Matchwinner „Mölli“ sei Dank: TuS Dassendorf steht nach dem 1:0-Sieg gegen „Vicky“ erneut im Pokalfinale

Dassendorfs Sportlicher Leiter Jan Schönteich bejubelt nach dem Abpfiff den Einzug ins Pokalfinale. Foto: Herzog

TuS Dassendorf – SC Victoria Hamburg 1:0 (0:0)
ODDSET-Pokal, Halbfinale (Sa., 20.04.19, 13.00 Uhr)

„Der ist wie gemacht für ihn“, wusste auch Jean-Pierre Richter an der Seitenlinie. 88. Spielminute. Freistoß. Zentrale Position. 17 Meter vor dem Tor. Sven Möller legte sich den Ball in aller Ruhe hin, lief drei Schritte an und versenkte die Kugel mit all seiner Routine und Erfahrung flach im linken Torwarteck. Der Jubel bei Möllers TuS Dassendorf kannte keine Grenzen mehr. Die Vereinsverantwortlichen lagen sich vor der Auswechselbank in den Armen, die Ersatzspieler liefen quer über das Feld zu Möller und Co. Sie alle wussten in diesem Moment: Dieser späte Treffer zum 1:0 bedeutet den Sieg im Halbfinale des ODDSET-Pokals gegen den Oberliga-Konkurrenten SC Victoria Hamburg. Nach 92 Minuten stand dann auch endgültig fest: Die TuS Dassendorf komplettiert das Hamburger Pokalfinale und trifft in diesem am Samstag, den 25. Mai, im Stadion Hoheluft auf den Regionalligisten FC Eintracht Norderstedt.

Zahlreiche Torchancen, aber torlose erste Hälfte

„Vicky“-Keeper Dennis Lohmann pariert gegen Sven Möller. Foto: Herzog

Schon in der Anfangsphase deutete sich an, dass dieses Duell am Ostersamstag ein attraktives wie spannendes zugleich werden würde. Victorias Dennis Bergmann schoss zu unplatziert in die Arme von TuS-Keeper Christian Gruhne (2.), Dassendorfs Kristof Kurczynski köpfte nach einer Flanke vom starken Linksverteidiger Rinik Carolus rechts am Tor vorbei (5.). Ein guter Start in dieses Spiel, den aber bei weitem nicht alle Schaulustigen zu sehen bekamen. Erst nach rund einer Viertelstunde wurde die Schlange am Stadioneingang kürzer, letztlich fanden sich 479 zahlende Zuschauer – insgesamt dürften es an die 600 gewesen sein – am Wendelweg ein und wurden in der Folge für das Warten belohnt. Den Schuss von „Vickys“ aufgerücktem Innenverteidiger Yannick Siemsen, der für den kurz vor dem Anstoß verletzten Vincent Ermisch aufgelaufen war, konnte Gruhne parieren (15.), auf der Gegenseite verpassten Mattia Maggio (24.) und Kurczynski (33.). Die beste Gelegenheit des ersten Durchgangs hatte „Dasses“ Möller. Doch sein direkt getretener Freistoß aus halblinker Position ging nur an den linken Pfosten. „Vielleicht hätte ich den schon machen müssen“, sollte der spätere Matchwinner nach dem Schlusspfiff sagen. Doch bei diesem Versuch scheiterte „Mölli“ noch, sodass es mit einem 0:0 in die Pause ging.

Nach dieser kamen die Gastgeber mit einem Schussversuch von Pascal Nägele, der für den rot gefährdeten Kurczynski in die Partie gekommen war, gleich gut in die zweite Hälfte (47.). Den Freistoß von „Vickys“ Timo Stegmann konnte Keeper Gruhne parieren (51.), dann ging es auf der Gegenseite weiter. Erneut Möller war es auch, der nach 63 Minuten eine Flanke von rechts auf Maggio brachte, dieser aber über das Tor köpfte. In der Folge sollte Möller zudem noch zweimal vergeben (79., 84.) – bei seiner Chance sechs Minuten vor Ende lief der Spielmacher alleine auf „Vicky“-Keeper Dennis Lohmann zu, konnte den Ball aber nicht im Tor unterbringen. Noch nicht. Nach einem Foulspiel von Victorias Jan Kämpfer, der erst fünf Minuten zuvor eingewechselt worden war, an Dassendorfs Carolus hatte Möller die Chance, seine zuvor vergebenen Chancen wieder wettzumachen – und tat dies mit seinem eingangs angesprochenen Siegtreffer allemal. „Der Freistoß war so dicht dran am Tor. Da war ich mir schon ziemlich sicher. Irgendeiner muss ihn ja reinmachen“, erklärte der sichtlich erfreute wie völlig erschöpfte Möller den entscheidenden Moment, der seiner TuS den Finaleinzug bescherte. „Wir stehen zurecht im Finale!“

„Dasses“ Trainer Jean-Pierre Richter: „Ein Wahnsinns-Gefühl!“

Sven Möller (l.) dreht nach seinem Siegtreffer jubelnd ab, Pascal Nägele folgt ihm. Foto: Herzog

Auf der Dassendorfer Seite feierten sie diesen Triumph, selbstverständlich freute sich auch Trainer Jean-Pierre Richter, gegen seinen Ex-Klub „Vicky“ gewonnen zu haben. „Für uns gab es dieses eine Ziel. Ich glaube, das ist einer der schönsten Ostersamstage, die man sich so wünschen kann. Wir haben viel von dem abgerufen, was wir abrufen wollten. Die Mannschaft war sehr diszipliniert in der Ordnung, zielstrebig und mutig“, erklärte „Jonny“, der allerdings zurecht auch die Leistung des Gegners anerkannte: „Wir haben aber auch gesehen, welche Qualität auf der Gegenseite liegt. Es war wirklich ein Spiel, welches nach 90 Minuten 0:0 ausgehen kann und in der Liga dann kein Zuschauer nach Hause fahren darf und traurig darüber ist, dass keine Tore gefallen sind. Es war ein sehr hochklassiges Spiel: Taktisch und in der Umsetzung.“ Der Grund für den Halbfinal-Sieg sei vor allem die Physis seines Teams gewesen – und natürlich Sven Möller mit seinem Siegtreffer.

Der SC Victoria Hamburg verpasst durch die Niederlage das Finale im heimischen Stadion an der Hoheluft. „Wir sind natürlich riesig enttäuscht. Das Finale im eigenen Stadion zu spielen, war natürlich unser großes Ziel. Auf den Spielverlauf müssen wir gar nicht groß eingehen. So wie die Niederlage letztendlich passiert, ist sehr bitter: Lieber verliere ich 0:3 und gut ist und erkenne es an, dass ich schlechter war“, ärgerte sich Trainer Fabian Boll, der ebenso wie sein Gegenüber Richter dennoch auch den Gegner lobte und vom Spiel beider Teams sehr angetan war: „Das war das vorab erwartete Duell auf Augenhöhe – wobei Dassendorf immer gefährlich war und Situationen hatte, in denen Lohmi (SCV-Keeper Dennis Lohmann, Anm. d. Red.) uns im Spiel hält. Ein großes Kompliment an beide Mannschaften.“

Während die beiden Coaches noch ihre Statements abgaben, hatte sich Matchwinner Möller schon längst zu seinen Mannschaftskollegen verabschiedet, um den Finaleinzug zu feiern. Das Finalspiel gegen Norderstedt dürfte eines auf Augenhöhe werden. Mitentscheidend wird im Endspiel auch sein, welches Team mit der frühen Anstoßzeit (10.30 Uhr) besser klar kommen wird. Einer hat mit dieser jedenfalls schonmal kein Problem. „Ich mag das. Man wacht auf und es geht sofort los!“, betonte Möller, den es nach dem Finale zur Hochzeit eines guten Freundes verschlägt. Und wer weiß, vielleicht feiert der Dassendorfer Blondschopf auf dieser dann nicht nur seinen Kumpel, sondern auch den zweiten Einzug in den DFB-Pokal in Folge.

TuS: Gruhne; Büchler, Aust, Lenz, R. Carolus; Dettmann, Hinze; Dittrich (89. Louca), Möller, Maggio; Kurczynski (46. Nägele)
SCV: Lohmann; Borck, Petzschke, Siemsen (30. Lange), Schmid; Schuhmann, Branco; Segedi (64. Strömer), Stegmann (83. Kämpfer), Bergmann; Kohpeiß

Eine Fotogalerie von Maurice Herzog: