Pyro, Bier und Schampus: OSV feiert nach 4:1 gegen Wentorf den Aufstieg – Gottschling vergibt Elfer

Freude und Erleichterung pur bei den Kickern des Oststeinbeker SV: Die Landesliga ruft! Foto: Herzog

Oststeinbeker SV – SC Wentorf 4:1 (3:0)
Bezirksliga Ost, 30. Spieltag (Fr., 24.05.19, 19.30 Uhr)

Erleichtert und durchnässt stand Simon Gottschling in der Abenddämmerung auf dem Kunstrasenplatz am Meessen der anwesenden Lokalpresse Rede und Antwort. Erleichtert, weil er soeben den Aufstieg in die Landesliga feiern konnte. Durchnässt, weil er soeben 45 Minuten auf dem Feld gestanden hatte. Der Trainer und sein Team vom Oststeinbeker SV verabschiedeten sich mit einem souveränen 4:1-Heimerfolg gegen den SC Wentorf von der Bezirksliga Ost, gehen als Zweiter hinter dem ASV Hamburg hoch und feierten am Freitagabend den ob der sportlichen Klasse mehr als verdienten Aufstieg mit Pyro, Bier und Schampus.

OSV beginnt stark: Drei Youngster besorgen Pausenführung

Um diesen Abend noch mehr genießen zu können, sollte gegen das Überraschungsteam der Saison, den SCW, ein Dreier her. Dementsprechend agierten die Hausherren, drängten die Wentorfer in ihre Hälfte und kombinierten sich durch deren Defensivverbund. Bereits nach drei Minuten hätte Schiedsrichter Robert Karus (SC Hansa 11) nach einem Foul von SCW-Verteidiger Kristoffer Karkosch an Maximilian Grünberg statt auf Freistoß auf Elfmeter entscheiden müssen. Nach mehreren folgenden Torchancen des OSV rief Trainer Gottschling nach einer Viertelstunde an der Seitenlinie in Richtung Team: „So langsam müssen wir einen machen, Jungs!“ Gesagt, getan. Nur drei Minuten darauf folgte das 1:0 durch Nicklas Frers per Beinschuss. Selbiger war es auch, der Maximilian Kochsiek kurz darauf bediente und dieser zum 2:0 einschob (20.) – der Doppelschlag war perfekt. „Der geht zur Hälfte auf dich!“, freute sich Gottschling mit Frers. Nach 27 Minuten gab’s dann die erste Torannäherung der Gäste überhaupt. Aber Jonas Dwengers Schuss blieb zu ungefährlich.

Währenddessen diskutierten Alexander Kaya, seines Zeichens „Co“ beim OSV, und Gottschling an der Seitenlinie aus, welche Position der Chefcoach in der zweiten Hälfte denn einnehmen solle. „Du gehst dann vorne rein“, so Kaya, der von Gottschling prompt die Antwort bekam: „Ganz sicher nicht. Ich bin da, wo der Ball ist!“ Doch bevor der Übungsleiter in die Partie kam, sorgte sein (Mit)spieler Grünberg nach einer hervorragenden Lupfer-Vorlage von Youness Sbou mit dem 3:0 für die Vorentscheidung (39.). „Mit dem 0:3 zur Pause waren wir noch gut bedient“, wusste auch SCW-Trainer Slavec Rogowski.

Gottschling kommt zur Pause, wird gefoult – und vergibt Elfmeter

Auf Wunsch der Oststeinbeker Spieler wirkte ab dem Wiederanpfiff dann auch Gottschling selbst auf dem Feld mit. Mit seinem langen Zopf und der Trikotnummer zehn auf dem Rücken ordnete sich der 44-jährige Ex-Kicker (u.a. Barsbüttel und FC Bergedorf 85) hinter der Spitze ein. Dort kam er nicht sehr häufig an den Ball, musste eine Viertelstunde vor Spielende den 1:3-Treffer vom eingewechselten Wentorfer Nis Petersen mit ansehen – um kurz vor Ende dann doch noch seine große Szene zu bekommen. Erst wurde der Coach im Strafraum regelwidrig zu Fall gebracht (87.). Als sich Erdinc Örün den Ball bereits zurecht gelegt hatte, rief OSV-Co-Trainer Kaya aufs Feld: „Simon, geh hin da!“ So hörte der Chef auf seinen Assistenten, nahm sich der Aufgabe an – und setzte den Ball zwei Meter über die Latte! (88.). Örün traf kurz vor Abpfiff noch zum 4:1-Endstand (89.), die prägende Szene des Spiels blieb aber der vergebene Strafstoß. Gottschlings Fazit seiner eigenen Leistung: „Für die paar Ballkontakte solide – bis auf den Elfer.“

Doch viel entscheidender als das sportliche Geschehen war an diesem Abend der Fakt, dass sie beim OSV mit ihren lautstarken und stets kreativen Fans, den „Ultras Prostbek“, den zweiten Aufstieg in Folge feiern konnten. Schon vor dem Anpfiff erwärmten sich die Spieler in Meistershirts. Nach dem Schlusspfiff gab’s Gesang, rotes Pyro, Bierduschen für das Trainerteam und Schampus. Gottschling bilanzierte nach einer ereignisreichen Spielzeit: „Wir haben viel geackert – sehr viel. Ich glaube nicht, dass auch nur ein Team in dieser Liga so viel investiert hat, wie wir es getan haben. Natürlich haben wir auch eine gewisse Qualität. Die Saison war sehr intensiv und anstrengend. Ziel erreicht, Ansage standgehalten. Es wäre vermessen gewesen, nach außen hin zu sagen, wir wollen direkt wieder aufsteigen. Es wussten aber ohnehin alle, dass wir wieder angreifen wollten. Intern war es natürlich das Ziel.“ Direkt nach Abpfiff ging’s am Platz weiter, einen Tag später folgt dann die große Aufstiegsfeier mit Mannschaft, Offiziellen und den Fans.

OSV: Niedwetzki; Grünberg, Köksal, Oshoffa, Youness Sbou; Fehlandt, Sejdi; Kochsiek, Voigt (46. Akdemirci), Frers (46. Gottschling); Yazici (46. Örün)
SCW: Peter (81. Rauh); Schütte, Floredo, Ziems, Karkosch (54. Dehn); Ebel, Mauersberger, Dwenger; Hohnroth (60. Petersen), Stegen, Suck

Eine Bildergalerie zum Spiel von Maurice Herzog: