Wenn der Torwart zum fünften Feldspieler wird: All-Star-Team siegt beim EasyFitness-Cup 2019 des DSV

Alessandro Schirosi (schwarze Jacke) verkörperte das offensive Torwartspiel beim EasyFitness-Cup 2019 in Düneberg. Foto: Vahlendieck

Als das All-Star-Team beim EasyFitness-Cup 2019 des Düneberger SV am Sonntagmittag das Hallenparkett betrat, rieben sich die 234 Zuschauer die Augen. Ein Torwart mit schwarzer Trainingsjacke, ohne Handschuhe und mit dem Ball am Fuß an der Mittellinie (s. Bild). Und diese untypische Situation zog sich ab diesem Zeitpunkt bis zum Ende durch das Turnier. Vor allem Alessandro Schirosi, normalerweise Feldspieler beim Landesliga-Tabellenführer Hamm United, drückte dem offensiven Torwartspiel seinen Stempel auf. Schirosi hielt sich meistens an der Mittellinie auf und bot seinen vier Feldspielern damit durchweg eine zusätzliche Anspielstation. Nebenbei gelang dem „Keeper“ ein Treffer und er hatte großen Anteil am Turniersieg des All-Star-Teams. Damit war der Torwart des All-Star-Teams, welches von dem Düneberger Coach Dennis Tornieporth zusammen gestellt und betreut worden war, nicht der einzige Schlussmann in der Sporthalle Neuer Krug, dem ein Treffer gelang.

Der Turniersieger: Das All-Star-Team um „Trainer“ Dennis Tornieporth (h.l.) und dem offensiven Keeper Alessandro Schirosi (v. Mi.). Foto: Vahlendieck

Dennis Lohmeier, der in der Winterpause von der Lauenburger SV zum FSV Geesthacht gewechselt war, erzielte für den FSV, der nur denkbar knapp in der Gruppenphase gescheitert war, sagenhafte drei Treffer. Zufall war das allerdings keinesfalls. Denn nachdem das All-Star-Team bei seinem ersten Spiel (4:1 gegen den Gastgeber Düneberger SV) nicht nur die Zuschauer, sondern auch die gegnerischen Teams mit dieser Taktik überraschte, spielten einige Teams ebenfalls mit einem offensiven Torwart. „Die Spielweise war so abgemacht. Ich habe das bei Schiro (Alessandro Schirosi, d. Red.) schon mal gesehen gehabt und deswegen wollten wir es auch so machen. Mit so einem technisch versierten Team ist das auch eine gute Sache“, erklärte Tornieporth, der neben Schirosi einige bekannte Namen aus dem Verbreitungsgebiet im Kader hatte. Jan Landau (Hamm United), Witalij Wilhelm, Marvin Schalitz, Jan Bannasch (alle SVCN) oder auch Tolga Celikten (TSV Sasel) schlüpften in die grauen Jerseys. Neben diesen bekannten Spielern aus der Ober- und Landesliga hatte „Tornie“ mit Marco Schuhmann (SV Drochtersen/Assel) und Stefan Wolk (Lüneburger SK Hansa) auch zwei Akteure aus der Regionalliga dabei. Wie begeistert man denn solche Spieler für ein Hallenturnier, Herr Tornieporth? „Das sind Fussis durch und durch. Die spielen am Liebsten jedes Turnier. Das hat heute einfach super gepasst. Man kennt sich einfach und spielt gerne mit ihnen zusammen, deswegen habe ich sie auch in mein Team geholt“, erklärte ein strahlender Turniersieger-Trainer.

SVNA: Drittes Turnier, dreimal Zweiter – „Eine Konstanz, die wir uns nicht aneignen wollen.“

Dieses Strahlen konnte Tornieporth aber nicht im Gesicht behalten, als er über das Abschneiden seines eigentlichen Teams angesprochen wurde. Der Düneberger SV schied als Gruppenletzter der Gruppe A bereits in der Vorrunde aus, konnte sich aber mit dem 1:0-Derbysieg gegen den FSV Geesthacht im letzten Gruppenspiel doch noch ordentlich verabschieden. „Der Derbysieg zählt mehr als der letzte Platz“, sagte der Coach, um dann doch wieder ins Strahlen zu geraten und zu betonen, dass es „ein schönes Turnier mit zwei verdienten Finalteilnehmern“ war. Neben dem All-Star-Team qualifizierte sich auch der SV Nettelnburg/Allermöhe, der mit Oliver Franz (5 Treffer) den besten Torschützen des Turnier stellte, für das Endspiel. Trotz 1:0-Führung und einem zwischenzeitlichem 2:2 musste sich das Team von Daniel Andrade-Granados, das ohne Rückkehrer und Ex-Düneberger Dominik Schindler antrat, mit 2:4 geschlagen geben. „Das war ein schönes Turnier. Wir haben gut gespielt, waren verdient im Finale und haben einen verdienten zweiten Platz belegt“, resümierte „DAG“, der sich mit seinem SVNA im dritten Hallenturnier zum dritten Mal den zweiten Platz sicherte. „Dass wir dreimal den zweiten Platz geholt haben, ist konstant. Eine Konstanz, die wir uns nicht unbedingt aneignen wollen“, betonte der Coach grinsend. Bereits sowohl beim E-Werk-Cup in Reinbek als auch beim 5. Team Speed Cup des SC Vier- und Marschlande musste sich die Andrade-Granados-Equipe nach jeweils einer Finalniederlage mit dem zweiten Platz zufrieden geben.

War mit fünf Treffern der erfolgreichste Schütze: Oliver Franz (l.) vom SVNA mit Organisator Andreas Kreutzer. Foto: Vahlendieck

Am Finale schnupperte auch der ASV Bergedorf 85, der sich nach einer ordentlichen Gruppenphase mit sieben Punkten für das Halbfinale qualifizierte, in diesem aber mit 1:5 gegen den SVNA den Kürzeren zog. Im Spiel um Platz 3 traf das Team von Patrick Paap auf die U19 des SV Eichede, die mit Torwart Jacob Gelzer, den zum besten Keeper des Turniers gewählt worden war, Simon Seidel und Tim Schmidt drei ehemalige Spieler des SVNA (C- und B-Junioren) in ihren Reihen hatte. Aufgrund der zeitlichen Verzögerung von knapp einer Stunde wurde diese Partie im Neunmeterschießen entschieden. Da SVE-Keeper Gelzer zwei von drei Neunmetern parieren konnte, sicherte sich die U19 mit einem 2:1-Erfolg einen beachtlichen dritten Platz. Dem ASV blieb somit der vierte Rang. „Im Großen und Ganzen bin ich zufrieden mit dem Turnier, welches ja auch nicht schlecht besetzt war. Ärgerlich ist, dass man das Turnier dann als Vierter beendet. Nach dem langen Tag hätte man sich schon über Platz drei gefreut. Aber die beiden besten Mannschaften im Turnier haben zurecht das Finale gespielt“, resümierte Patrick Paap.

Andreas Kreutzer: „Insgesamt war es ein sehr schönes Turnier mit einem verdienten Sieger.“

Neben den beiden Teams aus dem Spiel um Platz 3 zählte auch der BFSV Atlantik 97 zu den Überraschungen. Der Kreisligist, der sich durch den Turniersieg im Qualifikationsturnier einen Tag zuvor die Teilnahme für das Hauptturnier im kommenden Jahr gesichert hatte, war durch die kurzfristige Absage vom FC Alsterbrüder eingesprungen. Atlantik 97 belegte in der Gruppe A zwar nur den vierten Platz, überzeugte phasenweise aber durch ansehnlichen Hallenfußball, wie zum Beispiel beim 4:2-Sieg gegen den Gastgeber Düneberger SV oder beim 2:2-Unentschieden gegen den späteren Turniersieger, dem All-Star-Team.

Bester Torwart des Turniers: Jacob Gelzer (li.) mit Organisator Andreas Kreutzer. Foto: Vahlendieck

So gab es am Ende eines langen Turniertages ausschließlich zufriedene Gesichter in der Sporthalle Neuer Krug in Geesthacht. „Ich bin super zufrieden. Beide Turniertage waren richtig gut besucht. Ich habe heute viele, viele gute Spiele gesehen und zwar mit einer neuen Taktik, dem offensiven Torhüter. Das hat sicherlich auch die eine oder andere Mannschaft überrascht. Insgesamt war es ein sehr schönes Turnier mit einem verdienten Sieger“, bilanzierte ein zufriedener Turnierorganisator und DSV-Ligaobmann Andreas Kreutzer. Mit dem eigenen Team konnte Kreutzer allerdings nicht zufrieden sein. „Ich bin ein bisschen enttäuscht von den Spielen gegen den ASV Bergedorf 85 (1:3) und gegen Atlantik 97 (2:4). Ich hatte eigentlich mit dem Halbfinale gerechnet. Das Stadtderby gegen den FSV Geesthacht zu gewinnen, ist dann natürlich noch ein Trost, wenn auch eher ein schwacher. Insgesamt bin ich schon ein Stück weit enttäuscht über unser sportliches Abschneiden. Aber das ist Halle und das will ich nicht überbewerten“, erklärte Kreutzer, der aus heutiger Sicht „ausschließen kann, dass wir personell noch etwas machen werden“. Neben den bekannten Neuzugängen Marcel Bannenberg, Dennis Utecht und Kevin Hoffmann ist nun auch Lucas Gottschalg, der schon einige Monate mit trainierte, für den DSV spielberechtigt. „Das ist unser vierter Neuzugang“, sagte Coach Tornieporth, der nach eigenen Aussagen auch in der Rückrunde als Spieler-Trainer aktiv sein wird. Und man darf gespannt sein, ob „Tornie“ auch draußen mit einem offensiven Torwart spielen lässt – so wie bei seinem All-Star-Team beim EasyFitness-Cup 2019.