Voran Ohe findet zurück zu den alten Tugenden und siegt: „Wenn es darauf ankommt, ist die Truppe da.“

Torschütze Maxim Gassmann (li.) dreht nach seinem 2:1-Führungstreffer zum Jubel ab. Seine Teamkollegen folgen. Foto: Zerbian

FC Voran Ohe – Rahlstedter SC 3:1 (1:1)
Landesliga Hansa, 20. Spieltag (Fr., 01.03.19, 19.30 Uhr)

Der FC Voran Ohe verabschiedete sich mit vier Niederlagen und einem Remis aus den vergangenen fünf Partien im Jahr 2018 in die Winterpause. Doch auch in der Vorbereitung lief es ergebnistechnisch nicht allzu rosig. 1:10-Pleite gegen den Oberligisten HSV Barmbek-Uhlenhorst, 1:1 gegen den SV Altengamme II, eine 4:5-Niederlage gegen die TSG Bergedorf, die genau so wie der SVA II in der Kreisliga spielt, und eine deutliche 0:4-Pleite gegen den klassentieferen Bezirksligisten ASV Bergedorf 85. Immerhin siegte der FCVO zweimal gegen den TSV Glinde aus der Bezirksliga (3:2, 6:0). Trainer Rainer Seibert wusste aber, woran es in den vergangenen Spielen haperte. „Wir wollen die alten Tugenden wieder aufleben lassen wie unsere Heimstärke, Laufbereitschaft, Zweikampfstärke und die Geilheit, Spiele zu gewinnen. Das ist uns in der letzten Zeit abhanden gekommen“, bemängelte der Coach vorab.

Seibert erfreut: „Wir haben zu unseren alten Tugenden und unserer Mentalität wiedergefunden.“

Aber Seibert scheint in der Vorbereitung die richtigen Töne getroffen zu haben. Mit 3:1 besiegte das „weiße Ballett“ zum Punktspielauftakt im Jahr 2019 den Rahlstedter SC. Ganz zur Freude ihres Übungsleiters. „Wir haben alles richtig gemacht in der Vorbereitung“, begann Seibert scherzhaft sein Statement, um anzufügen: „Wir haben zu unseren alten Tugenden und unserer Mentalität auf dem Platz wiedergefunden. Das haben sie richtig gut gemacht.“ Besonders in der Anfangsphase brannten die Hausherren laut ihrem Coach „ein Feuerwerk“ ab. So dauerte es nur bis zur fünften Spielminute, ehe Robin Woost nach Vorlage von Marco Braesen die 1:0-Führung markierte. Doch die Freude über den Führungstreffer hielt nicht lange an. Durch einen Konter über die rechte Außenbahn glichen die Gäste von der Scharbeutzer Straße durch Almir Mesanovic zum 1:1 aus (11.). Doch davon ließen sich die Gastgeber nicht aus dem Konzept bringen. Marco Braesen und Timo Bressel hatten beste Einschussgelegenheiten, verfehlen aber nur knapp oder scheiterten am gut aufgelegten RSC-Keeper Patrick Krysiak (15., 20., 30.). Auf der Gegenseite hatte der RSC noch zwei Chancen, die die Oher Hintermannschaft aber beseitigen konnte. Zu diesem Zeitpunkt war für Christopher Hoff auf Seiten der Gäste die Partie schon gelaufen. Der Ersatzspieler soll nach Aussagen des Linienrichters von der Bank aus Schiedsrichter Jonathan Spindler (TSV Glinde) beleidigt haben. Dafür gab es die Rote Karte (26.).

Im zweiten Abschnitt hatten die Gäste nicht mehr so viel Zugriff wie noch im ersten. Somit wurde der FCVO spielbestimmender. „In der zweiten Halbzeit haben wir nichts mehr zugelassen und hatten circa 80 Prozent Ballbesitz“, erklärte Seibert. So erzielte Maxim Gassmann drei Zeigerumdrehungen nach seiner Einwechslung nach Vorarbeit von Sebastian Kaufmann den 2:1-Führungstreffer (56.). „Das war unser Genickbruch“, analysierte RSC-Coach Bastian Hinrichs, der bis Anfang Februar noch Bastian Warning hieß. In der Folge schafften es die Rahlstedter dann nicht mehr, den Ohern gefährlich zu werden. „Wir haben alles nach vorne geschmissen, ohne aber die Riesenchance zu haben. Wir waren nicht konsequent genug und haben unsere Formation nicht gehalten“, erklärte Hinrichs, der sich aufgrund von Personalnot in der 73. Minute selbst einwechseln musste.

Erst zählt Marc Ohls Kopfballtor nicht, dann trifft er nach starkem Solo doch zum 3:1-Endstand

Fünf Minuten vor dem Ende schien dann alles klar zu sein, als Marc Ohl per Kopf das vermeintliche 3:1 markierte. Doch Schiedsrichter Spindler gab zur Verwunderung der Oher Spieler und Verantwortlichen keinen Treffer. „Der war deutlich hinter der Linie. Das war sehr unglücklich vom Schiedsrichter“, kommentierte FCVO-Trainer Seibert. Doch diese Szene sollte den Gastgebern nicht mehr zum Verhängnis werden. Der bärenstarke Marc Ohl krönte mit einer Einzelleistung und dem Treffer zum 3:1-Endstand in der Schlussminute seinen starken Auftritt. „Wir waren lauffreudig ohne Ende, bissig und zweikampfstark. Das war eine Leistungssteigerung um 720 Prozent im Gegensatz zum Testspiel gegen den ASV Bergedorf 85. Wenn es darauf ankommt, ist die Truppe da. Es freut mich sehr für die Jungs, dass sie sich heute mit dieser tollen Leistung belohnt haben“, resümierte ein zufriedener Rainer Seibert, der von einem „absolut verdienten Sieg“ sprach.

Das sah sein Gegenüber etwas anders. „Am Ende ist es etwas glücklich für Ohe, wobei sie schon zu Recht gewonnen haben. Hätten wir in der ersten Halbzeit unser Tor gemacht oder in der zweiten Hälfte noch mehr Gas gegeben, wäre es für uns ein schönerer Ausgang gewesen“, erklärte RSC-Coach Hinrichs, der von der ersten Hälfte sehr angetan war. „In der ersten Halbzeit war es ein offenes Spiel. Da hätten wir auch führen können. Beide Seiten haben das gut gemacht und immer wieder die Abschlüsse gesucht. Für uns wurde ein Abseitstor nicht gegeben, für Ohe ein Tor nicht nach einem Foulspiel. Es war wirklich offen und eine starke erste Halbzeit von beiden Mannschaften“, bilanzierte der Gästetrainer. Nach dieser Niederlage steht der Rahlstedter SC weiterhin mit 13 Punkten auf dem 14. Tabellenplatz und damit auf einem Abstiegsrang. „Wir müssen auf die erste Halbzeit aufbauen, in der wir hier gut abgeliefert haben. Nun müssen Punkte her, denn das ist das einzige, was für uns zählt. Punkte, Punkte, Punkte – am besten drei Stück“, gibt Hinrichs die Marschroute für die nächsten Aufgaben vor. Während beim RSC also der Ärger über die verlorenen Punkte überwog, konnte sie beim FCVO nach zuletzt drei sieglosen Heimspielen das machen, was sie am liebsten tun: Nach einem Sieg am heimischen Amselstieg eine Kabinenparty starten.

FCVO: Thomä; Schenkenberg, Walek, Gläser, Lang; Schröder, Kaufmann; Ohl (90. Andersson), Woost, Bressel (53. M. Gassmann); Braesen (62. Krieter)
RSC: Krysiak; Baake, Hinz, Rudigkeit, Hiob (73. Hinrichs); L. Hess, Taudte (56. Goldenbaum); Y. Hess, Mesanovic, Theis; Massoud (84. Kloninger)

Eine Bildergalerie von Wilfried Zerbian: