„Zwei gravierende Fehlentscheidungen“: SVNA verliert gegen FC Türkiye und hadert mit dem Schiedsrichter

Nettelnburgs Timo Czech (li.) attackiert Türkiyes Takuro Mohara, der den Ball abschirmt. Foto: Maibach

SV Nettelnburg/Allermöhe – FC Türkiye 0:1 (0:1)
Landesliga Hansa, 7. Spieltag (Fr., 06.09.19, 19.00 Uhr)

Es lief die 21. Minute in der Landesliga-Partie zwischen dem SV Nettelnburg/Allermöhe und dem FC Türkiye als SVNA-Stürmer Dominik Schindler alleine aufs Tor lief und von Türkiye-Keeper Daniel Göbel im Strafraum zu Fall gebracht wurde. So sah es zumindest auf dem ersten Blick aus. Doch Schiedsrichter Patrick Sven Jens Hiebert (HSV Barmbek-Uhlenhorst) entschied auf Schwalbe und ließ weiterspielen. Nettenburgs Trainer Daniel Andrade-Grandos konnte es nicht fassen und protestierte lautstark. „So schnell gehe ich nicht mal zu Boden und ich bin 53 Jahre alt“, konterte FCT-Coach Jörn Großkopf die lautstarken Unmutsbekundungen seines Gegenübers. Neun Zeigerumdrehungen später wurden die Proteste der Hausherren nochmal gesteigert. Dieses Mal lief Timo Czech alleine auf das Türkiye-Gehäuse zu und wurde vor dem Strafraum von Kapitän Sahin Taflan klar ersichtlich am Trikot gezogen und umgerissen. Letzter Mann, Notbremse, Rote Karte – das dachten nun alle Zuschauer am Henriette-Herz-Ring. Doch diese machten die Rechnung ohne Referee Siebert, dessen Pfeife erneut stumm blieb. Auf Seiten der Gastgeber verstanden sie die Welt nicht mehr. SVNA-Spielführer René Seibert bekam aufgrund lautstarker Beschwerde die Gelbe Karte.

Andrade-Granados: „Ich habe selten eine klarere Notbremse im Amateurfußball gesehen.“

„Wir laufen zwei Mal alleine aufs Tor zu: Dominik Schindler spielt den Torwart schon aus, soll dann angeblich eine Schwalbe gemacht haben. Das widerspricht jeder Fußballerlogik. Der Schiedsrichter meinte im Spiel, dass er das Foul wohl hätte schinden wollte. Das ist eine sehr interessante Erläuterung, die ich überhaupt nicht verstehen kann. Bei der zweiten Aktion läuft Timo Czech alleine aufs Tor zu, wird gehalten und umgerissen. Ich habe selten eine klarere Notbremse im Amateurfußball gesehen. Das war spielentscheidend. Dass das nicht gepfiffen wurde, kann ich nicht nachvollziehen und macht mich sprachlos“, meckerte Andrade-Granados nach Spielende sichtlich verärgert. Während Großkopf die erste Situation als „klare Schwalbe“ bewertete, musste der Gäste-Trainer bei der zweiten Aktion eingestehen, dass „wir schon ein bisschen Glück gehabt haben. Es gibt auch Schiedsrichter, die das gepfiffen hätten. Dann wären wir ein Mann weniger gewesen.“ Doch so ging es mit Elf gegen Elf weiter – und die nächste Aktion, die erneut für Gesprächsstoff sorgen sollte, war nicht weit entfernt.

Nach einer ansehnlichen Kombination über mehrere Stationen erzielte Stürmer Habib Zagre aus zentraler Position mit einem platzierten Flachschuss in die rechte Ecke das verdiente 1:0 (39.). Doch laut Andrade-Granados sei in der Entstehung ein ganz klares Foulspiel erneut nicht geahndet worden. „Der Schiedsrichter hat sehr viel laufen lassen, das hat Türkiye clever ausgenutzt. Das Gegentor hatte tatsächlich nicht viel mit Fußball zu tun. Der Gegenspieler hat unseren Spieler ja gefühlt hochgehoben, auf die Schulter gelegt und einen Meter weiter wieder weggestellt. Das ist sehr bitter, wenn du dadurch einen Gegentreffer bekommst. Das ist eine von zwei gravierenden Fehlentscheidungen, die das Spiel entschieden haben“, haderte der Übungsleiter nach dem Abpfiff. Doch seinen Unmut konnte ‚DAG‘ auch während des Spiel nicht zurückstecken. „Anscheinend spielen wir heute Rugby“, kommentierte der Coach mehrmals an der Seitenlinie. Doch beinahe hätte sich die Laune des SVNA-Trainers unmittelbar vor dem Pausenpfiff stark verbessert. Timo Czech scheiterte mit einem Distanzschuss aus etwa 30 Metern allerdings nur an der Unterkante der Latte. Das Spielgerät prallte anschließend vor der Linie auf und wurde geklärt (45.). So ging es nach ereignisreichen und unterhaltsamem ersten 45 Minuten mit einem 1:0 für die Großkopf-Equipe in die Kabinen.

Jörn Großkopf: „Aber 1:0-Siege sind vor einem Mannschaftsabend besonders schön.“

Im zweiten Abschnitt passierte dann nicht mehr allzu viel. Die Gäste verwalteten das Geschehen clever und ließen keinen einzigen Torschuss der Nettelnburger zu. Die Hausherren spielten zwar phasenweise gefällig nach vorne, ihnen fehlte aber klar erkennbar jegliche Durchschlagskraft. So generierte nur der FC Türkiye in der Offensive durch Serdar Aydin (57.) und den besten Mann auf dem Platz, Takuro Mohara (65., 82., 87.), einige Chancen. Ein Treffer fiel aber nicht mehr. „Wenn man das gesamte Spiel betrachtet, war der Sieg schon verdient. Bevor wir das 1:0 erzielen, müssen wir ganz klar mit 2:0 in Führung gehen. Das waren einstudierte Sachen, das hat super geklappt“, lobte Großkopf. „In der zweiten Halbzeit haben wir nicht eine Torchance zugelassen. Dennoch haben wir unsere Aktionen im letzten Drittel nicht gut zu Ende gespielt. Aber 1:0-Siege sind vor einem Mannschaftsabend besonders schön“, gab der Gäste-Coach strahlend zu Protokoll. Zwar ärgerte sich Andrade-Granados über die Art und Weise der Niederlage, musste seinem Gegenüber aber zustimmen. „Wir haben das Spiel verdient verloren. Türkiye wollte für jeden hier ersichtlich das Spiel gewinnen und wir haben nicht jedem vermittelt, dass wir das Spiel gewinnen wollten. Der Sieg ist absolut verdient. Sie haben es clever zu Ende gespielt“, resümierte der SVNA-Coach abschließend.

SVNA: Körner; Feilke, Altun, Pawlikowski (82. N. Reimers), Lubinski; Schindler, Seibert, F. Reimers, Stefaniuk (62. Öztürk); Wischnewski, Czech
Türkiye: Göbel; Son, Taflan, Conde, Mohara; Türkad, Güraltunkeser (60. Masalci), Aydin, Okur; Karaca (72. Azizpoor), Zagre (79. Rosenthal)

Eine Galerie von Sabina Maibach: