Mit grünem Trauerflor: ‚Elstern‘ besiegen SCVM und die „typische ASV-Krankheit“ an den Sander Tannen

Die Spieler des ASV Bergedorf 85 bejubeln den Treffer ihres Schützen Benjamin Vermehren (Nr. 10) an den Sander Tannen. Foto: BOLZJUNGS

ASV Bergedorf 85 – SC Vier- und Marschlande 2:0 (0:0)
Bezirksliga Ost, 7. Spieltag (Sa., 08.09.19, 14.00 Uhr)

Diese Thematik fand sogar den Weg bis zum allmächtigen Boss des FC Bayern München, Uli Hoeneß, der 1982 mit dem deutschen Rekordmeister im DFB-Pokal (5:1 n.V.) zu Gast in Bergedorf war und den der ASV Bergedorf 85 nun in Form eines Hilferufes kontaktiert hatte: Das Bezirksamt will die Sportanlage an den Sander Tannen schrumpfen (wir berichteten), der dort beheimatete Ost-Bezirksligist ASV sollte unter anderem die Flutlichtmasten in Eigenregie abbauen, die Zuschauer-Kapazität auf 200 reduziert werden. Doch nun ruderte das Amt nach Beschwerden und Solidaritätskundgebungen – vorerst – zurück, wie uns ASV-Trainer Patrick Paap noch einmal erklärte: „Es ist ein Baustopp verhängt worden, auch wegen des unvorhersehbaren Wetters. Fakt ist aber: Es geht in die richtige Richtung!“ Daher ließ der Coach seine ‚Elstern‘ im Punktspiel gegen den SC Vier- und Marschlande statt mit schwarzem mit einem grünen Trauerflor auflaufen. Paaps Erklärung: „Wir wollen nicht gegen das Amt oder irgendjemanden stänkern, sondern unsere Kooperationsbereitschaft zeigen.“

Doppelpacker Vermehren entscheidet Duell mit dem SCVM im Alleingang

Aufgrund dieser Entwicklungen konnten sich die Bergedorfer also für die 90 Minuten gegen den SCVM auf Fußball konzentrieren. Doch in Abschnitt eins auf dem hohen Rasen an den Sander Tannen entwickelte sich kein schönes Spiel. „Der Ball flog hoch und weit, hin und her“, so Paap. „Das haben wir dann in der Halbzeit angesprochen und anschließend auch besser gestaltet.“ So viel besser, dass es Mittelstürmer Benjamin Vermehren gelang, die 1:0-Führung herbeizuführen (55.). Selbiger war es auch, der unter anderem nach 70 Minuten die Chance zur Vorentscheidung vergeben und nach Ablauf der regulären Spielzeit einen Kopfball an die Latte gesetzt hatte (90.). Doch der Stürmer belohnte sich noch einmal in der dritten Minute der Nachspielzeit, als er aus rund 30 Metern einen Freistoß direkt in den langen Winkel zum 2:0-Endstand hämmerte. „Wir sind froh, dass er die Dinger im Moment macht. Neben Dauerläufer Ugur Karakas war er daher natürlich heute der Mann des Spiels“, erklärte Paap im Anschluss freudestrahlend. Der ASV ist nun ärgster Verfolger des großen Titelfavoriten Ahrensburg und baute den Vorsprung auf Rang drei weiter aus. Sein Gegenüber Thorsten Beyer sprach von einem „verdienten Ergebnis, der ASV ist in den Punkten Zweikampf und Taktik ein Stück weiter als wir, zudem war der große Platz und hohe Rasen für uns ungewohnt“.

Dass am Ende der ASV statt der SCVM jubeln durfte, damit hatte ASV-Coach Paap nicht unbedingt fest gerechnet – was nicht an der Qualität seines eigenen Teams, sondern vielmehr an dem von ihm als „typische ASV-Krankheit“ bezeichneten Problem liegt. „Immer wenn die Starken schwächeln, haben wir auch verloren“, so die Erklärung Paaps. Denn die ‚Elstern‘ hielten durch ihren Dreier neben dem SCVM auch den MSV Hamburg (1:2 bei Farmsen) auf Distanz bzw. vergrößerten den Abstand sogar. Paap weiter: „Das ist eine schöne Momentaufnahme.“ Thema Momentaufnahme: Von diesen gab es an der kultigen Sportanlage Sander Tannen an diesem Tage zu Genüge. Die Zuschaueranzahl war höher als im Vergleich zu anderen Bezirksliga-Heimspielen des ASV, zudem machten viele anwesende Zuschauer Fotoaufnahmen der in die Jahre gekommenen Zuschauertribünen. So hielten sie die Erinnerungen an alte Zeiten, an großartige Fußballmomente fest. „Ich habe hier in meinen jungen Jahren als Schiedsrichter Oberliga-Partien vor 600 Zuschauern gepfiffen“, erinnerte sich auch Beyer, der betonte: „Es wäre wirklich schade, wenn dieses Stadion in diesem alten Stil nicht erhalten bleiben würde!“ Wie es weitergeht mit der Sportanlage an den Sander Tannen, ist zwar noch offen. Das letzte Heimspiel des ASV in dieser Verfassung des Stadions wird das Duell mit dem SCVM allerdings keinesfalls gewesen sein.

ASV: Stradins; Felker, Adden, Asante-Sefa, Wagner; Bannasch; Holthöfer (87. Knop), Karakas; Gauger (60. Dell), Vermehren, Karsten (74. Heinze)
SCVM: Eilk; Pawlak, Cengiz, Harrsen, Wagner; E. Wegner, Cicek (75. Demir), Busch, P. Wegner; Bethcke (46. Cahnbley), Kehr (60. J. Pax)