Tornieporth im Interview: „Wenn es eine Mannschaft da unten schaffen kann, dann sind das diese Jungs.“

So möchte sich Dennis Tornieporth auch am Saisonende über den Klassenerhalt seines Düneberger SV in der Landesliga freuen. Foto: Herzog

Seit dem 01. Juli 2016 ist Dennis Tornieporth Trainer des Düneberger SV. Seit diesem Zeitpunkt geht es beim DSV steil bergauf. Mit dem Ex-Profi an der Seitenlinie, der unter anderem für den Hamburger SV II, Holstein Kiel, FC St. Pauli, Kickers Emden, Lüneburger SK und Hessen Kassel spielte, ging es von der Kreis- in die Landesliga – und das innerhalb von nur zwei Jahren. Auf den Meistertitel in der Kreisliga 3 folgte der Titel in der Bezirksliga Ost. Nach dem geglückten Durchmarsch in die Landesliga Hansa rechneten nicht wenige im Hamburger Amateurfußball damit, dass der Verein vom Silberberg auch in der zweithöchsten Hamburger Spielklasse eine gute Rolle spielen wird. Doch es kam anders. Zum ersten Mal unter der Leitung von Tornieporth kriselte es beim DSV. Abstiegskampf statt sorgenfreie Debüt-Saison in der Landesliga. Langsam aber sicher biegt die aktuelle Spielzeit auf die Zielgerade ein und für die Düneberger wird es Ernst im Kampf um den Klassenerhalt. Wir haben mit dem 36-Jährigen über die aktuelle Situation beim Tabellenvorletzten, einen eventuellen Abstieg im Jahr des 100-jährigen Vereinsjubiläums, die Stimmung in der Mannschaft und einen Abstiegskampf bis zur letzten Sekunde gesprochen.

BOLZJUNGS: Hallo Dennis, du stehst mit deiner Mannschaft nach 22 Spielen mit 16 Punkten auf dem 15. Tabellenplatz. Es sind noch acht Partien zu absolvieren. Wie schätzt du die Lage des Düneberger SV im Abstiegskampf der Landesliga Hansa allgemein ein?
Dennis Tornieporth: Wir haben noch genügend Zeit, um die nötigen Punkte einzufahren. Ich habe von Anfang an gesagt, dass es ein Kampf bis zum letzten Spieltag im Mai wird. Wir sind mit vier, fünf weiteren Mannschaften da unten drin. Wir müssen einfach am Ende drei Teams hinter uns lassen. Wir haben alles in der eigenen Hand und spielen gegen die Mannschaften da unten noch selbst. Egal ob es Elazig Spor, Berne, Bergstedt oder Inter 2000 ist. Von daher müssen wir diese Spiele halt gewinnen. Mich stimmt es optimistisch, wie wir in den ersten Partien im Jahr 2019 gegen Altengamme und den SV Nettelnburg/Allermöhe aufgetreten sind. Auch 60 bis 70 Prozent gegen Voran Ohe waren völlig in Ordnung. Wir sind optimistisch, dass wir es schaffen können, wissen aber auch, dass es nur mit der richtigen Einstellung geht – so wie beispielsweise in der zweiten Halbzeit in Ohe.
BOLZJUNGS: Woran müsst ihr noch konkret arbeiten, damit der Klassenerhalt klappt?
Tornieporth: Dieser unbedingte Wille, ein Tor zu erzielen und Torchancen herauszuarbeiten – der fehlt mir ein bisschen. Wir hatten in den vergangenen Jahren viel mehr Torchancen. Das ist uns etwas abhanden gekommen. Wir sind im Training fleißig dabei, spielen die Situationen durch und machen das super. Im Spiel, wenn der Gegner dazu kommt, ist es ein bisschen schwieriger. Das ist klar.
BOLZJUNGS: Ist das Szenario, dass ihr im Jubiläumsjahr des Vereins direkt wieder absteigen könnt, ein zusätzlicher Druck für dich?
Tornieporth: Über das 100-jährige Jubiläum mache ich mir eigentlich gar keine Gedanken. Wir sind in kürzester Zeit aufgestiegen, damit hat keiner gerechnet. Der Verein kommt aus der Kreisliga, ist eigentlich ein ewiger Kreisligist und nun spielen wir in der Landesliga – und das innerhalb von zwei Jahren. Deshalb machen wir uns da gar keinen Druck und setzen uns einen zusätzlichen Rucksack auf. Wenn wir abstiegen, haben wir es verdient, dann ist es so. Aber das Jubiläum ist kein zusätzlicher Druck.
BOLZJUNGS: Wie ist die Stimmung bei Euch im Team? Glauben alle Spieler zu einhundert Prozent an den Klassenerhalt?
Tornieporth: Wir haben ein super Klima in der Truppe und sind im Training immer 14 bis 18 Leute. Es macht Spaß, mit den Jungs zuarbeiten. Es sind alles feine Kerle, die einen super Charakter haben. Wenn es eine Mannschaft da unten schaffen kann, dann sind das diese Jungs.
BOLZJUNGS: Das klingt sehr überzeugend. Was macht dich da so sicher?
Tornieporth: Die Jungs leben die Mannschaft und sie betiteln sich selbst als eine Familie. Ich glaube, das ist ein Faustpfad im Abstiegskampf, dass man wirklich in so einer hohen Anzahl beim Training ist und gut trainiert. Letztendlich haben die Jungs auch schon Spiele gewonnen, die man in unserer Situation nicht zwingend gewinnen muss – wie beispielsweise gegen Altengamme oder in Nettelnburg. Von daher ist das Jahr 2019 gut angelaufen. Die Auftritte, nehmen wir das Spiel gegen Rahlstedt mal raus, stimmen mich optimistisch, dass wir es schaffen können. Die Jungs leben es, wollen es und deswegen können wir es definitiv schaffen, die Klasse zu halten.
BOLZJUNGS: Hast du einen konkreten Punkte-Plan in der Tasche, dass du sagst, „wir müssen noch genau so viele Zähler holen, um drin zu bleiben“ oder schaust du tatsächlich von Spiel zu Spiel?
Tornieporth: Es gibt keinen konkreten Plan. Natürlich gehen wir in jedes Spiel mit der Einstellung, es gewinnen zu wollen. Aber es gibt jetzt kein Ziel, dass wir exakt zehn oder zwölf Punkte holen müssen. Wir wollen gegen die direkten Konkurrenten gewinnen, das ist uns gegen Rahlstedt misslungen. Aber wenn wir dann gegen Mannschaften wie Dersimspor, die weiter oben stehen, mal einen Punkt mitnehmen oder gar dreifach punkten, dann ist das super für uns. Aber wir müssen halt die Sechs-Punkte-Spiele gegen die direkten Konkurrenten gewinnen. Darauf arbeiten wir hin und das ist das Ziel.
BOLZJUNGS: Also rechnest du mit einem Abstiegskampf bis zur letzten Sekunde?
Tornieporth: Genau, ich erwarte einen richtigen Kampf. Ich glaube die Monate April und Mai sind für uns ausschlaggebend. Der März war für uns da, um reinzukommen, sich abzutasten und eine Linie zu finden. Diese haben wir nun gefunden. Im Mai spielen wir noch gegen Elazig Spor, Berne und Bergstedt. Das sind alles direkte Konkurrenten. Aus diesen drei Spielen müssen wir eigentlich neun Punkte holen und wenn wir bis dahin noch vier bis sechs Punkte holen, dann sollten wir es geschafft haben.
BOLZJUNGS: Und wenn der Klassenerhalt tatsächlich erreicht wird. Was passiert dann am Silberberg?
Tornieporth: Dann spielen wir ein zweites Jahr in der Landesliga und es wird nächste Saison ein genauso schwerer Kampf, wie in dieser Spielzeit, weil die Voraussetzungen einfach noch nicht so gegeben sind, dass wir dauerhaft in der Landesliga bestehen können – finanziell sowie von den Rahmenbedingungen her. Aber mit Herz, viel Hingabe und der richtigen Mentalität kann man auch ein zweites Jahr in der Landesliga überstehen. Aber dazu gehört der erste Step und der sieht so aus, dass wir in diesem Jahr drin bleiben müssen.
BOLZJUNGS: Vielen Dank für das Gespräch, Dennis. Wir wünschen dir und deinem DSV viel Erfolg und alles Gute für die restliche Spielzeit.