballte die Faust, schrie seine Freude einen kurzen Moment über den Kunstrasenplatz am Gramkowweg und klatschte mit seinem Co-Trainer Daniel Grosse ab. Die Spieler in den blauen Trikots lagen sich kollektiv in den Armen. Anschließend ein kurzer Mannschaftskreis, indem die Bedeutung dieses Heimsieges von Trainer Wulff noch einmal hervorgehoben wurde. „Egal wie. Hauptsache gewonnen“, beschrieb der Übungsleiter die vorangegangene Partie.

Vor 102 Zuschauern bei grauem Himmel und Dauerregen begann das Spiel für die Gastgeber so wie das Wetter war: bescheiden. Nach einem langen Ball aus der eigenen Hälfte der Gäste stimmte in der SVCN-Defensive die Abstimmung nicht, sodass Janosch Rinckens einige Meter vor der Strafraumgrenze freistehend das Spielgerät annahm und mit einem Flachschuss in die rechte Ecke im von Gianluca Babuschkin gehüteten SVCN-Gehäuse unterbringen konnte (2.). Doch die Hausherren ließen sich von diesem frühen Schock nicht unterkriegen. Unter den Augen von Sommer-Neuzugang Oliver Franz, suchte die Wulff-Equipe den Weg nach vorne und kam durch Hamed Mokhlis (8.), Arnold Lechler (13.) und einen Freistoß von Duro Maskaljevic (19.) zu den ersten Torannäherungen. So richtig gefährlich wurde es dann in der 29. Minute. Nach einem Eckball von Witalij Wilhelm konnte die HEBC-Hintermannschaft den Ball nicht aus der Gefahrenzone klären, sodass Hamed Mokhlis die Kugel aus dem Gewühl heraus über die Linie drücken konnte (29.). Beinahe fiel im Gegenzug die erneute Gäste-Führung, doch Marvin Schalitz konnte in letzter Sekunde dazwischen grätschen (30.).

Platzverweis für HEBC spielt dem SVCN nicht in die Karten: Zittern bis zum Schluss!

Arbeitstag beendet: Arnold Lechler (mi.) wird von seinem Trainer Matthias Wulff (re.) in Empfang genommen, während Niklas Hoffmann (li.) den Platz betritt. Foto: BOLZJUNGS

Im zweiten Abschnitt drückten die Vierländer von Beginn an auf das Gaspedal. Erst scheiterte Timo Lenz noch am Außennetz (48.), ehe der beste Mann auf dem Platz, Hamed Mokhlis, den Ball über die rechte Außenbahn in den Strafraum brachte, wo Arnold Lechler, der aufgrund eines am vergangenen Montag im Training erlittenen Pferdekusses im Oberschenkel erst unmittelbar vor Anpfiff das Go für seinen Einsatz gab, den Ball technisch hochwertig per Hacke zur 2:1-Führung in die Maschen bugsierte (54.). Ausgelassener Jubel an der Eckfahne war die Folge! Und es sollte noch besser kommen für die Mannschaft von Trainer Wulff – vermeintlich! Nach einem bösartigen Einsteigen von Maximilian Schulz gegen Florian Rogge auf Höhe der Mittellinie, zeigte Referee Holst folgerichtig die Rote Karte (62.). In der folgenden Rudelbildung kam es zwischen Mokhlis und dem Rotsünder noch zu einem Gerangel, ehe der Unparteiische die Situation im Griff hatte. Die personelle Überzahl brachte den Hausherren jedoch keinen Vorteil. Zwar hatten sie nun mehr Räume, doch in der Offensive fehlte die letzte Überzeugung die Konterangriffe zu Ende zu spielen. So kam die Mannschaft von Trainer Jörn Großkopf eine Viertelstunde vor Schluss zur großen Chance zum Ausgleich, doch der eingewechselte Lasse Peters zielte haarscharf vorbei (75.). „Ich glaube das nicht“, konnte auch Torsten Henke, Sportlicher Berater des SVCN, unter seinem Regenschirm die Nachlässigkeit in der Defensive seiner Hintermannschaft nicht fassen.

In Folge brachte es weder Timo Lenz, der per Kopf an der Latte scheiterte (84.), noch Florian Rogge, der alleine auf das Tor lief aber leichtfertig zu hoch zielte (90. +2), zustande, den erlösenden Treffer zum 3:1 zu erzielen. So mussten alle, die es mit den ganz in blau spielenden Curslackern hielten, bis zur letzten Sekunde warten, ehe der ersehnte Heimsieg im Duell des Tabellendreizehnten mit dem auf Platz 15 liegenden HEBC eingetütet war. Die Erleichterung war bei Spielern und Verantwortlichen des SVCN deutlich zu spüren. „Der Sieg war sehr wichtig für uns. Ich glaube, man hat auch gesehen, dass wir von Anfang an Gas gegeben haben. Natürlich ist das Gegentor nach zwei Minuten sehr unglücklich gewesen. Aber danach haben wir uns nicht aus der Ruhe bringen lassen und unseren Plan bis zum Ende durchgezogen, auch wenn es am Ende nochmal eng wurde. Wir haben verdient gewonnen“, resümierte SVCN-Angreifer Timo Lenz. Sein Sturmkollege, der den entscheidenden Treffer markierte, zeigte sich ebenso erleichtert. „Ich bin einfach glücklich, dass wir das Spiel gewonnen haben. Klar, konnten wir den Sack schon früher in der zweiten Halbzeit zu machen, aber es sollte so spannend bleiben für alle. Es war eine starke Teamleistung und da müssen wir weiter machen in den nächsten Wochen“, kommentierte Arnold Lechler mit einem Augenzwinkern, der sich trotz des Siegtreffers selbstkritisch zeigte. „Ich war froh, dass ich überhaupt spielen konnte. Es stand ja noch nicht fest. Die erste Halbzeit war sehr bescheiden von mir. Damit war ich gar nicht zufrieden. Das hatten meine Mannschaftskollegen in der Halbzeit gemerkt. Die haben mich dann gepusht. Umso mehr bin ich froh über das Tor“, sagte Curslacks Nummer 7.

Matthias Wulff: „Dann muss ich wirklich sagen: Hut ab davor, wie du Jungs danach agiert haben.“

Abklatschen nach dem Sieg: SVCN-Trainer Matthias Wulff (re.) und sein „Co“ Daniel Grosse. Foto: BOLZJUNGS

Diese Freude über den 2:1-Heimsieg war auch Trainer Wulff, der während des Spiels sehr angespannt wirkte und kaum eine Miene verzog, anzusehen. „Am Ende ist es ein verdienter Sieg, den sich die Jungs erkämpft haben. Die Jungs haben gezeigt, dass sie bereit sind alles anzunehmen“, gab der erleichterte Übungsleiter zu Protokoll, nachdem er zuvor seine Analyse offenlegte: „Wir hatten mit Condor und Meiendorf zwei Spiele, in denen wir sehr viel hergeschenkt haben. Da war das Spiel gegen HEBC ein enorm wichtigstes Spiel. Dann gehst du in diese Partie rein, die Mannschaft war hochmotiviert und hat die ganze Woche sehr stark trainiert und gezeigt, dass sie unbedingt wollen, und dann kriegst du aus der ersten Situation nach knapp zwei Minuten direkt den ersten Genickschlag. Das war extrem hart. Dann muss ich wirklich sagen: Hut ab davor wie du Jungs danach agiert haben. Sie haben Ruhe bewahrt und kontrollierten, sachlichen Fußball gespielt. Das war sehr positiv. Das 1:1 fällt in der Situation vielleicht bisschen glücklich, war aber absolut verdient. Aus der Halbzeitpause sind wir gut rausgekommen, hatten viele gefährliche Aktionen und machen in der Folge völlig richtig das 2:1.“ Der Coach bemängelte anschließend, dass trotz der Überzahl bis zum Ende gezittert werden musste. „Dann kommt die Rote Karte und wir haben das Übergewicht auf dem Platz, doch plötzlich kommen auch die Nerven ins Spiel. Jeder weiß, dass wir viele Spiele hatten, die wir spielerisch dominiert haben aber in denen wir nicht dreifach gepunktet haben. Das ist selbstverständlich in den Köpfen drin. Natürlich hatten wir viele Konterchancen, wo wir das dritte Tor machen müssen. Letztendlich kann auf der Gegenseite immer noch ein Ball durchrutschen. Das ist zum Glück nicht passiert“, schloss Wulff, der dank des Sieges mit seinem Team zwei Plätze in der Tabelle gut macht und mit nun 27 Punkten auf dem 11. Rang steht.

Sein Gegenüber nahm die vorangegangenen 96 Minuten ebenfalls genauestens unter die Lupe. „Erstmal Glückwunsch in Richtung Curslack dass ihr, wie ich finde, das Spiel verdient gewonnen habt. Wir haben eine erste Halbzeit gesehen, in der wir sehr gut ins Spiel gekommen sind und früh in Führung gegangen sind. Das war auch unsere Idee mit langen Bällen zu solchen Situationen zu kommen. Wir haben das anständig verteidigt, wobei Curslack uns durch gefährliche Standardsituationen immer wieder in Bredouille gebracht hat. So ist auch der Ausgleichstreffer gefallen“, erklärte Jörn Großkopf, der mit der zweiten Hälfte nicht zufrieden war. „Mit der zweiten Halbzeit bin ich überhaupt nicht einverstanden. Wir haben vorher den Abstiegskampf ausgerufen – explizit für dieses Spiel weil der Gegner auch nicht mit 100 Prozent Selbstvertrauen ins Spiel gegangen ist. Aber wir haben es in der zweiten Halbzeit nicht geschafft für Entlastung zu sorgen und hatten eine unglaublich hohe Fehlpassquote. Dann gehst du in 1:2 Rückstand und bekommst eine Rote Karte – völlig zurecht im übrigen. Danach haben wir mehr gekämpft als zuvor“, analysierte der HEBC-Trainer, um anschließend den Blick auf die kommenden Aufgaben zu richten. „Letztendlich ist es nächste Woche gegen Wedel ein Alles-oder-Nichts-Spiel. Wir haben einen Punkt aus vier Spielen geholt. Das waren nicht unsere Vorstellungen. Wir müssen nächste Woche das Ganze zu einem Endspiel machen und das werden wir auch. Da müssen wir unsere Mentalität die gesamten 90 Minuten auf den Platz bringen und nicht nur eine knappe erste Halbzeit und eine Viertelstunde am Ende. Sonst wird das nichts“, unterstrich Großkopf die Bedeutung des nächsten Spiels. Der HEBC bleibt mit 23 Punkten auf dem 15. Tabellenplatz im Abstiegskampf hängen. Zum Abschluss wünschte Großkopf dem SVCN alles Gute für die weitere Saison: „Euch wünsche ich weiterhin viel Glück, ihr werdet da unten nichts mit zu tun haben – wenn ihr die Mentalität aus diesem Spiel an den Tag legt.“

SVCN: Babuschkin; Witmütz, Spiewak, Schalitz, Wilhelm; Rogge, Iscan; Lenz, Mokhlis (90. + 3 Reckstadt), Maskaljevic (87. Driebel); Lechler (71. Hoffmann)
HEBC: Nennhaus; Köhler, Flick, Ide (32. Peters), Wiedemann; Hackstein, Oldag (60. Magens) , Kosik, Schulz; Rinckens, Bundt (78. Ikponmwosa)