Verabschiedungen und Meisterfeier: Ausgelassene Stimmung beim Saisonfinale in Fünfhausen

Sie wollten seit mehreren Jahren in die Landesliga. Nun haben sie es geschafft: Der ASV Hamburg. Foto: Herzog

SC Vier- und Marschlande – ASV Hamburg 1:1 (1:0)
Bezirksliga Ost, 30. Spieltag (Sa., 25.05.19, 16.15 Uhr)

Es lief die 48. Spielminute in der Bezirksliga-Partie zwischen dem SC Vier- und Marschlande und dem bereits als Meister festgestandenen ASV Hamburg (1:1), als SCVM-Trainer Olaf Poschmann in seinem letzten Spiel nach drei Jahren drei Mal laut über den Rasenplatz in Fünfhausen pfiff. Alle seine Schützlinge eilten zu ihm an die Seitenlinie und bildeten zusammen einen Spalier. „Was passiert denn hier jetzt?“ fragten sich einige Zuschauer. So schritt Oliver Kunkel, der zurück zu seinem ehemaligen Verein Hamm United FC wechselt, bei seiner letzten Auswechslung für die „Red Devils“ durch den gebildeten Spalier und wurde unter großem Applaus verabschiedet. Diese Zeremonie folgte im weiteren Spielverlauf noch zwei weitere Male: Für Keeper Nick Kiesling, der zum SV Altengamme wechselt, und für Moritz Kühn, der sich dem Oberligisten SV Curslack-Neuengamme anschließt. Doch damit nicht genug: Nach Spielende wurden diese Verabschiedungen fortgesetzt. Erst bekamen alle Abgänge ein paar nette Worte und Abschiedsgeschenke, ehe auch das Trainerteam um Chefcoach Poschmann verabschiedet wurde. Letzterer wurde anschließend von seiner Mannschaft drei Mal in Luft geworfen. Anschließend machten sich Spieler und Trainer zum ausgerufenem Freibier auf.

Sein letzter Gang führte ihn durch einen Spalier: Oliver Kunkel bei seiner Auswechslung. Foto: Herzog

Bier und Alkohol? Eigentlich kein großes Thema für den ASV Hamburg. Doch an diesem Samstag (25.05.19) war alles anders: Bereits um 12 Uhr traf sich der Bezirksliga-Meister auf der heimischen Anlage an der Snitgerreihe und stimmte sich feuchtfröhlich auf das abschließende Auswärtsspiel am Deich in der Ost-Staffel ein. „Wir haben vier, fünf Jahre auf diesen Tag hingearbeitet, da darf man auch mal vor dem Spiel schon feiern“, grinste Offensivspieler Abdul-Nafe Farahi, der nach dem Abpfiff den Einpeitscher für die Feierlichkeiten des ASV auf dem Rasenplatz gab. Nach dem Abpfiff von Schiedsrichter Maximilian Philipp Rublik (Glashütter SV) stürmten alle Spieler und Verantwortlichen bewaffnet mit Schampus-Flaschen auf den Platz und begossen die Meisterschaft und den Landesliga-Aufstieg. Dabei trugen alle Beteiligten weiße Meister-Shirts mit der Aufschrift: „Weniger reden, mehr Meister!“ – eine kleine Spitze gegen den Oststeinbeker SV und seine Fans, die im Hinspiel gegen den ASV ein Spruchband mit der Aufschrift „Mehr spielen, weniger reden“ an der Bande montierten.

Kunkel meldet die Anlage am Sporthallenweg mit über 47.000 Zuschauern als ausverkauft

Dieser Nachmittag in Fünfhausen war ein guter Beweis dafür, dass nicht immer die 90 Minuten auf dem Feld das Erwähnenswerte sind – besonders nicht am Saisonende, wenn bereits alle Entscheidungen feststehen. So war auf dem Rasenplatz durchgängig faire und freundschaftliche Stimmung zu spüren. Nachdem der SCVM bereits drei Mal ausgetauscht hatte, dennoch seinem Spieler Moritz Kühn den wohlverdienten Abschied mit der eingangs erwähnten Auswechslung im Spalier widmen wollte, nahm auch ASV-Coach Mohet Wadhwa einen Spieler vom Feld, um die Gleichzahl wieder herzustellen. Ein weiterer Beleg für die lockere Stimmung am Sporthallenweg: Als er bereits ausgewechselt war, schnappte sich Oliver Kunkel das Mikrofon des „Stadionsprechers“ und meldete den beschaulich besuchten Sportplatz mit über 47.000 Zuschauern als ausverkauft – dafür erntete der Blondschopf Applaus und Gelächter. Genauso wie der ehemalige SCVM-Akteur Timo Aschenbrenner als er bei einem Foulspiel gegen ihn keinen Freistoß bekam und auf die Sprüche um den bestens gelaunten Robert Pallasch vom VfL Lohbrügge am Seitenrand mit den Worten „Seid froh, dass ich auf Bewährung bin“ reagierte. Apropos Pallasch: Als dieser eine leere Bierflasche am Spielfeldrand übersah und er diese zu Bruch brachte, bekam er ebenso flotte Sprüche zu hören: „Pallasch, heb die Scherben auf – von eurer Saison.“ Dieses Mal mit der Anspielung auf den verpassten Aufstieg des VfL Lohbrügge in die Oberliga. Ein Nachmittag mit bester Stimmung!

Gleich mehrere Spieler und das Trainerteam um Olaf Poschmann verlassen den SCVM. Foto: Herzog

Doch Fußball wurde auch gespielt – auch wenn diese Partie schnell erzählt ist. Nachdem die Hausherren durch Kunkel mit ihrer ersten Chance in Führung gingen (11.), versäumte es die Poschmann-Equipe zahlreiche beste Gelegenheiten in eine höhere Führung umzumünzen. Besonders Tobias Kehr hatte reihenweise Möglichkeiten, das Spiel schon vor dem Halbzeitpfiff zu entscheiden (19., 29., 31.). Während im ersten Abschnitt  noch (teils) ansehnlicher Fußball geboten wurde, konzentrierten sich im zweiten Durchgang alle Beteiligten immer mehr auf die anschließenden Feierlichkeiten. Doch einer hatte noch etwas vor: Timo Aschenbrenner fehlte noch ein Treffer, um Torschützenkönig der Bezirksliga-Ost zu sein – zusammen mit Mihai-Vladut Bitez vom Ahrensburger TSV. Und dieses Vorhaben setzte der Torjäger um, erzielte in der 90. Minute den Treffer zum 1:1-Endstand und zu seinem 23. Saisontreffer. Unmittelbar nach diesem Treffer war Schluss. Dann gab’s Verabschiedungen, die Meisterfeier und Freibier!

Poschmann: „So ist es schon emotional, wenn man den Verein nach drei Jahren verlässt.“

„Fußball ist Fußball, aber in den drei Jahren sind natürlich auch Freundschaften entstanden. So ist es schon emotional, wenn man den Verein nach drei Jahren verlässt“, sagte der scheidende SCVM-Trainer Olaf Poschmann nach dem Spiel sichtlich angefasst. „Obwohl wir von den Gegebenheiten her eine schwierige Rückrunde hatten, haben die Jungs nie den Fuß vom Gaspedal genommen und alles rausgehauen. Obwohl das Trainerteam und viele Spieler den Verein verlassen, hat die Mannschaft in der Rückrunde an einem Strang gezogen. Wenn das schon am Anfang der Saison so gelaufen wäre, hätten wir hier nicht um den sechsten Platz, sondern um die Meisterschaft gespielt“, erklärte „Poschi“. Apropos Meisterschaft: Die haben sie nun beim ASV Hamburg erreicht – und das nach mehreren Versuchen in den vergangenen Jahren! Nach Platz drei (2015/16), Platz vier (2016/17) und Platz fünf (2017/18) hat es in dieser Spielzeit für die Wadhwa-Equipe zum Titelgewinn gereicht. „Die erreichte Meisterschaft und der Aufstieg in die Landesliga waren harte Arbeit. Nun sind wir alle sehr erleichtert. Wir haben sehr viel an Leidenschaft, Engagement und Kraft investiert“, freute sich der ASV-Coach, ehe er sich auf die verdienten Feierlichkeiten bezog. „Die Jungs haben schon am Donnerstag beim Training angefangen, Pläne zu schmieden. So haben wir uns bereits vor der Partie getroffen und angefangen, zu feiern. Warum sollen die Jungs nicht schon vor dem Spiel feiern? Das haben sie sich mehr als verdient“, erklärte Wadhwa abschließend.

SCVM: Kiesling (56. Tofern); Schneider, Stegmann, Busch, P. Wegner; Kühn, Kunkel (48. Pawlak), Bultmann, Sievers; Cicek (46. Oldag), Kehr
ASV:
Ulrich (46. Ahmadi); Gyasi, Atai, Barlak, Appiah; Kaba, Szymborski, Al Radi; Ludin (46. Iddrisu), Aschenbrenner, Farahi (46. Kohistani)

Eine Bildergalerie von Maurice Herzog: