5:0-Sieg vom OSV tritt in den Hintergrund: Großes Polizeiaufgebot beim Bezirksliga-Spiel in Oststeinbek

Ungewohntes Bild: Ein erhöhtes Polizeiaufgebot sicherte das Spiel zwischen dem Oststeinbeker SV und dem ASV Bergedorf 85 ab. Foto: Herzog

Oststeinbeker SV – ASV Bergedorf 85 5:0 (3:0)
Bezirksliga Ost, 26. Spieltag (Fr., 26.04.19, 19.30 Uhr)

Verkehrte Welt in Oststeinbek! „Fast ein ganzer Zug und um die 40 Polizisten sind hier heute im Einsatz bei diesem Amateurfußballspiel. Zum Glück ist das nicht die Regel, dann hätten wir nämlich Probleme“, sagte Polizei-Einsatzleiter Wagner vor der Bezirksliga-Partie zwischen dem Oststeinbeker SV und dem ASV Bergedorf 85. Doch warum war dieses Aufgebot eigentlich da? „Bunter Laternenumzug mit großem Abschlussfeuerwerk!“ So wollte der „Anhänger Club ASV Bergedorf 85“, der offizielle Fanclub des ASV, möglichst viele Zuschauer über einen Flyer begeistern, um ihren Verein beim Auswärtsspiel gegen den Oststeinbeker SV zu unterstützen. Dass mit „Abschlussfeuerwerk“ das Abrennen von Pyrotechnik gemeint war, war auch den Vereinsoffiziellen klar. Auch, weil bei der vergangenen Begegnung beider Teams im November 2017 in der Kreisliga viel Pyrotechnik gezündet wurde und eine Spielunterbrechung die Folge war. Die Reinbeker Polizei wurde schließlich von beiden Vereinen informiert, Ordner wurden verstärkt eingesetzt und auch der Hamburger Fußball-Verband hatte Kenntnis von diesem „kleinen Risikospiel“. „Wir haben alles für uns Mögliche getan, um eine erneute Eskalation zu verhindern. Letztlich wurde die Bereitschaftspolizei vorbei geschickt“, so OSV-Ligaobmann Michael Baaß. Dass dies letztlich „notwendig“ war, bestätigte auch Jörg Franke, Bergedorfs Sportlicher Leiter, vor dem Anpfiff.

Zwei Elfmeter für den OSV, Herrmann fliegt

Doch kommen wir zunächst zur sportlichen Brisanz: Das Hinspiel hatte der ASV knapp mit 2:1 gewonnen. Tabellarisch spielen die Hausherren um den Aufstieg und strebten nach der Niederlage gegen den ASV Hamburg und dem Remis gegen Ahrensburg nach Wiedergutmachung. Die „Elstern“ hingegen wollten den Aufwärtstrend (2019 ungeschlagen in der Liga) fortsetzen. Den besseren Start vor insgesamt 230 Zuschauern erwischten dabei die Gastgeber. Youness Sbou zog ab, der Ball wurde von Pascal Asante-Sefa abgefälscht und landete unhaltbar im Netz (14.). Das 2:0 folgte nur fünf Minuten später: Maximilian Grünberg wurde im Strafraum gelegt, Miguel Gimeno Hinrichs verwandelte eiskalt (19.). Einen weiteren Strafstoß verwandelte Samet Yazici (43.) und schraubte so auf 3:0. Und der ASV? Der konnte spielerisch kaum mithalten, war zu ungestüm in den Zweikämpfen und nur noch zu zehnt, weil Thomas Herrmann in der 30. Minute die Ampelkarte sah. Einen nennenswerten Torschuss gaben die Gäste ab –bei dem es einen Eckball hätte geben müssen. Der ansonsten sehr gute Schiedsrichter Gerhard Alexander Ludolph (18 Jahre, Hoisbütteler SV) übersah dies jedoch, was für kurze Missstimmung auf der ASV-Bank sorgte. Insgesamt also keine guten Aussichten für den zweiten Durchgang.

ASV-Coach Paap: „Insgesamt war es einfach beschissen!“ – Gottschling als Spieler auf der Bank

Direkt nach Wiederanpfiff zeichnete sich Björn Garvs aus (47.). Der Torhüter und mit Abstand beste „Elstern“-Akteur bewahrte seine Mannschaft vor einem noch größeren Debakel mit seinen Paraden (51., 62., 67.,70.). Erst in der 72. Minute musste er wieder hinter sich greifen, als Yazici seinen Doppelpack perfekt machte. Den sportlichen Schlusspunkt setzte Nicklas Frers per Abstauber (79.). Zuvor scheiterte Hinrichs per Elfmeter an Garvs. Vorangegangen war ein Frustfoul von Adden an Yazici, welches ebenfalls mit einer Gelb-Roten Karte geahndet wurde. „Für uns ist es beschissen gelaufen. Eigentor, dann das 2:0, Platzverweis. Dann mussten wir früh verletzungsbedingt wechseln und umstellen. Insgesamt war es einfach beschissen!“, ärgerte sich ASV- Trainer Patrick Paap. Eine andere Gefühlswelt war es bei Simon Gottschling, der aufgrund von Personalmangel als Spieler auf dem Spielbericht aufgeführt war. „Wir sind wieder in der Spur. Ich war schon den ganzen Tag heiß und habe gemerkt, dass schon noch ein Fußballer in mir steckt. Gerade in den letzten Minuten habe ich Bock gehabt, weil wir es ausgespielt haben wie Elefanten. Wenn wir es clever ausspielen, gewinnen wir 10:0 oder 11:0. Aber auch aus Respekt vor dem Gegner habe ich dann nicht gespielt.“

Verschiedene Meinungen: „Überzogen“ oder „absolut richtig“?

Das Sportliche rückte jedoch nach Abpfiff wieder in den Hintergrund. Thema war das Polizeiaufgebot am Rande des Bezirksliga-Spiels. „Ich fand es völlig überzogen. Hier stehen sechs, sieben Einsatzfahrzeuge. Am Eingang stehen die Polizisten gepanzert. Man hatte das Gefühl, hier bricht gleich ein Krieg aus, dabei war hier heute nicht ein Bengalo oder eine Wunderkerze an – also total übertrieben“, befand ASV Übungsleiter Patrick Paap nach dem Abpfiff. Ganz anderer Meinung war sein Gegenüber Gottschling. „Ich sehe das genau gegenteilig. Auf Facebook wurde sich angekündigt mit „Halli-Galli“ und Hooligans hier und Hooligans da. Dementsprechend müssen wir doch gewappnet sein. Zumal es letztes Mal hier auch Highlife war. Also müssen wir dafür sorgen, dass unsere Aufgabe hier gemacht wird, damit es nicht wieder heißt „Ostbek, wieder Ostbek“, rechtfertigte Gottschling, ehe er zu seiner Mannschaft lief und den zehnten Heimsieg feierte. Letztlich blieb aber festzuhalten, dass es keinen einzigen Pyro-Einsatz gab und beide Vereine gemeinsam diesen Schritt gegangen sind.

OSV: Joost; Marg, Köksal, Fehlandt, Hinrichs; Sejdi (23. Akdemirci), Sbou, Fischer, Grünberg; Yazici, Frers
ASV: Garvs; Herrmann, Bannasch (12. Föhres), Ehmke (36. Bugla), Adden; Schwenke, Kretschel, Asante-Sefa (65. Rüdian); Dell, Vermehren, Leßmann

Eine Bildergalerie von Maurice Herzog: