TuS-Kapitän Aust im Interview: „Ich persönlich habe auch nicht mit diesen Konsequenzen gerechnet.“

Aufmerksamer Zuhörer: TuS-Kapitän Amando Aust (li.) mit Neu-Coach Jean-Pierre Richter. Foto: Herzog

Stammspieler, Identifikationsfigur und Kapitän: Amando Aust gehört bei der TuS Dassendorf zweifelsohne zu den wichtigsten Spielern und bildet zusammen mit Joe Warmbier, Sven Möller & Co. das Gesicht des Serienmeisters. Seit Juli 2015 trägt der 28-Jährige bereits das Trikot der TuS und konnte bisher dreimal die Meisterschaft und einmal den ODDSET-Pokal mit den „Wendelweglern“ gewinnen. Aktuell befindet sich der Defensivspieler, der zwei Länderspiele für die Nationalmannschaft Gambias vorzuweisen hat, in seiner vierten Spielzeit bei den Blau-Weißen. BOLZJUNGS hat mit Amando Aust, der vor seiner Zeit in Dassendorf für den OSC Vellmar, Holstein Kiel II, Holstein Kiel, den VfR Neumünster und die TSG Neustrelitz auf dem Platz stand, über die Entlassung von Elard Ostermann und seinem Trainerteam, den Auftritt von „Co“ Mirko Petersen auf der Pressekonferenz nach der Niederlage gegen Altona 93, den neuen Coach Jean-Pierre Richter sowie die Zielsetzung für die restliche Saison gesprochen.

BOLZJUNGS: Am vergangenen Montag hat sich die TuS von Trainer Elard Ostermann sowie dessen „Co“ Mirko Petersen und Torwart-Trainer Sandro Ahrens getrennt. Kamen die Trennung und der Zeitpunkt der Beurlaubung für dich überraschend oder war das abzusehen?
Amando Aust: Abzusehen war es nicht direkt, da der Verein im Winter beschlossen hatte, die Zusammenarbeit bis zum Sommer fortzuführen. Nach der Niederlage habe ich persönlich auch nicht mit diesen Konsequenzen gerechnet. Ich habe es dann aber geahnt, als mich der Sportchef direkt am Montagvormittag um Rückruf bat.
BOLZJUNGS: Hätte man die Trennung aus deiner Sicht nicht schon im Winter vollziehen müssen?
Aust: Hätte man das bereits im Winter gewusst, wäre es rückwirkend gesehen natürlich die bessere Option gewesen. Dadurch hätten wir mehr Zeit gehabt, um uns an den neuen Trainer zu gewöhnen.
BOLZJUNGS: Wann und durch wen wurdet ihr als Mannschaft über die Trennung von Ostermann, Petersen und Ahrens informiert?
Aust: Bereits am Montagabend beim Training. Dort haben sich die Trainer noch persönlich von uns verabschiedet und unser Sportchef (Jan Schönteich, d. Red.) hat den neuen Trainer angekündigt.
BOLZJUNGS: Wie hat die Mannschaft auf die Trennung reagiert?
Aust: Glücklich ist glaube ich niemand darüber, dass bei den Verantwortlichen im Laufe einer Saison das Gefühl aufkommt, den Trainer wechseln zu müssen. Die Mannschaft nimmt aus dieser Geschichte Energie mit, mit der wir in den kommenden drei Monaten die letzten 16 Spiele für uns entscheiden wollen.
BOLZJUNGS: Wie hast du den Auftritt von Mirko Petersen auf der Pressekonferenz nach der Altona-Pleite empfunden? Wurde darüber in der Mannschaft gesprochen?
Aust: Das war tatsächlich relativ wenig Thema. Ich persönlich habe davon erst am nächsten Tag gehört und fand den „Aufschrei“ übertrieben. „Naddel“ ist eine ehrliche Haut und hat gesagt, wie er das Spiel empfunden hat. Innerhalb der Mannschaft hat ihm das niemand übel genommen – warum auch? Innerhalb der Mannschaft haben wir eher besprochen woran es lag, dass wir am Sonntag nicht so performt haben, wie wir uns das vorgenommen hatten. Das ist – denke ich – auch eine zielführendere Diskussion, als ein Interview bei einer Pressekonferenz.
BOLZJUNGS: Wie war das Verhältnis zwischen der Mannschaft und dem Ex-Trainerteam?
Aust: Zumeist gut, gerade „Naddel“ (Spitzname des ehemaligen Co-Trainers Mirko Petersen, d. Red.) ist jemand zum Pferde stehlen und immer für ein Kaltgetränk nach dem Training zu haben. Mit Elard (Ex-Trainer Elard Ostermann, d. Red.) gab es immer fachlich sehr gute Gespräche und Anmerkungen, so wie man sie sich von einem angehenden Fußballlehrer erwartet und erhofft.

Bei Erfolg sagt man ‚trotz der Umstände‘ und bei Misserfolg ‚wegen dieser Umstände‘. So läuft das Geschäft eben.

Beim Jubeln immer ganz vorne dabei: Amando Aust (Nr. 16) freut sich mit Mattia Maggio und Co. Foto: Herzog

BOLZJUNGS: Hat die andauernde Abwesenheit von Elard Ostermann den Trainingsbetrieb erschwert und den Erfolg dadurch beeinträchtigt?
Aust: Jeder, der schon einmal Fußball gespielt hat, weiß, dass es anders ist, unter dem Co-Trainer zu trainieren. Wenn der Cheftrainer nicht da war, gab es sicherlich auch manchmal im Training das ein oder andere Prozent weniger. Nichtsdestotrotz haben wir – nach Anlaufschwierigkeiten – die Hinserie auf dem ersten Platz beendet und zwischenzeitlich gute Spiele abgeliefert. Die Abwesenheit von Elard (Ex-Trainer Elard Ostermann, d. Red.) war uns von Anfang an bewusst und auch die Gefahren, die diese nach sich ziehen kann. Beispielsweise ist es für unzufriedene Spieler natürlich schwerer, den Coach von sich zu überzeugen, wenn dieser lediglich am Ende der Woche da ist. Letztendlich ist alles Auslegungssache. Bei Erfolg sagt man „trotz der Umstände“ und bei Misserfolg „wegen dieser Umstände“. So läuft das Geschäft eben.
BOLZJUNGS: Was war anders, als im Vergleich zu der Zeit des erfolgreichen Trainer-Duos Peter Martens/Thomas Hoffmann?
Aust: Der größte Unterschied war sicherlich die „positive“ Verrücktheit, mit der Hoffi und Peter die Oberliga begleitet haben. Sie haben dem Erfolg in dieser Liga vieles andere untergeordnet. Auch Elard war immer professionell und gut auf jeden Gegner und die Einheiten vorbereitet, aber vom Typ ist er einfach eher analytisch und ruhig. Und damit natürlich das komplette Gegenteil zum Trainergespann der vergangenen Serie. Welche Art man nun bevorzugt, ist natürlich subjektiv.
BOLZJUNGS: Nun steht mit Jean-Pierre Richter der Nachfolger fest, der eigentlich erst im Sommer am Wendelweg das Zepter übernehmen sollte. Wie ist dein erster Eindruck vom neuen Coach?
Aust: Der erste Eindruck ist gut. Er hat eine klare Idee, wie er spielen möchte und sofort damit begonnen, uns diese zu vermitteln. Bei einem neuen Trainer werden die Karten neu gemischt, also sieht man auch direkt im Training bei dem ein oder anderen Spieler eine signifikante Leistungssteigerung. Das freut den Trainer und hilft der Mannschaft.
BOLZJUNGS: Wie waren die ersten Einheiten und die ersten beiden Testspiels gegen den Oststeinbeker SV und gegen Hamm United unter Jean-Pierre Richter?
Aust: Die Einheiten waren mit einer guten Intensität, aber auch mit Spaß verbunden. Bisher können wir nicht klagen. Das Spiel gegen Oststeinbek hat so gut wie keine Aussagekraft, da wir nur mit einer Rumpfelf aufgetreten sind. Das Spiel gegen United war – für die Platzverhältnisse – phasenweise in Ordnung. Im aktuellen Kennenlernprozess war das Spiel für beide Seiten wichtig, sodass wir einige Erkenntnisse aus der Partie ziehen können.

Wir wollen beide Titel verteidigen.

Immer mittendrin statt nur dabei: Dassendorfs Amando Aust. Foto: Bode

BOLZJUNGS: Wie hat die Mannschaft den neuen Übungsleiter aufgenommen?
Aust: Alle Spieler schauen nun nach vorne und sind überzeugt davon, dass sich die Ambitionen gemeinsam mit dem Trainer verwirklichen lassen. Ich denke und hoffe, dass er sich direkt willkommen gefühlt hat. Jeder Spieler weiß, dass er aus talentierten Mannschaften gute Teams geformt hat, deswegen glauben wir daran, dass wir gemeinsam erfolgreich sein werden.
BOLZJUNGS: Nach 21 Spielen steht ihr „nur“ auf dem fünften Tabellenplatz und habt bei einem Spiel weniger sechs Punkte Rückstand auf den Tabellenführer Altona 93. Ist das für Eure Ansprüche eine ernüchternde Momentaufnahme?
Aust: Selbstverständlich war der Plan nicht so, dass wir jetzt Fünfter sein wollten. Dennoch sind es lediglich sechs Punkte. Wir können noch 39 Punkte holen und dann werden wir am Ende der Serie sehen, wofür das reicht.
BOLZJUNGS: Du bist seit Juli 2015 am Wendelweg: Ist es momentan die vermeintlich schwerste Zeit, die du im Trikot der TuS Dassendorf durchlebst?
Aust: Mit Ausnahme der letzten Serie war bisher jede Saison mit solchen Phasen gespickt. In meiner ersten Serie war die Saison für uns bereits am 9. Spieltag gelaufen (O-Ton Trainer), da Barmbek eine gute Serie spielte. Im Jahr darauf war Concordia uneinholbar und unschlagbar. Es gab immer Phasen, in denen nicht alles funktionierte beziehungsweise in denen wir nicht ganz oben standen. Deswegen bin ich nicht besorgt. Dennoch hat die Niederlage gegen Altona 93 unsere Sinne geschärft und wir wissen, was wir in den verbleibenden Partien zu tun haben.
BOLZJUNGS: Neben der Liga seid ihr auch noch im ODDSET-Pokal vertreten und trefft im Viertelfinale auf den SV Altengamme. Wie sehen Eure Ziele für die restliche Saison aus?
Aust: Unverändert. Wir wollen beide Titel verteidigen.
BOLZJUNGS: Wie geht es bei Dir persönlich weiter?
Aust: Mein Vertrag läuft noch bis zum 30.06.2020, das heißt ich trage auch in der kommenden Serie das blau-weiße Trikot.
BOLZJUNGS: Vielen Dank für das Gespräch, Amando. Wir wünschen Dir alles Gute und viel Erfolg für deine Zukunft.