SVCN endgültig im Abstiegskampf angekommen: „Das brauchen wir uns nicht schönreden.“

SVCN-Innenverteidiger Marvin Schalitz saß nach dem Abpfiff noch einige Minuten konsterniert am Torpfosten. Foto: Bode

Meiendorfer SV– SV Curslack-Neuengamme 2:1 (0:0)
Oberliga Hamburg, 23. Spieltag (Sa., 23.02.19, 14.00 Uhr)

Die Bilder sagten mehr als die berühmten tausend Worte. Sie sprachen Bände. Das Oberliga-Auswärtsspiel des SV Curslack-Neuengamme beim Meiendorfer SV war nach dem Schlusspfiff von Schiedsrichter Janik Möller (SV Lieth) bereits lange beendet. Doch Daniel Grosse saß immer noch auf der Ersatzbank der Gäste. Curslacks Co-Trainer hatte seinen Kopf auf die Hände gestützt und blickte ins Leere. Ein paar Meter von ihm entfernt stand Mike Beldzik. Ruhig. Bedröppelt nach unten blickend. Der Mann mit der Nummer 23 auf dem Rücken des blauen SVCN-Trikots – er hatte nach 86 Minuten die Gelb-Rote Karte gesehen – bewegte sich minutenlang nicht. Er stand einfach nur da. Genauso wie Marvin Schalitz. Der Innenverteidiger hatte im Anschluss an den Abpfiff zunächst einige Minuten konsterniert am Pfosten des Tores gekauert, ehe er langsam aber gezielt rüber in den Mannschaftskreis der Gäste getrottet war. Nun schaute auch Schalitz ins Leere, kickte dann seine Schienbeinschützer zu Boden, hob sie auf und fand anschließend endlich Worte, um das, was da soeben passiert war, zu beschreiben.

SVCN-Abwehrhüne Marvin Schalitz konsterniert: „Da gab es einen Fehler in der Zuordnung.“

Fangen wir zunächst mit dem an, was sich sieben Minuten vor Schluss in der Flens-Arena vor 158 Zuschauern zugetragen hatte: Es stand 1:1, Schalitz ging gegen Meiendorfs Bazier Sharifi in einen Zweikampf. Sharifi fiel, Schiri Möller pfiff. Freistoß für Meiendorf von der rechten Kante des Strafraums. Michael Sara schnappte sich den Ball, servierte ihn ins Zentrum. Quasi genau in den Fünfmeterraum. Dort stand kein Curslacker, aber Meiendorfs Marcin Hercog. Und der tat, was er zu tun hatte: Per Kopf überwand der Abwehrmann SVCN-Keeper Gianluca Babuschkin und drehte jubelnd ab. 2:1 für Meiendorf – und jede Menge Ärgernisse aus Sicht der Gäste: „Bei dem Zweikampf dreht er sich in mich und fällt. Der Schiedsrichter, der kein guter Spielleiter war, pfeift unglücklicherweise Foul und gibt den Freistoß. Aber wir haben nicht aufgrund des Schiris verloren“, schilderte Marvin Schalitz die verhängnisvolle Szene und musste dann, bei der direkten Entstehung des Tores, freimütig gestehen: „Ich konzentriere mich auf Sharifi, richte den Blick nach vorne. Dann sehe ich hinter mir, dass wir zu zweit gegen drei Mann stehen. Da gab es wohl einen Fehler in der Zuordnung.“ Umso ärgerlicher, dass genau das den Knockout für den SVCN bedeutete. „Wenn man mit Sebastian Spiewak und mir gleich zwei Zwei-Meter-Leute hinten drin hat, darf man kein Gegentor nach einer Standardsituation kassieren“, so Schalitz.

Tat der SVCN aber eben doch – und so war auch der bis dahin sicher geglaubte eine Punkt an der B75 dahin. Es hätten sogar derer drei werden können. Aber der Reihe nach: Im ersten Durchgang „haben wir zwei sehr kompakte Mannschaften gesehen, die defensiv wenig zugelassen und offensiv wenig kreiert haben“, urteilte Curslack-Coach Matthias Wulff nach dem Spiel – und hatte Recht. Chancen blieben vor der Pause Mangelware. Trotzdem durfte Marvin Schalitz zurecht bekennen, dass der SVCN „in der ersten Halbzeit die bessere Mannschaft“ gewesen war. Allein: Mehr als einen Schuss von Hamed Mokhlis (20.) und einen von Florian Rogge (35.) brachte die Wulff-Equipe bei einer Meiendorfer Halb-Chance durch Sara (19., per Kopf) nicht zustande. Das aber sollte sich nach der Pause ändern: Erst verfehlte Rogge (48.), dann Till Witmütz (49.). Denn schließlich konnte Mokhlis aus einer Unsicherheit von MSV-Keeper Briant Alberti, der nach einer Ecke von Witalij Wilhelm im Duell mit Spiewak die Kugel durch die Finger gleiten ließ, Profit schlagen – 1:0 für die Gäste (54.).

MSV dreht Rückstand in Sieg – Curslacks Mike Beldzik fliegt vom Platz

Curslacks Mike Beldzik sah in der Schlussphase die Ampelkarte. Archivfoto: Herzog

Dumm nur, dass die Hausherren zum Ausgleich kommen sollten. Curslack konnte einen Ball ins Zentrum nicht verhindern, Can Düzel legte per Brust für Andrej Blum ab und Meiendorfs Angreifer versenkte das Spielgerät von links an Babuschkin vorbei ins linke untere Eck (71.). Viel passierte auch danach in beiden Strafräumen nicht – abgesehen vom Schuss des Meiendorfers Haci Gündogan, den SVCN-„Goalie Babuschkin nach 76 Minuten sicher fing. Doch da war ja noch jene unheilvolle Szene aus der 83. Minute, die zur Niederlage der Gäste führen sollte. Und zu allem Überfluss Beldziks „Ampelkarte“, die Co-Trainer Grosse mit mehr als deutlichen Worten in Richtung Referee Möller quittierte. Apropos deutlich: Das waren auch die weiteren Aussagen von Marvin Schalitz nach dem Spiel: „Wir kassieren aus dem Nichts das 1:1 und dann passiert das, was in den letzten Wochen bei uns immer passiert: Irgendwann ist ein Bruch drin und wir kommen nicht mehr in die Zweikämpfe. Nach dem 1:1 läuft das Spiel nur noch auf unser Tor. Letztlich können wir uns über das 1:2 nicht beschweren.“

Das vielleicht nicht, aber die Situation für die Elf vom Gramkowweg wird dadurch nicht besser: Der MSV (25 Zähler) ist im Klassement nun am SVCN (24 Punkte) vorbeigezogen, die Wulff-Equipe geht mehr und mehr auf ungewollten Kuschelkurs mit dem Abstiegsgespenst. „So eine Situation hatte ich in Curslack noch nicht – und ich spiele jetzt das fünfte Jahr hier. Wir sind mitten im Abstiegskampf – das brauchen wir uns nicht schönreden. Der Blick geht ganz klar nach unten. Normalerweise müsste man sagen, dass wir Scheiße am Schuh haben. Wenn du Scheiße am Schuh hast, hast du Scheiße am Schuh. Aber das können wir nicht sagen, weil Meiendorf auch unten drin steht. Es ist ganz schwer in Worte zu fassen“, konstatierte Schalitz nach dem Schlusspfiff, blieb aber immerhin optimistisch: „Ich habe keine Angst, dass wir absteigen. Wir werden uns als Mannschaft dagegen beugen. Ich bin mir zu 100 Prozent sicher, dass wir nicht absteigen werden.“

Sein Coach erklärte derweil, er habe seine Mannschaft im zweiten Durchgang „20, 25 Minuten gut drin“ gesehen, „aber dann erwischt es uns wie so oft. Wir müssen nach der Führung das 1:1 hinnehmen und werden dann immer passiver im Verteidigungsverhalten.“ Macht unterm Strich dann eben eine Niederlage und Matthias Wulffs Erkenntnis: „Für uns ist das eine ganz bittere Niederlage. Wir müssen weiter nach unten gucken. Genügend Qualität ist da, das haben wir schon gezeigt. Aber wir dürfen jetzt nicht den Fehler machen, uns genau darauf zu verlassen. Wir hatten viele unglücklich Remis oder verlorene Spiele und hätten mehr Punkte verdient. Aber das ist alles Bla-Bla, auf das man sich nicht verlassen kann. Es gibt genügend Beispiele, wo es solche Teams getroffen hat.“ Sein Gegenüber Baris Saglam frohlockte währenddessen: „Es war kein schönes Spiel von uns, aber dennoch haben wir – leider wieder nach einem Rückstand – Charakter beweisen. Es freut mich, dass wir gegen die Kopfball-Ungeheuer von Curslack, gegen die wir bis dahin jedes Luftduell verloren hatten, ausgerechnet per Kopf noch den Siegtreffer erzielen.“

MSV: Alberti; Heitbrock, Hercog, Gündogan; Rosseburg, Asante (74. Sharifi), Sara, Kayahan (46. Herrdum), Varela Monteiro; Düzel, Blum (90.+2 Hoffmann)
SVCN: Babuschkin; Rohde (81. Lechler), Spiewak, Schalitz, Wilhelm; Beldzik, Iscan (64. Radic); Witmütz (76. Kerschke), Rogge, Mokhlis; Lenz