Mato Mitrovic: „Da wo wir aktuell stehen und wie wir uns präsentieren, ist das Ergebnis aus dieser Arbeit.“

Mato Mitrovic ist seit dieser Saison Sportlicher Leiter beim VfL Lohbrügge und plant mit dem VfL den Aufstieg in die Oberliga. Foto: Herzog

Mato Mitrovic ist im Hamburger Amateurfußball beinahe jedem ein Begriff. Der aktuelle Sportliche Leiter des VfL Lohbrügge hat schon einiges erlebt. Beim FC Bergedorf 85 war er als Trainer der Frauen-Regionalligamannschaft tätig, Vorstandsvorsitzender bei den „Elstern“ sowie langjähriger Chefcoach der ersten Herren des FCB. Im Sommer 2017 folgte dann der Wechsel von den Sander Tannen an den Binnenfeldredder ins benachbarte Lohbrügge zum VfL. In der Saison 2017/18 coachte Mitrovic den VfL Lohbrügge als Trainer, ehe er zur Spielzeit 2018/19 das Traineramt gegen den Posten als Sportlicher Leiter eintauschte. Im Schlepptau von Mitrovic ist immer die sogenannte „Kroaten-Fraktion“ um Kapitän Anto Zivkovic. Dadurch, dass es mit Mitrovic als Sportlicher Leiter, mit Zivkovic auf dem Platz sowie mit Sven Schneppel und Elvis Nikolic auf der Trainerbank so gut klappt, kann sich der 49-jährige Vereinsverantwortliche intensive Gedanken über den Aufstieg in die Oberliga Hamburg machen. Der VfL steht nach 23 Partien mit 49 Punkten auf Platz drei in der Landesliga Hansa und hat nur vier Punkte Rückstand auf den Tabellenführer Bramfelder SV. Mitrovic hat sich in der Vergangenheit mit öffentlichen Aussagen rund um seinen VfL zurückgehalten. Im Gespräch mit BOLZJUNGS nimmt der Sportliche Leiter aber kein Blatt vor den Mund und liefert deutliche Aussagen. Wir haben mit Mato Mitrovic über das große Ziel vom Aufstieg in die höchste Spielklasse im Hamburger Amateurfußball, die finanziellen Gegebenheiten, die fehlenden Zuschauer und die Stärken im Team gesprochen.

BOLZJUNGS: Hallo Mato, ihr steht aktuell auf dem dritten Tabellenplatz und befindet euch in Tuchfühlung zur Oberliga. Wie ordnest du die aktuelle Situation beim VfL Lohbrügge ein?
Mato Mitrovic: Es läuft zurzeit so gut, dass wir genau da stehen, wo wir gerne hinwollten. Wir haben vor knapp zwei Wochen deutlich mit 4:1 bei Hamm United gewonnen, wo man weiß, dass die seit mehreren Wochen ungeschlagen waren. Das motiviert uns natürlich noch mehr für die kommenden Wochen. Wir wissen, dass die aktuelle Lage sehr gut für uns ist. Wir sind als Tabellendritter der Jäger und verfolgen die oberen beiden Teams Bramfeld und Hamm United. Wenn wir die restlichen Spiele vernünftig über die Bühne bringen, bin ich mir sicher, dass wir auf einem der ersten beiden Plätzen landen werden – mit der Hoffnung, dass wir mindestens die Aufstiegsspiele bestreiten können und unser Ziel beziehungsweise unseren Wunsch, den wir hier in Lohbrügge verfolgen, endlich wieder in der höchsten Spielklasse in Hamburg zu spielen und uns dort zu präsentieren in der nächsten Saison, erreichen.
BOLZJUNGS: Also ist der Aufstieg in die Oberliga euer klares Ziel für die restliche Saison?
Mitrovic: Naja, da müssen wir nicht groß um den heißen Brei herumreden. Wir hatten dieses Ziel von Anfang an. Wir haben damit nur nicht groß rumgeprahlt. Aber unser Ziel war von Anfang an, dass wir versuchen wollen, in die Oberliga aufzusteigen. Es haben sich ja auch einige Spieler deutlich geäußert wie beispielsweise Anto Zivkovic, dass die Mannschaft gerne aufsteigen möchte. Und wir vom Verein möchten genau dasselbe. Wir werden sicherlich die Situation nutzen und wenn wir zum Ende der Saison ganz oben in der Tabelle stehen und die Chance haben aufzusteigen, dann nehmen wir das gerne mit.
BOLZJUNGS: Die Mannschaft will, die Trainer wollen und du als Sportlicher Leiter möchtest auch in die Oberliga. Wie sieht es im Verein das? Sind die finanziellen Gegebenheiten und die Rahmenbedingungen für die Oberliga vorhanden?
Mitrovic: Der Verein hat von Anfang an mit mir die Absprache getroffen und die klare Ansage gegeben, dass die Trainer und die Mannschaft sich voll und ganz auf das Sportliche konzentrieren sollen – alles andere regelt der Verein. Da sehen wir auch überhaupt keine Probleme. Egal ob aus finanziellen oder anderen Gründen. Wir haben hier in Lohbrügge eine schöne Sportanlage, man muss sicherlich noch etwas machen. Aber aus finanzieller Sicht und von den Bedingungen her können wir die Oberliga ohne Probleme antreten.
BOLZJUNGS: Also kann man sagen, dass der VfL Lohbrügge für die Oberliga gewappnet ist?
Mitrovic: Wir sind gut gerüstet und werden sicherlich noch auf dem Transfermarkt tätig werden. Da bin ich schon dabei. Zudem wollen wir die komplette Mannschaft halten. Punktuell wollen wir das Team noch mit guten und erfahrenen Spieler verstärken. Man sieht auch, dass es uns schon enorm weiter bringt, wenn wir solche Spieler wie Danijel Suntic in unseren Reihen haben. Wir wissen auch, was wir an Spielern wie Anto Zivkovic, Sandjar Ahmadi oder auch Adam Hamdan haben. Es ist unser Ziel, dass wir solche erfahrenen Fußballer nach Lohbrügge holen – davon wollen wir noch mehr. Wir wollen mit einem ruhigen Gewissen in die kommenden Jahre blicken und uns für diese gut aufstellen.
BOLZJUNGS: Dann fehlen nur noch die Zuschauer…
Mitrovic: (grinst) Leider ja. Wir hoffen genau aus diesem Grund, dass wir aufsteigen. Unser Ziel ist es, dass wir durch die Oberliga mehr Zuschauer gewinnen und nach Lohbrügge locken. Die Gegner sind dann etwas ganz anderes. Altona 93, Victoria Hamburg, Concordia, Sasel oder Teutonia. Diese Vereine bringen auch alle selbst schon zahlreiche Anhänger mit. Es ist schon etwas ganz anderes, ob man jetzt vor 60 oder 100 Zuschauern spielt und später dann vielleicht vor 300 oder 400 Leuten.

Hatte schon viele Gründe zum jubeln: Das Team des VfL Lohbrügge. Foto: Herzog

BOLZJUNGS: Was ist aus deiner Sicht das Besondere in dieser Saison beim VfL Lohbrügge?
Mitrovic: 
Wir können im Gegensatz zu den vergangenen Jahren in Ruhe arbeiten. Wenn es Probleme gibt, dann setzen wir uns zusammen und sprechen darüber. Wir haben uns sicherlich auch von guten Spielern getrennt, weil wir in Ruhe arbeiten und keine Hektik haben wollen. Die Trainer machen einen guten Job und die Mannschaft arbeitet auch sehr gut. Und da wo wir aktuell stehen und wie wir uns präsentieren, ist das Ergebnis aus dieser Arbeit.
BOLZJUNGS: Wie läuft die Abstimmung zwischen dir als Sportlicher Leiter und dem Trainerteam Sven Schneppel und Elvis Nikolic?
Mitrovic: Das klappt perfekt. Ich mische mich in das Sportliche überhaupt nicht ein. Das überlasse ich den beiden Trainern, dafür sind sie ja auch schließlich da. Ich war selbst lange Trainer und habe mir auch nie gewünscht, dass sich irgendwelche anderen Vereinsverantwortlichen in meine Arbeit einmischen. Und genauso lasse ich meine Trainer auch in Ruhe arbeiten. Und wenn irgendwer sich beschwert und es Probleme entstehen, dann setzen wir uns hin und klären das wie Männer. Wenn das nicht möglich ist, dann gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder der Spieler akzeptiert das oder der Spieler muss gehen.
BOLZJUNGS: So wie im Fall Duro Maskaljevic?
Mitrovic: Ja, das ist ein Beispiel. Wenn für Duro Maskaljevic etwas nicht gepasst hat, dann ist es klar, das man darüber sprechen muss. Aber man muss auch mal die Trainer stärken und kann nicht immer sagen, dass die Trainer Schuld sind und dass die Trainer rausgeschmissen werden, und die Spieler können alles machen, was sie wollen. Manchmal muss man dann auch den Trainern den Rücken stärken und zu den Spielern sagen, wenn es dir nicht mehr passt, dann nimm deine Papiere und suche dir einen neuen Verein. Duro ist ein starker Spieler, das sieht man auch beim SV Curslack-Neuengamme. Aber fußballerisch und menschlich sind es zwei verschiedene Paar Schuhe. Fußballerisch gesehen war es ein großer Verlust, aber wenn es zwischen den Trainern und dem Spieler nicht mehr funktioniert, dann muss man auch mal die Reißleine ziehen.
BOLZJUNGS: Ist es auch eine besondere Stärke des Teams, solche Abgänge zu kompensieren? Zumal ihr vor der Saison auch einen Antonio Kobas verloren habt, der in der vergangenen Spielzeit noch 30 Treffer in 28 Pflichtspielen erzielte.
Mitrovic: Das ist genau die Stärke unserer Mannschaft. Jeder ist ersetzbar. Genau das stärkt auch die Jungs, die hier sind und mit uns unsere Ziele erreichen wollen. Manchmal ist es auch besser, wenn man mit 20 Spielern eine Saison spielt und diese 20 alles geben und dasselbe Ziel haben, anstatt unter 23 Spielern im Kader drei dabei hat, die stören und sich lustlos präsentieren. Und zu Antonio Kobas: Das Toreschießen ist bei uns nun auf mehreren Schultern verteilt. Früher sind wir von Antonio Kobas abhängig gewesen und alles ist über ihn gelaufen. Und heute wissen wir, dass wir keinen Antonio mehr haben. Aber dafür haben wir einen Pascal Bäker, einen Anto Zivkovic und auch einen Duro Arlovic. Die Mannschaft weiß, dass wir das nun auf mehrere Spieler verteilen – und das funktioniert zurzeit.
BOLZJUNGS: Nun haben wir bislang ausschließlich von der Oberliga gesprochen. Was passiert aber beim VfL Lohbrügge im Sommer, wenn der Aufstieg in die Oberliga aber nicht erreicht wird?
Mitrovic: Mit dieser Frage haben wir uns noch nicht beschäftigt. Damit beschäftigen wir uns in den kommenden Tagen. Dann führe ich die Gespräche mit der Mannschaft und dann werden wir sehen, wie sich die Spieler dazu äußern und ob sie auch noch eine Saison bereit sind, mit dem VfL in der Landesliga zu spielen und nochmal einen neuen Anlauf wagen, den Aufstieg zu versuchen.
BOLZJUNGS: Vielen Dank für das Gespräch, Mato! Wir wünschen dir und dem VfL Lohbrügge viel Erfolg und alles Gute für die restliche Saison.