Phillip Lang schießt Ohe zum Last-Minute-Sieg im Spitzenspiel – „Nichtabstiegsfeier“ bis tief in die Nacht

Nach dem Treffer in letzter Sekunde bilden die Oher eine große Jubeltraube. Foto: Zerbian

FC Voran Ohe – Hamm United FC 2:1 (0:1)
Landesliga Hansa, 13. Spieltag (Fr., 19.10.18, 19.30 Uhr)

Als Jassi Huremovic und Jörn Heinemann den Kabinentrakt am Amselstieg knapp zwei Stunden nach dem Abpfiff der Landesliga-Partie zwischen dem FC Voran Ohe und dem Hamm United FC verlassen wollten und an der Kabine des FCVO vorbeikamen, mussten sie sich von den feierwütigen Oher Spielern lautstarke Schmähgesänge gefallen lassen. „Ihr seid nur ein Punktelieferant“, schallte es aus dem Umkleideraum. Doch Ligamanager Huremovic und Präsident Heinemann wussten diese „Provokation“ richtig einzuordnen und mussten ein kleines bisschen grinsen. Die beiden HUFC-Verantwortlichen ließen sich sogar auf einen kleinen Schnack mit den Spielern ein – mitten in der Mannschaftskabine des FCVO, in der nach dem 2:1-Sieg noch bis spät in die Nacht gefeiert wurde.

Dass die Oher Spieler momentan jeden Grund zum Feiern haben, bestätigte auch der Erfolg im Spitzenspiel gegen den Tabellenzweiten. Mit dem neunten (!) Sieg in Serie überholte das Team von Trainer Rainer Seibert den zweitplatzierten HUFC in der Tabelle. So hat die Seibert-Equipe nach 13 Spielen schon 32 Punkte auf dem Konto und konnte die 30-Punkte-Marke knacken. So stand der auserkorenen „Nichtabstiegsfeier“ nichts mehr im Weg. Und wie ordnet der Coach, der nach dem Sieg im Spitzenspiel gewohnt zurückhaltend wirkte, diese Siegesserie ein? „Wir werden weiterhin versuchen, mit aller Macht oben zu bleiben. Und wir wollen mal schauen, was nächste Woche gegen Vorwärts-Wacker passiert. Allerdings haben wir, seitdem ich hier in Ohe bin, noch nie gegen Wacker gepunktet“, betonte Seibert. „Wir haben alle Erwartungen in dieser Saison schon erfüllt. Und nun wollen wir noch mehr erreichen“, wählte der Übungsleiter für seine Verhältnisse forsche Töne, um anschließend zu erklären, was das „noch mehr“ bedeutet: „Dass wir lange, lange Zeit unter den ersten Drei bleiben wollen.“

Hamm United geht in Führung – doch die Gastgeber drehen das Spiel

Wenn der FCVO weiterhin so spielt, wie im Topspiel gegen Hamm United, werden Seiberts Schützlinge wohl noch eine ganze Weile unter den ersten Drei verbringen. Nach den ersten zwei guten Chancen durch Sebastian Kaufmann und Fabian Stritzke (3., 15.) mussten die Hausherren zwar einen Gegentreffer durch Daniel Weber (26.) hinnehmen und einem Rückstand hinterherlaufen, doch davon ließen sie sich nicht aus der Ruhe bringen. Zwar kam Hamm nach der Führung besser ins Spiel, doch die Gastgeber versuchten, noch vor der Pause auszugleichen. Das gelang ihnen aber nicht mehr. Martin Schröder und der auffällige Marco Brassen vergaben die besten Chancen (38., 45.). So ging es erst einmal mit einem Rückstand in die Kabine.

Jubel nach dem 2:1: Torschütze Phillip Lang läuft jubelnd über den Platz. Marco Braesen folgt ihm. Foto: Zerbian

Doch dieser wurde drei Minuten nach Wiederanpfiff durch Robin Woost egalisiert. Mit diesem 1:1 im Rücken spielten die Hausherren vor 320 Zuschauern am Amselstieg, darunter auch die ehemaligen Spieler Johann von Knebel (Eintracht Norderstedt) und Max Johnsen (TSV Trittau), weiter nach vorne. So hatte Sebastian Kaufmann die Führung auf dem Fuß, sein Schuss ging aber knapp über das Tor (50.). 19 Minuten vor dem Ende war es erneut Braesen, der eine gute Chance liegen ließ. Nach einer Balleroberung von Daniel Gläser spielte er den Ball in den Lauf von Braesen. Doch der gut aufgelegte HUFC-Keeper Samuel Graudenz konnte parieren (71.). Nachdem der ehemalige Curslacker Jan Landau über die rechte Seite zwei Vorstöße wagte, die aber von der Oher Hintermannschaft geklärt worden konnten, erzielten die Hausherren in der ersten Minute der Nachspielzeit den umjubelten Siegtreffer zum 2:1-Endstand.

 

Seiberts glückliches Händchen – Marschall kritisiert die fehlende Cleverness

Dabei Bewies Coach Seibert ein glückliches Händchen. Sowohl Vorlagengeber Marco Pflug als auch Torschütze Phillip Lang wurden einige Minuten zuvor eingewechselt. „Alles Bauchlage“, kommentierte Seibert grinsend. Ein Eckball von Pflug landete am zweiten Pfosten bei Lang, der das Spielgerät in die Maschen beförderte (90.+1). Ein ausgiebiger Jubel mit einer großen Jubeltraube war die Folge. „Mir wurde die halbe Luft abgeschnürt. Da liegt man halt ganz unten und 20 Leute auf dir drauf“, sagte der Torschütze zum späten Siegtreffer, Phillip Lang. Danach war Schluss und der neunte Sieg in Serie war eingetütet. „Wir haben gezeigt, dass wir in dieser Staffel oben mitspielen können. Das Potenzial ist da“, betonte Seibert, um dann aber zu unterstreichen: „Wir bleiben bodenständig und gucken von Spiel zu Spiel. Unterschätzen wird uns keiner mehr – der Bonus ist weg. Aber damit können wir gut leben.“

Ohes Tarec Blohm (l.) versucht in die Mitte zu ziehen. Doch gleich zwei HUFC-Akteure stehen ihm im Weg. Foto: Zerbian

Während sich Seibert über den Dreier im Spitzenspiel freuen konnte, musste sein Gegenüber mit einer Niederlage im Gepäck die Rückreise antreten. „Ich habe der Mannschaft gesagt, dass wir nicht clever genug waren. In der Pause haben wir noch darauf hingewiesen, dass wir zwar 1:0 führen, ein Spiel aber 90 Minuten dauert. Das mussten wir cleverer zu Ende spielen und Ball und Gegner laufen lassen. Kurz vor dem 1:2 haben wir eine Ecke und bringen den Ball nicht in den Strafraum. Dann hat Ohe die Ecke und macht daraus das Tor. Diese fehlende Cleverness kenne ich von meiner Mannschaft nicht. Eigentlich sind wir erfahren genug, um das über die Bühne zu bringen“, haderte HUFC-Coach Sidnei Marschall, der neben der fehlenden Cleverness auch die hohe Anzahl an Fehlpässen ansprach. „In der Pause habe ich den Jungs nochmal gesagt, dass wir grüne Trikots anhaben und dass der Ball dann zu den Grünen muss und nicht zum Gegner“, sagte Marschall abschließend.

„Unser Trainer hat keine Ahnung von Fußball“ – Schmitt vergisst die Pizza

Und die Oher Feierbiester? Die schmetterten einen Gesang nach dem anderen in der Kabine hin. Dabei bekam jeder Mal sein Fett weg – auch Coach Seibert. „Unser Trainer hat keine Ahnung von Fußball“, zelebrierten die Akteure. Ihr Trainer reagierte mit großem Gelächter und zückte sein Handy um das zu filmen. Bevor es mit Taxen ins Nachtleben auf der Hamburger Reeperbahn ging, sollte – wie nach jedem Heimspiel – eigentlich die traditionelle Pizza gegessen werden. Doch Teammanager Daniel Schmitt vergaß, die Pizza zu bestellen. „Der war nervös“, kommentierte Kapitän Daniel Walek mit einem Augenzwinkern. Anstatt Pizza gab es 80 Burger, die kurzerhand vom gesperrten Munib Saqib und Cenkay Ünal geholt wurden. „Und nun machen wir die zehn voll“, sagte Innenverteidiger Oskar Sulinski abschließend mit Blick auf das kommende Spiel, um bei einem möglichen Dreier den zehnten Sieg in Serie einzufahren.

FCVO: Thomä; Schenkenberg, Walek, Stritzke, Gläser; Schröder, Kaufmann; Blohm (79. Lang), Woost (74. Pflug), Gordon (64. M. Gassmann); Braesen
HUFC: Graudenz; Kauth, Hartung, Schlichting, Weber; Rahn, Kamalow (87. Märtens) ; Landau, Schirosi, Patrin (75. Asante); Ayim (67. Schwarck)

Eine Bildergalerie von Wilfried Zerbian: