Nach drei Jahren beim SCVM: ‚Poschi‘ sagt Tschüss – „Ich freue mich tatsächlich auf die Zeit ohne Fußball.“

Olaf Poschmann (re.) wurde nach dem Spiel gegen den ASV Hamburg von Fußball-Abteilungsleiter Siegfried Niemand verabschiedet. Foto: Herzog

Die Feierlichkeiten des ASV Hamburg und die Abschieds-Zeremonien beim SC Vier- und Marschlande auf dem Rasenplatz in Fünfhausen waren soeben beendet, da machten sich Fans und Spieler auf den Weg in Richtung der nur einige Meter entfernte Holzhütte um bei Freibier den weiteren Abend zu genießen. Auch Olaf Poschmann – mit einer Kiste Bier in der rechten Hand – schritt in Richtung Freibier. Doch der scheidende Coach stoppte seinen Weg nach rund zehn Metern, setzte sich auf die Gäste-Trainerbank, atmete tief durch und schaute über das verwaiste Grün. Ein letztes Mal coachte ‚Poschi‘ in den vorangegangenen 90 Minuten gegen den Bezirksliga-Meister ASV Hamburg (1:1) – dann war die dreijährige Amtszeit mit dem letzten Pflichtspiel für Olaf Poschmann beim SC Vier- und Marschlande beendet. „Fußball ist Fußball, aber in den drei Jahren sind natürlich auch Freundschaften entstanden. So ist es schon emotional, wenn man den Verein nach drei Jahren verlässt“, sagte der 51-Jährige sichtlich angefasst.

Am 01. Juli 2016 übernahm der Übungsleiter das gerade aus der Landesliga abgestiegene Team und hatte einen Masterplan in der Tasche: In drei Jahren möchte der Verein wieder in der Landesliga spielen. Und nach diesen drei Spielzeiten lässt sich sagen: Das Ziel wurde nicht erreicht. Nach Platz zwei in Poschmanns erster Saison folgte zwei Mal der sechste Platz. So verlässt der Coach den Verein als Bezirksligist und übergibt an Thorsten Beyer, der in den vergangenen Wochen eifrig am Kader und einem neuen Funktionsteam (wir berichteten) gebastelt hat. Vor allem hinter diesem Hintergrund ist es beachtlich, dass die Poschmann-Equipe in der Rückserie nur zwei Spiele verlor. „Obwohl wir von den Gegebenheiten her eine schwierige Rückrunde hatten, haben die Jungs nie den Fuß vom Gaspedal genommen und alles rausgehauen. Obwohl das Trainerteam und viele Spieler den Verein verlassen, hat die Mannschaft in der Rückrunde an einem Strang gezogen. Wenn das schon am Anfang der Saison so gelaufen wäre, hätten wir hier nicht um den sechsten Platz, sondern um die Meisterschaft gespielt“, erklärte „Poschi“.

„So ein Projekt wie hier beim SC Vier- und Marschlande werde ich auch nicht nochmal machen.“

So sorgte vor allem das erste Treffen des neuen Teams unmittelbar nach der Partie gegen den SV Börnsen (2:2) für Stirnrunzeln bei neutralen Beobachtern aber auch Poschmann selbst – der sich dazu nach dem Spiel gegen den SVB aber nicht äußern wollte. Doch obwohl die Planungen für die kommende Spielrunde derart präsent waren und man auch meinen könnte, dass diese den aktuellen Spielbetrieb gestört hätten, gehen sie beim SCVM im Guten auseinander. „Wir gehen absolut im Guten auseinander und es gibt keinen Grund irgendeinen Groll zu haben. Ich finde im Fußball gehören unterschiedliche Meinungen und kontroverse Diskussionen dazu. Das hat ja nichts mit jemanden persönlich zu tun. Ich mag es Dinge klar anzusprechen, was gut ist und was nicht gut ist. Aber wie gesagt, es gibt keinen Groll gegen niemanden“, unterstrich Poschmann, der seinen Verein so ein bisschen vor einer ungewissen sportlichen Zukunft sieht. „Ich denke schon, dass ich in den drei Jahren hier eine ganze Menge entwickelt habe. Ich weiß nicht, wie es weiter geht. Die Mannschaft wird ein neues Gesicht bekommen, das Umfeld wird sich komplett neu aufstellen. Ich denke der Weg, den wir bisher gegangen sind, bekommt durch diesen großen Umbruch einen kleinen Knack“, schildert der ehemalige Co-Trainer des SV Eichede seine Erwartungen, um anzufügen: „Personell ist die neue Mannschaft ganz gut aufgestellt, aber rein sportlich fangen sie natürlich wieder etwas weiter hinten an, als wo wir jetzt stehen. Man darf gespannt sein, was sie daraus machen.“

Gespannt waren in den Vergangenheit seit dem bekannten Ende beim SCVM auch viele aus dem Hamburger Amateurfußball wie es für Poschmann selbst weitergeht. Zwischenzeitlich machten Gerüchte über ein Engagement beim SV Altengamme die Runde – diese waren nach der Beförderung von Jan Krey zum Chefcoach aber schnell vom Tisch. Also, Herr Poschmann, wie geht es weiter? „Die Frage wird häufig gestellt. Ich freue mich tatsächlich auf die Zeit ohne Fußball. Die vergangenen drei Jahren habe mir viel Spaß gebracht aber waren auch super intensiv – in allen Bereichen: Vorbereitung, Nachbereitung, Gespräche“, skizziert der Trainer, ehe er anschließend ausführt: „Ich freue mich jetzt erstmal auf die Zeit. Ich kann aber ehrlicherweise nicht sagen, ob mich es dann wieder juckt, etwas Neues zu machen, wenn die Saison anfängt. Aktuell steht kein neues Projekt an – und so ein Projekt wie hier beim SC Vier- und Marschlande werde ich auch nicht nochmal machen. Das war ein Projekt, in dem wir etwas Neues aus der Erde gestampft haben. Sollte ich irgendwann wieder etwas machen, dann mit Sicherheit nicht wieder bei Null anfangen sondern bei einem Verein, bei dem bereits Strukturen und Strategie vorhanden sind. Aber nochmal so intensive drei Jahre wie hier, das mache ich nicht mehr.“ Danach war Schluss. Ein letztes Mal erhob sich Olaf Poschmann von der Trainerbank und ging die letzten Meter zur Holzhütte, um dort mit seinen Spielern und einigen Fans anzustoßen – mit dem wohlverdienten Freibier.