SVA schlägt OSV und der OSV sich selbst – auf starke Anfangsphase folgen vier Platzverweise

Tumulte am Meessen: Nach einem Foulspiel diskutieren Spieler beider Teams. Morad Sbou (2.v.l.) packt Tobias Czech am Trikot. Foto: Herzog

Oststeinbeker SV – SV Altengamme 1:3 (1:1)
ODDSET-Pokal, Achtelfinale (Fr., 07.12.18, 19.30 Uhr)

Es sah so aus, als wären die Gastgeber das klassenhöhere Team. Der Oststeinbeker SV, derzeit Spitzenreiter in der Bezirksliga Ost, legte im ODDSET-Pokal-Achtelfinale gegen den Landesligisten SV Altengamme los wie die Feuerwehr. Überragendes Kurzpassspiel, temporeiche und technisch wunderbar ausgebildete Akteure – eigentlich hätte der OSV vor 132 Zuschauern am heimischen Meessen nach 35 Minuten mit zwei, drei, wenn nicht sogar vier Toren führen müssen. Da waren sich alle Anwesenden einig. Auch SVA-Trainer Jörn Geffert: „Sie waren uns in allen Belangen überlegen und hätten klar führen müssen.“ Doch es folgten im Laufe des Spiels gleich vier (!) Platzverweise gegen die Oststeinbeker, die die Gäste zurück ins Spiel brachten und so letztlich glücklich mit einem 3:1-Erfolg ins Viertelfinale ziehen lassen.

Starke Anfangsphase des OSV – doppelter Platzverweis bringt Gastgeber aus der Spur

OSV-Torschütze Adrian Voigt (r.) bejubelt sein 1:0 mit Vorlagengeber Maximilian Grünberg. Foto: Herzog

„Wir hätten 4:0 führen müssen. Das waren hundertprozentige Chancen“, sollte Oststeinbeks Trainer Simon Gottschling nach Spielende zu Kommentar geben. Und er hatte Recht. Stürmer Adrian Voigt kam nach fünf Minuten zur ersten guten Gelegenheit nach einem Querpass von Maximilian Grünberg, scheiterte aber ebenso wie neun Minuten später. SVA-Coach Geffert war mächtig angefressen an der Seitenlinie. „Das ist so dünn!“, murmelte der 50-Jährige grimmig. Sein Team hatte mit den flinken Gastgebern große Probleme. Allen voran Marcel Meyer betrieb Chancenwucher für den OSV. Erst scheiterte der Spielmacher an Torwart Matthias Schwartz (17.), spielte dem Altengammer Schlussmann dann den Ball in die Arme (24.). Erst eine überragende Einzelaktion von Rechtsverteidiger Grünberg brachte den ersehnten und verdienten Führungstreffer für das klassentiefere Team. Der Youngster ließ vier Gästespieler stehen, sprintete im höchsten Tempo Richtung Torauslinie und legte dann quer auf Voigt, der zum 1:0 einschob (30.). „Nach dem 1:0 hat man gesehen, dass Altengamme komplett einbricht“, sagte Oststeinbeks Trainer Gottschling.

Ein grimmiger Marcel Meyer (M.) und Maximilian Grünberg (r.). Foto: Herzog

Das einzige Problem seitens des OSV: die Undiszipliniertheit. Nach der fußballerisch ansehnlichen Anfangsphase wurde es erstmals in Minute 39 hektisch. Grünberg grätschte an der Seitenlinie unmittelbar vor der Gästebank mit gestreckten Beinen Altengammes Linksverteidiger Dennis Herzberg um. Der insgesamt gute und konsequente Schiedsrichter Björn Lassen (Barsbütteler SV) zeigte dem bereits verwarnten Oststeinbeker die Rote Karte. Es folgte eine unübersichtliche Rudelbildung, in der OSV-Spielmacher Meyer Kevin Herzberg ins Gesicht gegriffen haben soll. Auch Meyer sah folglich glatt Rot. So mussten die Gastgeber ab der 40. Minute mit zwei Mann weniger auskommen. Nach dem verletzungsbedingten Wechsel – Dennis Herzberg musste nach dem Einsteigen von Grünberg das Feld verlassen – kam der SVA, wenn auch zu dem Zeitpunkt völlig unverdient, zum 1:1-Ausgleich. Jannis Reinhardt brachte einen Freistoß von links gefährlich ins Zentrum, Kapitän Dominik Scheu köpfte ins Netz (44.). So ging es mit einem für die Altengammer glücklichen Gleichstand in die Pause.

SVA kann doppelte Überzahl nicht nutzen – 2:1 erst nach vier Roten Karten

Kurz nach dem Wiederanpfiff kam Sandro Schraub für die Gäste zu einer ersten Torannäherung in Abschnitt zwei (47.). Fortan sollte es lange ruhig bleiben, der klassenhöhere SVA wusste die doppelte Überzahl einfach nicht zu nutzen, die Oststeinbeker verteidigten zudem clever. Doch dann die hektische Schlussphase, aufgrund derer Altengammes Übungsleiter Geffert nach der Partie glücklich sagen konnte: „Sie haben uns dann mit ihren Undiszipliniertheiten zurück ins Spiel gebracht. Das war heute unsere einzige Chance.“ Denn auf die beiden Platzverweise in Durchgang eins folgten zwei weitere in Abschnitt zwei. Erst sah OSV-Torschütze Adrian Voigt wegen wiederholten Foulspiels die Ampelkarte (77.), dann Kapitän Dave Fehlandt wegen Meckerns (80.). Zwischen den beiden Roten Karten gab es einen Elfmeter für den SVA, der aus einer unübersichtlichen Situation entstanden war und angesichts der hektischen und unübersichtlichen Szenen beinahe in Vergessenheit geraten wäre (78.). Erst in der 84. Minute, also ganze sechs Minuten nach dem Foulspiel, trat Patrick Bierwagen zum Elfmeter an und verwandelte sicher zur 2:1-Führung (84.). In der Nachspielzeit setzte Kevin Herzberg dann den Deckel drauf und traf zum 3:1-Endstand (90.+4).

SVA-Torschütze Patrick Bierwagen mit der Jubelgeste. Foto: Herzog

Altengammes Trainer Geffert hielt sich kurz und betonte: „Ein verhältnismäßig sehr vernebelter, unschöner Sieg. Wir sind nach dieser Partie völlig unverdient unter den letzten acht Teams.“ Einzig zu den vorherigen Geschehnissen, die nichts mit dem fußballerischen zu tun hatten, holte „Geffi“ aus und nahm den Unparteiischen ein wenig in Schutz: „Ich finde, wir haben uns hier weitestgehend moderat verhalten. Da sind weder die Jungs noch ich irgendwelcher Kritik ausgesetzt. Ich kann das alles auch nur bedingt beurteilen. Wir können nichts für die Entscheidungen. Ich finde den Schiedsrichter ansonsten sensationell, auch schon vergangene Woche gegen Bramfeld (2:2 in der Landesliga, d. Red.).“ Dann verzog sich der Coach zügig in die Umkleide, um mit seinen Spielern zur Weihnachtsfeier der Altengammer Fußball-Abteilung im Vierländer Landhaus zu fahren.



Gottschling bedient: „Nun müssen wir uns auf die Meisterschaft konzentrieren.“

Sein Pendant Gottschling, der auf Nicklas Frers (krank) und Deniz Herber (Arbeit) sowie den rotgesperrten Erdinc Örün verzichten musste, wusste nicht so ganz, was er zu den vorherigen 90 Minuten sagen soll: „Da brauche ich nichts zu sagen, glaube ich. Ich bin ehrlich gesagt sprachlos. Es gab auch diverse lange, gestreckte Beine im Zentrum von Altengamme gegen uns. Die kriegen nicht eine Gelbe Karte. Guckt mal auf die Fairnesstabelle von Altengamme. 67 Gelbe Karten haben die in der Liga zur Halbserie bekommen. Und heute keine? Merkwürdig“, zeigte sich der Oststeinbeker Trainer bedient, ehe er sich auf das Sportliche bezog: „Fußballerisch brauchen wir nicht sprechen. Das Spiel gewinnen wir 5:1, 6:1, wenn alles hinhaut. Am Ende haben wir aber sicher selbst Schuld. Marcel Meyer beispielsweise ist sicherlich einer, der auch mal emotional ist. Was er gesagt hat, weiß ich nicht.“ Nun gilt der Fokus beim OSV wieder dem Ligaalltag. Gottschling abschließend: „Sicher wäre es heute nochmal schön gewesen gegen einen Gegner auf Augenhöhe. Nun müssen wir uns aber auf die Meisterschaft konzentrieren.“

OSV: Joost; Grünberg, Köksal, Marg, Gimeno Hinrichs; M. Sbou (87. Kochsiek), Fehlandt; Youssef Sbou (90.+1 Oshoffa), Marcel Meyer, Youness Sbou; Voigt (90.+2 Qasem)
SVA: Schwartz; Voß (65. Mohr), K. Herzberg, Scheu, D. Herzberg (41. Czech); Glitza (52. Obrembalska), Bierwagen, Reimers, Reinhardt; Schraub, Zeyns

Impressionen zum Spiel von Maurice Herzog: