Nach Gegentreffer in der Schlussminute: SVA spielt nur 1:1 gegen Bergstedt – „Zwei Punkte verschenkt.“

Altengammes Offensivspieler Philip Alpen (li.) musste den späten Ausgleichstreffer erstmal verdauen. Marcel Mohr tröstet ihn. Foto: Maibach

SV Altengamme – SV Bergstedt 1:1 (0:0)
Landesliga Hansa, 7. Spieltag (Sa., 07.09.19, 15.00 Uhr)

Als Schiedsrichter Rasmus Julius Leander Renner (FC Teutonia 05) am Samstagnachmittag (07.09.19) um 16.48 Uhr die Landesliga-Partie zwischen dem SV Altengamme und dem SV Bergstedt beendete, sanken die ganz in weiß gekleideten SVA-Schützlinge am heimischen Gammer Weg reihenweise zu Boden und hielten sich die Hände vor ihre Gesichter. Noch einige Minuten nach dem Abpfiff verbrachten die Akteure – jeder für sich – Zeit auf dem Platz. Torwart Alexander Golinske saß angelehnt am Ballfangzaun und schaute leer über den Platz. Jonas Buck ging langsamen Schrittes über das Geläuf und besserte halbherzig die Löcher aus. Und auch Trainer Jan Krey war die Begeisterung nicht gerade ins Gesicht geschrieben, als er ein paar Anhängern die Hand schüttelte. Gegen den Tabellenelften kam der seit nun fünf Spielen ungeschlagene SVA trotz einer 1:0-Führung nicht über ein 1:1 hinaus. Das drückte allen Altengammern sichtlich aufs Gemüt. „Wir wollten oben dran bleiben. Die Möglichkeit hat man gehabt – dieses haben wir unnötig in die Tonne geworfen und verschenkt“, haderte Krey.

Dass die Stimmung nach dem Abpfiff so negativ war, danach sah es in der Anfangsphase überhaupt nicht aus. Die Hausherren übernahmen von Beginn an die Spielkontrolle, spielten ansehnlichen Fußball und drückten vor allem durch das auffällige Offensivtrio Jonas Buck, Philip Alpen und Sandro Schraub auf eine frühe Führung. Doch weder Buck (1., 8., 16.) noch René Johannsen (7.) gelang dieses Kunststück. Von den Gästen, die auf ihren abwesenden Cheftrainer Christian Dittmar verzichten mussten und von dessen ‚Co‘ Helge Prager betreut wurden, war in den ersten 20 Minuten überhaupt nichts zu sehen. So dauerte es bis zur 26. Minute ehe der SVB durch Sven Oldendorf zum ersten Abschluss kam. Diese Aktion schien die Bergstedter, die in der Vorwoche den FC Voran Ohe mit 2:1 besiegten, aufzuwecken. Denn ab sofort war von der anfänglichen Spielfreude der Gastgeber nicht mehr viel zu sehen. Bergstedt kam über Biss und Kampf in die Partie. „Wir sind jetzt drin“, honorierte auch Co-Trainer Prager. Auf der Gegenseite hörte sich das anders an. „Wir müssen wieder mehr machen, Männer“, forderte Coach Krey. Doch außer einer guten Chance durch Niko Reimers, der nach einer Buck-Ecke am zweiten Pfosten frei zum Abschluss kam, passierte nichts mehr (40.).

Jan Krey: „Aber das ist zu wenig. Da bin ich überhaupt nicht mit zufrieden.“

Der zweite Abschnitt, den beiden Teams personell unverändert begannen, startete mit jeweils einer Möglichkeit auf beiden Seiten. Doch weder ein Kopfball von Alpen noch ein Schuss von Oldendorf waren gefährlich genug (47., 48.). In Folge flachte das Spielgeschehen immer mehr ab. Der ersatzgeschwächt angereiste SVB konzentrierte sich auf die Defensive und wartete auf Konterangriffe, der SVA hatte Probleme seine hochveranlagte Offensive auf den Platz zu kriegen. So war ein Kopfball von Schraub nach einem Freistoß von Kevin Herzberg die zwingendste Aktion (64.). Doch als die Altengammer auf eine Dreierkette umstellten und Philipp Zeyns einwechselten, durften die Hausherren jubeln. Schraub steckte auf den gestarteten Zeyns durch, der aus halbrechter Position ins lange Eck vollendete (73.). Fünf Zeigerumdrehungen vor dem Abpfiff verpasste Buck die Entscheidung (85.). So kam es, wie es kommen musste und der SV Bergstedt kam zum Last-Minute-Ausgleich. René Johannsen brachte SVB-Kapitän Jonathan Limberg zu Fall, Referee Renner zeigte auf den Punkt (89.). Nach kurzen Protesten der Hausherren nahm sich Oldendorf der Sache an und verwandelte rechts unten zum 1:1-Endstand, SVA-Keeper Golinske war in die andere Richtung unterwegs (90.). „Ich habe den Jungs vor dem Spiel gesagt, dass ich eine Leistung von 100 Prozent verlange und nicht von 80 oder 90 – weil das reicht für Bergstedt nicht in der Landesliga. Und das haben die Jungs abgerufen. Ich bin sehr stolz und total zufrieden“, bilanzierte Prager freudestrahlend, der einen „absolut verdienten Punkt“ zurück mit nach Bergstedt nahm.

Die Stimmungslage auf der anderen Seite war – wie eingangs beschrieben – eine ganz andere. „Wir haben zwei Punkte verschenkt und hätten das Spiel gewinnen müssen, auch wenn wir nicht gut gespielt haben. Wir haben einige klare Chancen liegen gelassen“, ärgerte sich Krey, der anschließend deutliche Worte fand. „Ob das ein Elfmeter war oder nicht – das interessiert mich gar nicht. Wir müssen vorher das 2:0 erzielen oder den Ball schon vor der Elfmeter-Situation klären, dann ist hier gar nichts los“, betonte der Übungsleiter. Eine Erklärung ob des krassen Leistungsabfalls nach 20 Minuten hatte der Cheftrainer nicht parat. „Das ist genau das, was ich seit Wochen predige: Wir passen uns dem Gegner immer an und haben über 90 Minuten keine Konstanz in unserem Spiel. Das sieht dann so aus, dass die Jungs denken, dass das so reicht und irgendeiner den Ball schon über die Linie drückt. Aber das ist zu wenig. Da bin ich überhaupt nicht mit zufrieden“, erklärte Krey, der diese Beobachtungen als ein „altes Problem in Altengamme“ bezeichnete.

SVA: Golinske; Behr, K. Herzberg (70. Zeyns), Scheu, Seidel; Johannsen, Reimers (59. Stegmann); Peters (59. Heitmann), Buck, Alpen; Schraub
SVB: Eisenhardt; Hübner, Beyrau, Limberg, Schmiel; Ludewig (75. Oehlert), Westphal, Jacke, Oldendorf; Iljjazi (84. Homfeldt), Ramöller (87. Kastner)

Eine Bildergalerie von Sabina Maibach: