Mannschaftsdienlicher Torjäger: „Ohne die Zuspiele und Flanken hätte ich nicht elf Tore geschossen.“

Beim VfL Lohbrügge um Torjäger Pascal Bäker geht der Blick in dieser Saison nur in eine Richtung: In die Oberliga Hamburg. Foto: Herzog

Es läuft am Binnenfeldredder! Nach anfänglichen Problemen mit der Auftaktniederlage beim ASV Hamburg und dem Zweitrunden-Pokalaus beim Kreisligisten SV Hamwarde ist der VfL Lohbrügge mittlerweile ins Rollen gekommen! Die vergangenen sechs Partien in der Landesliga Hansa wurden allesamt gewonnen, dabei erzielte die Equipe des Trainer-Duos Elvis Nikolic und Sven Schneppel 29 Treffer (darunter zwei 7:0-Erfolge gegen TuS Berne und SC Condor) und kassierten nur sechs Tore. So steht der VfL nach sieben Spieltagen da, wo sie auch nach 30 Partien stehen wollen: Auf dem ersten Tabellenplatz! „Nach kurzen Startschwierigkeiten haben wir uns gefangen und wollen den ersten Platz mit aller Macht bis zum Ende der Saison verteidigen“, unterstreicht Pascal Bäker die ausgegebene Marschroute. Apropos Pascal Bäker! Mit elf Treffern steht der 23-Jährige aktuell nicht nur auf dem ersten Rang der Torschützenliste in der Hansa-Staffel, sondern hat auch einen gehörigen Anteil am Lohbrügger Erfolg. „Pascal Bäker ist ein wichtiger Bestandteil auf dem Platz, aber auch in der Kabine. Er gehört zum Mannschaftsrat und kümmert sich meistens um die jungen Spieler. Er hat sich ganz toll entwickelt und hat momentan dieses Selbstverständnis, einfach die Tore zu machen. Er ist sowohl sportlich als auch menschlich für Lohbrügge ganz, ganz wichtig und hat eine hohe Akzeptanz innerhalb der Mannschaft“, betont Nikolic die Bedeutung seines Torjägers.

Angesprochen auf sein Erfolgsgeheimnis gibt sich der Rechtsfuß ganz bescheiden. „Ich würde sagen, dass ich momentan einfach einen guten Lauf habe – der hoffentlich lange anhält. Ich bin konzentrierter beim Abschluss und habe eventuell mehr Spielglück auf meiner Seite als noch in der vergangenen Saison. Ich bin Woche für Woche beim Training, gebe Gas und werde aktuell dafür belohnt“, erklärt der gebürtige Hamburger, der von seinem Mitspieler Danijel Suntic ‚Bergkamp‘ gerufen wird – angelehnt an den ehemaligen niederländischen Mittelstürmer Dennis Bergkamp. Im weiteren Verlauf des Gespräches gibt der Lehramtsstudent (Sport und Geographie) klar zu verstehen, dass er für den aktuellen Lauf nicht alleine verantwortlich ist. „Eine ganz große und entscheidende Rolle spielen meine Mitspieler. Ohne die guten Zuspiele und Flanken hätte ich nicht elf Tore geschossen. Außerdem wird mir immer wieder von meinen Kollegen gut zugesprochen, was mich sehr motiviert. Sie zeigen mir damit, dass ich ein wichtiger Bestandteil des Teams bin und das versuche ich am Wochenende mit meinen Toren zurückzugeben. Ich fühle mich momentan einfach sehr wohl in der Mannschaft“, untermauert der Stürmer, der seit Sommer 2015 am ‚Binner‘ auf Torejagd geht und zuvor für den Barsbütteler SV im Herrenbereich und für den Rahlstedter SC, den SC Concordia Hamburg und den SV Nettelnburg/Allermöhe in der Jugend aktiv war.

Elber-Fan Bäker schielt auf die 20-Tore-Marke, beschäftigt sich aber nicht mit der Torjägerkanone

Doch trotz dieser elf Treffer – so viele hatte Bäker in der gesamten vergangenen Spielzeit erzielt – gehört für den in Rahlstedt lebenden Offensivspieler mehr als das reine Tore schießen zum Spiel dazu. „Ich mache viele Wege und stelle mich nicht nur vorne hin und warte auf Bälle“, gibt Lohbrügges Nummer neun zu verstehen, ehe er anschließend mit einem Schmunzeln anfügt: „Gerade als Stürmer ist es schön Tore zu schießen. Das ist vor allem meine Aufgabe. So kann ich dem Team am besten helfen und wenn man das dann gemeinsam bejubeln kann, ist es umso schöner.“ Und wie viele Treffer sollen am Ende dabei rausspringen, Herr Bäker? „Ich habe mir schon in den vergangenen Jahren vorgenommen die 20-Tore-Marke zu knacken – was nicht geklappt hat. Dieses Jahr sieht es ganz gut aus, eventuell werden es noch mehr als 20“, gibt sich der Torjäger optimistisch. Dennoch ist der Titel des Torschützenkönigs nicht das Thema mit der höchsten Bedeutung: „Für mich sind solche Dinge eher nebensächlich. Natürlich ist es schön, wenn man derjenige ist, der die meisten Tore in einer Saison geschossen hat. Wenn wir dennoch nicht aufsteigen sollten, kann ich mir dafür auch nichts kaufen. Wichtiger ist es der Mannschaft mit meinen Toren zu helfen und zu weiteren Siegen zu führen.“

Auch wenn das Momentum klar auf Seiten der Lohbrügger ist, weiß das Mannschaftsratsmitglied, dass am Binnenfeldredder nicht immer alles Gold ist, was glänzt. Vor allem nach dem gescheiterten Last-Minute-Aufstieg gegen den FC Union Tornesch war für kurze Zeit nicht klar, wie das Gesicht der Mannschaft in der anstehenden Saison aussehen wird. „Klar war das Spiel gegen Tornesch am Anfang der Vorbereitung noch kurz Thema. Aber der Fokus wurde schnell auf die neue Spielzeit gelegt“, betont Bäker, der auch bei einem weiteren Vorurteil um den Verein eine klare Meinung hat. Dass die Spieler ausschließlich nur wegen des Geldes das VfL-Trikot tragen, erstickt der Rahlstedter im Keim. „Das ist Schwachsinn. Natürlich ist es ein schöner Nebeneffekt für sein Hobby Geld zu bekommen, aber ohne Kameradschaft beziehungsweise ohne als ein Team Wochenende für Wochenende aufzutreten, kann man nicht so dominant und erfolgreich Fußball spielen. Es sind wieder viele Spieler neu dazugekommen, welche schnell zueinander gefunden haben. Wir spielen gut zusammen und verstehen uns gut – sowohl auf als auch neben dem Platz, egal wer was an Geld bekommt“, untermauert Bäker, dessen fußballerisches Idol Giovane Elber ist. „Schon von klein auf an bin ich Bayern-Fan – vor allem durch meine Oma. Am Wochenende haben wir damals gemeinsam die Spiele geschaut. Seine Tore und sein Spielwitz haben mir direkt gefallen, so bin ich wahrscheinlich auch zu meiner Position gekommen“, erzählt der 23-Jährige.

„In diesem Jahr wollen wir umso mehr in die Oberliga aufsteigen.“

Und mit Elber-Fan Bäker soll es im Mai kommenden Jahres in Hamburgs höchste Spielklasse gehen. Daran hat der Offensivspieler selbst keinen Zweifel. „Neben den vielen exzellenten Einzelspielern, die wir haben, funktionieren wir auch als Team wirklich gut“, erklärt Bäker, der den ASV Hamburg als ärgsten Meisterschaftskonkurrenten sieht. „Der Klub Kosova und der SV Altengamme sind ebenfalls Mannschaften, die ich auf den ersten fünf Plätzen erwarte“, bewertet Mittelstürmer, der nebenberuflich an einer Grundschule in der Nachmittagsbetreuung tätig ist, die Konkurrenz. Trotz der genannten Teams ist sich Bäker sicher, dass es nur einen Faktor geben kann, der den VfL von seinem Weg zum angestrebten Ziel bringen kann. „Ich denke in erster Linie nur wir selbst. Wenn man sich die zweiten Halbzeiten gegen Dersimspor und Kosova anschaut, kann man damit überhaupt nicht zufrieden sein. Mit einem Mann mehr haben wir jeweils 0:1 verloren. Auch wenn es sicher scheint, dass wir gewinnen, müssen wir trotzdem gierig bleiben und weiter nach vorne spielen, ohne unsere Ordnung zu vernachlässigen“, legt der Stürmer den Finger in die Wunde. Doch abschließend formuliert Pascal Bäker eine Botschaft, die alle, die es mit dem VfL Lohbrügge halten, zufrieden stimmt: „Nach der Niederlage gegen Tornesch kann ich sagen, dass wir in diesem Jahr umso mehr in die Oberliga aufsteigen wollen.“ Ein Selbstbewusstsein, welches ein Spieler eines Teams besitzt, dass die vergangenen sechs Partien gewonnen hat und der selbst elf Tore in sieben Partien erzielt hat.