Zweite Chance für Yurtoglu beim FSV? „Darüber müsste ich nicht mal eine Sekunde nachdenken!“

Bald wieder für sein Herzensverein im Einsatz? Der ehemalige Akteur des FSV Geesthacht Dursun Yurtoglu. Foto: Herzog

Eine Aufholjagd nach einem 1:3-Rückstand und insgesamt sieben Tore: Das Bezirksliga-Spiel zwischen dem SV Börnsen und dem FSV Geesthacht (Endstand 4:3) vor zehn Tagen am Hamfelderedder bot eine Menge, um über dieses Duell im Nachhinein in sportlicher Hinsicht zu berichten. Doch anschließend dominierte nur ein Thema die Schlagzeilen in der Hamburger Amateurfußball-Presse: Der Vorfall rund um FSV-Akteur Dursun Yurtoglu, der nach seiner Auswechslung mit Börnsens Zweitherren-Spieler André Brausendorf, der sich unter den Zuschauer befand, verbal aneinander geriet und diesen mit dem Holzstück des Kabinenschlüssels an der Schläfe traf (wir berichteten). Diese mediale Berichterstattung erreichte auch den Stürmer selbst, der mittlerweile auf eigenen Wunsch den Ost-Bezirksligisten verlassen hat (s. Transferticker vom 23.09.19). „Ich war ja das Gesprächsthema Nummer eins im Hamburger Amateurfußball“, sagt der 29-Jährige im Gespräch mit BOLZJUNGS am Dienstagmittag (01.10.19) mit einem Schmunzeln im Gesicht. In diesem machte Yurtoglu deutlich, dass es ihm in den ersten Tagen nach dem Vorfall sehr schlecht gegangen sei und er viele Tränen verdrückt habe. Vor allem der Abschied, den er aus eigenen Stücken wählte, sei ihm extrem schwer gefallen. „Das sind Dinge, die kann man nicht erzählen und beschreiben – sondern nur erleben“, so Yurtoglu. „Der FSV Geesthacht ist für mich kein Team, der FSV ist für mich eine Familie. Die Spieler, das Trainerteam, der Ligamanager und der Vereinsvorstand: Sie alle waren unglaublich. Alle standen trotz dieses Vorfalls hinter mir. Das hätte ich niemals gedacht“, schwärmt Yurtoglu und fügt an: „Ich hätte niemals gedacht, dass ich als Lauenburger so aufgenommen werde, wie ich es wurde!“

Ein weiterer Beleg für die enge Verbundenheit mit seinen Mitspielern ereignete sich am vergangenen Freitagabend beim Heimspiel gegen den TSV Wandsetal (3:1), dem Yurtoglu als Zuschauer beiwohnte – oder doch als Hauptfigur? Bei jedem Treffer seien die Geesthachter Spieler zu Yurtoglu gerannt, hätten mit ihm gefeiert und sein Trikot gezeigt. Anschließend kamen die Emotionen in ihm durch. „Danach musste ich mich erstmal ins Stadion setzen und weinen. Ich habe mich selbst gefragt, warum ich diese Jungs bloß im Stich gelassen habe“, zeigt sich der ehemalige Spieler des FC Lauenburg reumütig, der den Vorfall rund um das Börnsen-Spiel als ein „großes Eigentor“ beschreibt.

Durch diesen Rückhalt, den Yurtoglu in den zurückliegenden Tagen von Vereinsseite erfahren hat, sei in ihm der Entschluss gereift, dass er in Zukunft im Herrenbereich für keinen Verein außer dem FSV spielen kann. Dennoch weiß auch der in Lauenburg wohnende Offensivspieler aktuell nicht, wie es sportlich weitergeht. Dennoch sind für ihn diese Geschehnisse rund um seine Person kein Grund, mit dem Amateurfußball komplett abzuschließen. „Allen Leuten, die mir in dieser Thematik etwas Schlechtes wollten, werde ich es mit Fußball, Ehrlichkeit und Gerechtigkeit zurückzahlen“, formuliert die ehemalige Nummer 58 des FSV seine Marschroute. Angesprochen auf einen Artikel der Bergedorfer Zeitung vom Dienstag (01.10.19), der beinhaltet, dass er beim Aufsteiger, der aktuell den neunten Rang belegt, eine zweite Chance erhalte, reagiert er mit Unwissen. „Davon weiß ich nichts“, so Yurtoglu. Im weiteren Gesprächsverlauf bekam der Familienvater einer fünfjährigen Tochter von seinen Ex-Mannschaftskollegen einen Screenshot dieses Artikels mehrfach zugeschickt. „Ich bin sprachlos“, zeigt sich der Torjäger emotional. Also steht einer Rückkehr im kommenden Jahr – laut der Bergedorfer Zeitung hat der FSV „seinen besten Spieler bis zum Jahresende vereinsintern gesperrt und will ihn für einen Coolness-Tag beim Hamburger Fußballverband anmelden“ – nichts im Wege, Herr Yurtoglu? „Ich sage mal so: Für diese Jungs würde ich alles tun. Wenn meine Jungs, die Trainer und der Verein mir eine zweite Chance geben, müsste ich nicht mal eine Sekunde darüber nachdenken!“, signalisiert der Dursun Yortuglu seine Bereitschaft zu einem Comeback bei seinem FSV Geesthacht.