Pokal-Sensation bleibt aus! Starke TuS Dassendorf unterliegt Zweitligist SG Dynamo Dresden mit 0:3

Maximilian Dittrich (mi.) versucht Dresdens Torschütze Chris Löwe den Ball abzunehmen. Henrik Dettmann (re.) sieht zu. Foto: Vahlendieck

TuS Dassendorf – SG Dynamo Dresden 0:3 (0:1)
DFB-Pokal, 1. Hauptrunde (Sa., 10.08.19, 15.30 Uhr)

Wie bereits im vergangenen Jahr gegen den MSV Duisburg bot die TuS Dassendorf auch im Rahmen ihrer dritten DFB-Pokalteilnahme gegen einen vermeintlich übermächtigen Zweitligisten einen starken Auftritt – belohnte sich allerdings nicht mit der ganz großen Sensation! Vor 5673 Zuschauern in der GGZ-Arena in Zwickau hielt der Hamburger Oberligist und ODDSET-Pokalsieger exakt 37 Minuten lang die Null, dann war es Dzenis Burnic über die linke Seite, der den Ball in den Strafraum brachte. Dort setzte sich Chris Löwe gegen Marcel Lenz durch und beförderte das Spielgerät ins lange Eck zur 1:0-Führung für seine SG. Am Ende unterlagen die ‚Wendelwegler‘ dem Favoriten mit 0:3 (hier geht’s zum Liveticker).

Möller und Nägele lassen binnen 120 Sekunden die durchaus verdiente Führung liegen

Pascal Nägele (re.) hatte in der 23. Minute eine der beiden besten Gelegenheiten auf das 1:0. Foto: Vahlendieck

Vor einer lautstarken Kulisse – sowohl die ohnehin für ihren unnachahmlichen Support bekannten Dynamo-Fans mit ihren schwarzen Rauchschwaden zu Spielbeginn als auch der Dassendorfer Anhang um die Kicker des befreundeten Rumelner TV aus Duisburg machten ordentlich Stimmung – gehörte der erste Abschluss der Partie dem Zweitligisten: Sascha Horvath versuchte sich nach fünf Minuten, scheiterte aber an TuS-Keeper Christian Gruhne, der von Chefcoach Jean-Pierre Richter den Vorzug vor Yannick Jonas erhielt. Für ihre starken und rotzfrechen Auftritt ernteten die Dassendorfer Akteure vor allem in der Anfangsphase Szenenapplaus vom mitgereisten Hamburger Anhang. Nach 14 Minuten hatten auch die ‚gastgebenden Gäste‘ durch Offensivspieler Mattia Maggio ihre erste Gelegenheit, doch sein Schussversuch wurde geblockt. Der Oberligist war voll im Spiel, der Favorit hatte allerdings mehr Spielanteile – ohne jedoch richtig gefährlich vor Gruhne aufzutauchen. Die beste Chance der Anfangsphase hatte Moussa Koné, der mit seinem Heberversuch jedoch am TuS-Schlussmann scheiterte (16.).

Nach dieser Szene war der Underdog ganz dicht an der Führung und hatte diese gleich zwei Mal auf dem Fuß: Erst vergab Sven Möller eine beinahe hundertprozentige Chance, indem er das Spielgerät nach einer Flanke von Maggio aus kurzer Distanz nicht am stark reagierenden Kevin Broll vorbeibringen konnte, ehe ein Abschluss von Pascal Nägele freistehend aus dem Rückraum abgeblockt wurde (22., 23.). „Die ersten Chancen, die wir hatten, waren richtige Hochkaräter“, analysierte Nägele. „Das waren sogar die besseren Chancen gegenüber Dresden! Aber wenn wir die wenigen Chancen vorne nicht machen, dürfen wir uns eben nicht beschweren.“ Denn dann nutzten die Sachsen kurz darauf eine Gelegenheit, um – wie eingangs angesprochen – durch Löwe in Führung zu gehen (37.). So ging es ohne Nachspielzeit für die TuS mit einem knappen Rückstand in die Kabinen der GGZ-Arena. Fazit des ersten Abschnitts: Der klare Underdog aus Hamburg musste sich keinesfalls verstecken!

Burnic und Röser knacken die TuS und schrauben das Ergebnis in die Höhe

Sprach vom bislang größten Ereignis seiner Karriere: Sven Möller (re.). Foto: Vahlendieck

Aus der Halbzeit kamen beide Teams unverändert. Drei Minuten nach Wiederanpfiff trat Dassendorfs Spielmacher Sven Möller zum Freistoß an, fand in Kerim Carolus am zweiten Pfosten seinen Abnehmer, dessen Kopfball konnten die Dresdener Defensivspieler allerdings klären. Kurz darauf versuchte sich wiederum Maggio, scheiterte aber knapp und setzte den Ball links neben den Pfosten des SG-Gehäuses (49.). Auch nach einer Stunde war es Möller per Freistoß, der vor den Augen vom ehemaligen Dassendorfer Trainer-Duo Peter Martens und Thomas Hoffmann knapp scheiterte. Es war auch der Verdienst von Keeper Gruhne, der in der 64. Minute stark gegen René Klingenburg parierte, dass die Dassendorfer nach wie vor die Chance auf die Sensation hatten. Erst nach 75 Minuten gelang es dem Zweitligisten, durch den ehemaligen Dortmunder Dzenis Burnic die Vorentscheidung herbeizuführen. Nach einer weiteren guten Chance durch den eingewechselten Stürmer Lucas Röser, der aber am linken Pfosten scheiterte (76.), sorgte dann der kurz zuvor Gescheiterte mit seinem 3:0 für die endgültige Entscheidung. Das war’s in der Zwickauer GGZ-Arena, die große Sensation blieb aus.

Die Dassendorfer zeigten sich enttäuscht, aber aufgrund der starken Leistung keinesfalls negativ. „Jeder hat versucht, statt hundert, 120 Prozent zu geben! Das ist uns über weite Strecken des Spiels auch gelungen. Klar ist aber auch, dass wenn man die Null nicht mehr halten kann, was verändern muss. Klar ist auch, dass wir dann in Konter von denen laufen“, so Nägele. Dieser Analyse schloss sich sein Mitspieler Möller an: „Wir waren von vornherein darauf eingestellt, dass Dynamo das Spiel macht. Wir haben aber reagiert und das Spiel mit gestaltet. Die Standards hätten wir nutzen müssen, die waren gefährlich. Typisch Amateure gegen Profis war das nicht. Es war ziemlich ausgeglichen. Ich fand, wir hatten gute Ballphasen. Insgesamt war es phänomenal – die Kulisse war genial! Unbeschreiblich! Großen Respekt an Dynamo für diese Fans! In meiner Karriere war das Spiel hier bislang mein größtes Ereignis!“ So wurden die Dassendorfer, die extra nach dem Abpfiff noch einmal aus der Kabine herauskamen, von ihrem Anhang nach Spielende lautstark gefeiert – und das trotz des Ausbleibens der Sensation völlig zu Recht! „Dassendorf ist viel schöner als Berlin!“, hallte es noch minutenlang aus dem Stadion nach einem ereignisreichen Tag, den die Beteiligten so schnell nicht vergessen werden.

TuS: Gruhne; Lenz, Aust, K. Carolus; Dittrich, Dettmann (77. Hinze), Strömer (62. von Walsleben-Schied), R. Carolus; Nägele, Möller; Maggio (83. Kurczynski)
Dynamo: 
Broll; Wahlqvist, Ballas, Müller; Kreuzer, Burnic, Nikolaou, Löwe (78. Hamalainen); Horvath, Konè (70. Röser), Klingenburg (70. Atik)

Die Trainerstimmen zum Spiel:

Dynamo-Coach Christian Fiel: „Gratulation an Dassendorf für diesen Pokal-Fight! Ich bin froh, dass wir in die nächste Runde eingezogen sind. Wir haben es uns in der ersten Halbzeit sehr schwer gemacht, haben nicht gut gegen den Ball gespielt. Teilweise musste man denken, dass wir zu viele Spieler auf dem Platz hatten, die denken ‚das geht schon irgendwie‘ – das geht aber nie so irgendwie. Da hatte Dassendorf die größeren Chancen und kann dann in Führung gehen. Das erste Tor hat uns natürlich etwas Ruhe gegeben. In der zweiten Hälfte haben wir es dann etwas besser gemacht. Wichtig war, dass wir weiterkommen. Das haben wir geschafft. Die Jungs haben Selbstvertrauen mitgenommen. Ich wünsche Dassendorf alles Gute für die Saison, wenig Verletzte und viele Siege!“

TuS-Coach Jean-Pierre Richter: „Vielen Dank für diese große Anerkennung. Danke auch an den FSV Zwickau. In den vergangenen Wochen war es ein stetiger Anstieg der Emotionen. Spätestens morgen werden wir diese Emotionen in Stolz umwandeln. Wir haben versucht, einer spielstarken Mannschaft viel abzuverlangen. Vor allem in der ersten Hälfte haben wir uns Chancen herausgespielt und dann am Ende vielleicht zu deutlich verloren. Wie gesagt, die größte Anerkennung werden die Jungs in den nächsten Tagen bekommen, wenn sie das Feedback zu diesem Spiel kriegen und die Berichte lesen. Für uns als Verein, als Mannschaft aber auch für Hamburg haben wir uns hier ordentlich vertreten!“

Eine Bildergalerie zum DFB-Pokalspiel von Henrick Vahlendieck: