Lohbrügge ein Do(h)rn im Auge: Union Tornesch feiert nach Mallorca-Ausfahrt auch die Oberliga!

Nach dem vermeintlichen 2:2 durch Alen Brandic (in orange) beschwert sich der VfL-Keeper beim Unparteiischen. Foto: Damm

FC Union Tornesch – VfL Lohbrügge 2:1 (1:0)
Oberliga-Aufstiegsspiel (Mo., 10.06.19, 15.00 Uhr)

Mit großer Spannung wurde das Oberliga-Aufstiegsspiel zwischen dem FC Union Tornesch und dem VfL Lohbrügge erwartet. Nach dem Rückzug vom Oberligisten Wedeler TSV (wir berichteten) traten die beiden Landesliga-Dritten am Lokstedter Steindamm am Pfingstmontag (10.06.19, 15.00 Uhr) zum Alles-oder-Nichts-Spiel an. Und siehe da: Bereits die Anfangsphase hatte es in sich! Schon nach zwei Minuten versuchte sich FCU-Spieler Jannek Laut, blieb jedoch erfolglos. Kurz darauf trat Unions Serge Haag eine Ecke von links und fand in Björn Dohrn seinen Abnehmer – die frühe Führung für den Dritten der Hammonia-Staffel war perfekt, der Jubel riesengroß (3.). FCU-Kapitän Jan-Philipp Zimmermann merkte in Bezug auf den frühen Vorsprung an: „Keiner hatte heute vor der Partie in der Kabine noch von ‚Malle‘ geredet, es ging nur noch ums Spiel!“ Doch wie es sich nun mal für den FC Union Tornesch gehört, war die Mittelmeerinsel kurz nach Abpfiff auch schon wieder das bestimmende Thema. „Man merkt den Jungs an, dass sie Bock haben, nochmal hinzufliegen“, erklärte ein sichtlich ausgelaugter aber mehr als glücklicher Zimmermann auf BOLZJUNGS-Nachfrage kurz nach dem Spiel – welches der Hammonia-Dritte gegen die Lohbrügger mit 2:1 für sich entscheiden konnte! (Hier gibt’s alles im Liveticker)

Spiel flacht nach frühem Rückschlag für Lohbrügge ab

Pure Enttäuschung beim VfL nach dem verpassten Oberliga-Aufstieg. Foto: Damm

Doch erst einmal war es für das seit Wochen nicht im Training gewesenen Team vom Torneum bei sommerlicher Hitze auf dem Kunstrasenplatz des ETV Hamburg ein anstrengendes Stück Arbeit. Nach dem frühen Führungstreffer durch Dohrn entwickelte sich ein kampfbetontes Spiel mit diversen Foulspielen, Unterbrechungen aufgrund von Verletzungen und Diskussionen. Marcel Walter, Pascal Bäker und Anto Zivkovic per Dreifach-Chance (7.), Javad Gurbanian (12.) und Ahmad Abdul Hafiz (13.) blieben für die Lohbrügger vor dem Tor erfolglos. Nach etwa 25 Minuten verflachte dann das Spielniveau, die Diskussionen und Fouls nahmen zu. VfL-Sechser Gurbanian scheiterte noch einmal (34.), auf der Gegenseite klärte sein Mitspieler Robert Pallasch artistisch gegen Serge Haag (37.). So ging es für den FCU mit einem 1:0-Vorsprung in die Kabinen. „Da hat man den Jungs dann angemerkt, dass schon einige Körner raus waren“, so FCU-Kapitän Zimmermann, der mit seinem Team von Co-Trainer Martin Schwabe gecoacht worden war, da Übungsleiter Thorben Reibe im Urlaub in Italien weilte (wir berichteten).

Auch die Anfangsphase der zweiten Hälfte war vielversprechend. Vor 750 Zuschauern ging es hin und her, jedoch verpassten es die Akteure beider Seiten, erfolgreich einzunetzen. Inmitten einer Druckphase des VfL erstickten zwei Kicker des FCU erst einmal alle Hoffnungen des Gegners im Keim: Nach 61 Minuten lief Jannek Laut nach einem Ballgewinn in der eigenen Hälfte mit dem Spielgerät los, kein Lohbrügger Defensivspieler hielt ihn auf. Erst im Strafraum wurde der pfeilschnelle Außen zu Fall gebracht, der Ball landete bei seinem Mitspieler Dohrn, der ungefährdet aus zehn Metern zum 2:0 einschob. Torhüter Norman Baese, alle Feldspieler und auch die gesamte Auswechselbank rannte quer übers Feld zum Doppelpacker. Doch mit dem zweiten Treffer des FCU war auch klar: Nun geht der VfL alles oder nichts! Nach 70 Minuten dann die beste Chance der Lohbrügger: Der eingewechselte Danijel Suntic lief über links, flankte rein, doch der ebenfalls hereingekommene Oguzhan Gencel verpasste knapp den Anschlusstreffer (70.). Nach 76 Minuten war dann Feierabend für den Doppeltorschützen Dohrn – unter tosendem Applaus verließ der Stürmer das Feld. Ohne den Doppelpacker, dafür mit viel Druck der Lohbrügger ging es in die Schlussphase – in der der VfL den Anschluss erzielte. Nach 88 Minuten traf Gencel per Kopf zum 1:2. Nun wurde es noch einmal hektisch am Lokstedter Steindamm! Der eingewechselte FCU-Spieler Sören Badermann verpasste im Gegenzug die Entscheidung (89.).

In der fünften Minute der Nachspielzeit fiel der vermeintliche Ausgleich

In der fünften Minute der Nachspielzeit dann die hitzigste Szene der Partie: Nach einem langen Freistoß von Sandjar Ahmadi köpfte der aufgerückte VfL-Keeper Alen Brandic vermeintlich den Ball ins Tor. Doch der Freistoß von Ahmadi ging direkt ins Tor, Brandic funktionierte lediglich als Block und nicht als Kopfballspieler. Das vermutliche 2:2! Doch Schiedsrichter Ghafury bewertete den Einsatz von Brandic gegen FCU-Torwart Baese als regelwidrig, entschied auf Foulspiel und gab den Treffer nicht – obwohl er zuvor den Treffer per ausgestrecktem Arm Richtung Mittelkreis symbolisierte. „Ich wusste nicht, weswegen der Schiri gepfiffen hat. Das war ein klares Tor“, monierte Brandic nach der Partie. Die Aufregung auf Lohbrügger Seite war riesengroß. Zwei Minuten später war Schluss – und Union Tornesch in der Oberliga! Mann des Tages war dabei selbstverständlich der Doppeltorschütze Dohrn, der nach dem perfekt gemachten Aufstieg mit Kai, einer „FCU-Ente“, in der Hand erklärte: „Ich glaube im Bierkönig habe ich noch ein wenig mehr Gas gegeben – aber es hat ja heute gereicht!“ Erst am Donnerstag kehrte Dohrn von Mallorca zurück, erklärte vier Tage und nur eine Trainingseinheit später: „Natürlich ist dieser Finalgewinn nicht so ganz verkehrt, aber wir haben auch auf Malle sehr stark performt. Das hier ist nun die Krönung des Ganzen nach solch einem ‚Trainingslager‘. Wenn ich morgen wieder im Dienst bin, werde ich das alles realisieren.“

Was passiert nun beim VfL Lohbrügge? Brandic gab eine erste Antwort: „Ich weiß es nicht. Wir haben heute gezeigt, dass wir die bessere fußballerische Mannschaft waren. Wir haben gezeigt, dass wir kämpfen können und eine Mannschaft sind. Ich brauche jetzt erst einmal zwei, drei Wochen Pause vom Fußball. Ich denke, ich werde beim VfL bleiben und dann arbeiten wir alle gemeinsam für den Aufstieg in die Oberliga!“ In dieselbe Kerbe schlug auch sein Trainer. „Wir haben die Chancen nicht gemacht und dann ist es verdient, noch ein Jahr in der Landesliga zu spielen. Es ist durchaus möglich, dass wir uns nächstes Jahr in der Landesliga verbessern und dann noch stärker in die Oberliga gehen. Wir sind eine Truppe mit ganz vielen jungen Spielern. Nächstes Jahr ist es das erklärte Ziel, in der Landesliga ganz, ganz oben zu spielen. Es sieht so aus, dass wir zwei, drei Hochkaräter bekommen werden“, sagte Elvis Nikolic. Auf der Gegenseite herrschte natürlich pure Freude. Während „Co“ Schwabe, der die „Erste“ des FCU im Sommer verlassen wird, den Ruhm seinem „Chef“ Reibe übergab („Das Wort Aufstiegstrainer möchte ich an meinen Chef Thorben zurückwerfen.“), erklärte sein Kapitän Zimmermann: „Eigentlich war mein Plan, heute einen ruhigen zu machen. Aber nun wird’s wohl ins Torneum zum Feiern gehen.“ In Bezug auf Mallorca erklärte der Spielführer abschließend: „Wir fliegen erst zur Sommervorbereitung wieder. Wir haben ja schließlich heute gemerkt, dass das Ganze als Trainingslager ganz gut klappt. Aber ich nicht, ich bin zu alt für den Scheiss!“

FCU: Baese; Kuschka, Zimmermann, Moritz, Knottnerus (78. Beckmann); Dora, Werning; Haag, Laut (68. Swennosen), Kulicke; Dohrn (76. Badermann)
VfL:
Brandic; Ahmadi, Bozic, Hamdan, Pallasch (77. Indulto); Hafiz, Gurbanian (59. Suntic); Arlovic (57. Gencel), Zivkovic, Bäker; Walter

Eine Fotogalerie zum Spiel von Olaf Damm: